„Auch dieses Jahr ein paar Gedanken ins Buch geklebt!“ So sprach der Bär und legte los / 005

Samstag, 17. April 2021 16:40

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„aus dem Koppe rutscht mit Verve das Blut in die Eingeweide

Forderung des winterlich entleerten Abdomens schweige nun

Denkgeklingel mit Bärlauch austapezieren den Ranzen

später wieder Wörterbach Ruhe nun Kiefer mahle Zunge tanze

den Daumen hoch für den Gaumen es taumeln sachte Rülpser ins Gebüsch

ähem Echo schallt“

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„Ich glaube eine kleine Rast täte wohl, lieber Mahler!“ Wer spricht?

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„der Speise eine Weise singen wärmt Leib Seele und quäle nicht

mit leerem Bauch das Studium voran wie schon die Römer sangen einst“

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“Plenus venter non studet libenter.” Wer spricht?

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„Auch dieses Jahr ein paar Gedanken ins Buch geklebt!“ So sprach der Bär und legte los / 004

Mittwoch, 14. April 2021 16:17

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„hinter mir der Weg liegt vor mir das neue Jahr schon gestorben vor der Zeit

das Nest verließ ich singend im Aprillaunengewitter am Stock

drücke ich mich die Höhe hinauf neue Lieder wie erste Schmetterlinge

taumelnd Rauhreif auf den Flügeln durch eine hohle Gasse steigend

flatterhaft ohne Ziel der Trommelwirbel Ungewißheit in den Innereien es knirscht

des Winter Laub unter dem Fuß gnädige Erinnerung“

…..

Der Ehrenwerte Ernst Albert sagt dazu nüscht. Er läßt den Mahler den Winterschlaf reimend aus seinem Fell bürsten. Er hat ja selber genügend an der Denkbacke. Soll der Bär mal.

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„Herr Ernst Albert! Ich habe Hunger!“

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Das sollte man ernst nehmen. Also über Aufbruch nachdenken.

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„und wäre man dieses eine welke Blatt

und wäre man dieses eine Blatt was welken wird

und bliebe man ein Blatt welkend

man bliebe ein Blatt

und welkte

eben noch“

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„Mahler, jetzt iss aber mal gut! Ich habe auch Hunger! Auf!“ Sprach dann doch der Ehrenwerte Ernst Albert und Besitzer des neuen Wanderstocks.

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„Auch dieses Jahr ein paar Gedanken ins Buch geklebt!“ So sprach der Bär und legte los / 003

Montag, 12. April 2021 17:33

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„ich will es nicht wissen

was mir das Fremde in mir hielte ich es in den Händen gestern war

Bergwerke tiefe Gräben gesprengt in den Karst schuppender Erinnerungen

Laub im Lenz schon runzelnd“

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„Mensch Mahler! Eben erwacht und schon in diesen Tiefen unterwegs?“ Hätte der Ehrenwerte Ernst Albert entgegnen mögen.

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„mein Finger streicht über

rauhe Häute Schürfwunden liebevoll Gewebe vernarbt

diese Landkarte mag ich lesen morgen wenn übrig verlorene Zeit“

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„Mannobär! Da haust Du ja was raus!“ Würde der Ehrenwerte Ernst Albert niemals sagen. Da er seinen Denkbär und die alten Meister liebt. Sie waren beide in den Wald gegangen. Dem Frühling entgegen wandern. Während der ersten Rast bat Archibald Mahler um ein Gedicht, zwecks des Erwachens. Man las ihm folgendes vor. Nein, er selbst las es.

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gut gut es gibt ein Land

wo die Vergessenheit

sacht auf die unbenannten Welten drückt

da verschweigt man den Kopf der Kopf ist verstopft

und man weiß nein man weiß nichts

der Sarg der toten Münder stirbt

am Strand er ist angelangt

es ist nichts zu beweinen

..

mein Einsamsein ich kenne es ja ja ich kenn‘ es kaum

ich habe Zeit so sag ich mir ich habe Zeit

doch welche Zeit hungrig Gebein die Zeit des Hunds

die des stetig verblassenden Himmels meines Stückchen Himmels

des Strahls der zitternd emporschimmert

der Mikronen der Dunkeljahre

..

es heißt ich soll von A nach B gehen ich kann es nicht

ich kann nicht `raus ich bin in einem fährtenlosen Land

ja ja es ist eine feine Sache die sie da haben eine ganz feine

was ist das fragen sie mich nichts mehr

Spirale Staub von Augenblicken was es ist das gleiche

Die Stille die Liebe der Haß die Stille die Stille

..

(Samuel Beckett / Sechs Gedichte / 1947 – 1949)

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„Das gefällt mir. Sehr gut. Darüber will ich nachdenkend werden. Bestimmt und ganz bald. Aber ich bin immer noch so müde!“ Könnte der Archibald Mahler geantwortet haben. Wahrscheinlich sogar gewiß.

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„Auch dieses Jahr ein paar Gedanken ins Buch geklebt!“ So sprach der Bär und legte los / 002

Samstag, 10. April 2021 15:25

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„So tun als ob und wäre wenn dies Licht die Sonn‘

Und schien so hin auf’s wachend‘ Haupt und regte rege an und

Dann den Fuß bewegt geschwungen und mit Schwung bewegt es sich

Und den leicht‘ Gedanken ohne alle Schranken posaunt ins Himmelblau

Fegt weg das Grau aus den Synapsen nie mehr tapsen

Und vermuten nein sich sputen weil das Leben rast.“

So weit dachte der Bär unter der Höhensonne.

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„Sie fehlen mir ganz ungeheuerlich! Ranzen Sie Ihren Ranzen ans Freie. Mir ist nach Gespräch!“ Dies hätte Gefährte Budnikowski sagen können. Vielleicht tat er es sogar.

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„Doch all diese Schatten der Realitäten im Leben dem verpassten mit jener

Erkenntnis der späten die fallen herab auf den Boden als ob es geschehen

Zu spät all die Wehen nach der Geburt was nicht ist wird nicht werden

Phantasie nur im Koppe darum stoppe all‘ dies Beharren als sei was nie war

Es schneit noch immer kein Gewimmer diese Lampe ist keine Sonne.“

So weiter dachte der Bär bei einem knappen Blick aus dem Fenster. Über seinem Kopp wärmt es vor sich hin.

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„Ich verstehe. Den Bären zu bedrängen? Man ist nicht gut beraten. Wenn man meiner benötigt, immer und gerne!“ Dies wäre eine mögliche Entgegnung des Hasen. Stimmt möglicherweise.

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„Die Leisten dieses müden Jahres bei denen bleibe und schustere nicht rum

Im Nebel dem wundersam ungefähren und überquere den Fluß wenn

Die reißenden Wasser gezähmt solange gelähmt das Verlangen bleibe

Es rauschet das Blut nicht es fließet gemächlich

Doch jucket es in den Nasenflügeln es grüßen von den Hügeln

Die Kreuze man wird steigen wieder höher und hinauf

Solange kauf Dir was am besten nüscht

War das jetzt ein Gedüscht?“

Mit diesen Worten schloss der Bär nochmals die Augen. Reicht für heute.

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„Und wer schippt den Schnee weg?“ Ein letztes Wort des Budnikowski. Der kann nicht anders. Und: “Die Lampe über dem Bären bleibt an!”

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„Auch dieses Jahr ein paar Gedanken ins Buch geklebt!“ So sprach der Bär und legte los / 001

Donnerstag, 8. April 2021 17:27

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„Als der Frühling noch ein Lenz gewesen

Und buntes Band durch laue Luft vom Eis befreit der Bach

Vor den Toren lachend durch frisches Grün schritt hurtig ausschreitend

freudig Volk und emsig bald auch die ersten Immen schwirrten

War das Erwachen mir die größte Freud’ nach langem Winter!“

So sprach der Bär.

..

(Kaum zu verstehen, Verzeihung, was er da hinter dem Fensterglas murmelt. Bin ich Lippenleser? Na ja, zumindest brennt mal Licht! Glück auf: Der Säzzer)

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„Doch heut‘ da von Feuchte schwerer Schnee ruht auf Fensterbrett und Herzen

Im Bein dem einstens abben rumoren rheumatisch klamme Schmerzen

Da mag man doch verbleiben innerlich in jeder Hinsicht Art!“

So sprach der Bär des Weiteren.

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(He! Hallo! Wachheit! Säzzer die zwote!)

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„Auch wenn Es fordert harsch voll der üblich‘ Ungeduld nach Außerhalb zu treten

Und raus aus Hirn und Haus in Wälder Auen an den Bach

Zu singen lärmen und mit Freudenkrach dem Leben an den Hals

Ich bin nicht wach in dieser grauen Feuchtigkeit

Nein bin es leid

Wenn selbst der Winterschlaf die Welt nicht läßt erblühen

Warum dann all die Mühen sich wiegen in den Schlaf

Auf Träumen wild zu reiten und beizeiten dann bereit

Hoffen dies nur die Doofen?

Die Schlauen poofen heiter weiter?“

Auch dieses sprach der Bär, soweit man es denn vernehmen konnte.

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Gut! Freund Archibald Mahler scheint ja noch nicht ganz auf der Höhe des Weltgeschehens zu sein. Aber wer ist das schon dieser Tage, mag er auch anderes behaupten wollen. Wundern wir uns nicht, bleiben dran! Bis gleich dann!

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Und was könnte besser sein? Bären schlafen, Hasen hüpfen an so’nem Abend in Frieden / 8

Montag, 15. März 2021 10:56

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Wie soll man da schlafen? Wie soll man schlafen in einer Welt unter dem Diktat des Aufrechtgehers? Wie soll man da schlafen? Wie soll man schlafen, wenn das fortgeschrittene Alter den Schlaf mit ständigen Wachphasen durchschießt wie ein altes Fischernetz? Wie soll man da schlafen? Wie soll man schlafen, wenn die Stürme nachts an den Dachpfannen rütteln und es über deinem Bett rumpelt und trommelt, als sei Keith Moon wieder von den Toten auferstanden? Wie soll man da schlafen? Wie soll man schlafen, wenn der Freund und Gefährte, wie er dies gerne tut, sich mal wieder eine Zweitidentität zugelegt hat, in diesem Fall die des Skisprungkünstlers Karle G.? Wie soll man da schlafen? Wie soll man schlafen, wenn dann auch noch unter dem Bett (Glaubt der Budnikowski denn dann merkt man es nicht? Gruß Der Säzzer) wilde Siegesfeiern abgehalten werden, eben weil der Karle wieder so weit geflogen ist? Wie soll man da schlafen? Wie soll man schlafen, wenn draußen einerseits eine so noch nicht erlebte gespenstische Ruhe herrscht, die jedoch spürbar von hektischem und ungeduldigem Gemurre und Gepolter durchwoben ist? Wie soll man da schlafen?

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Tja, eigentlich schlief er trotzdem ganz gut der Archibald Mahler, der wackere Bär vom Brandplatz, wohnhaft in der kleinen häßlichen Stadt in Mittelhessen. Die Verdrängungsmechanismen funktionierten diesen Winter vor allem im Schlaf ganz vorzüglich. Was eindringt in die Winterruhe wird flugs zu Träumen umgemodelt und die läßt man dann am langen Bewußtseinsarm verhungern und dreht sich nochmal um. Und die Wellen schlagen regelmäßig ans Ufer und wiegen dich wieder in den Schlaf. Wäre da nicht die innere Uhr, die selbst wenn der Aufrechtgeher sich nicht zwischen dem meteorologischen und dem astrologischen Lenzbeginn entscheiden kann, dieser Döösbaddel, den Bären an der Kandare hält. Nicht so einfach das alles dieser Tage. Und dann noch diese dämliche Zeitumstellerei. Verschlimmbesserung, Dein Name ist Homo sapiens.

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Der letzte Traum jedoch war eine emotionale Gratwanderung. Es war einer der Träume, wo sich der Träumer ganz sicher ist, schon längst erwacht zu sein. So saß der Bär am Waldrand und blickte einen Abhang hinab, sah in der Ferne einen See und Fliegen summten und Bienen brummten an einem warmen Frühlingsabend in Frieden, als ihn eine eiskalte Bö die Decke über die Nase ziehen ließ und er zurückkehrte in den Schlaf, denn das war die Realität: eiskalte Winde vor dem geschlossenen Fenster und alle Lenze noch fern. Also sprach zu ihm der Ehrenwerte Ernst Albert. Und diese Worte drangen klar und ohne Verlust in seinen aufnahmebereiten Kopp: „Drehe Dich nochmal um. Eine Woche hast Du noch Zeit. Mindestens. Laß erstmal Ostern ins Land ziehen. Dann sehen wir weiter! Schönen Traum noch!“

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Derweilen pfiff Budnikowski ein Lied. Ganz leise nur. Er wachste seine Holzlatten. Und flog davon.

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Und was könnte besser sein? Bären schlafen, Hasen hüpfen an so’nem Abend in Frieden / 7

Sonntag, 28. Februar 2021 10:30

traum2

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Es war ruhig geworden. Nun schon seit Wochen. Winterruhe, obwohl draußen Packeis und Warmlufteinbrüche miteinander Ringelpiez tanzten. Budnikowski sogar zwang sich zum Schlaf und es gelang ihm weitgehend. Doch gestern träumte ihm wieder, er hätte Latten unter den Pfoten, er spränge und flöge und Medaillen und plötzlich ein Kloß im Hals, der verhinderte den Siegesschrei. Er dachte voller Rücksicht (aussterbende Geisteshaltung!) an des Mahlers Winterruhe. Und so sprach der Kloß zu ihm: „Hase? Kennst Du meine Geschichte? Nein? So höre!“

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„Es lebten einmal ein alter Mann und sein Weib. Eines Tages bat der Greis die Frau: “Back mir doch einen Kloß!” “Woraus? Seit einer Woche gibt es kein Mehl im Haus.” “Feg den Speicher aus, kratz die Lade aus; so bringst du genug Mehl zusammen.”

Die Alte ging, fegte den Speicher aus, kratzte die Lade aus und brachte zwei Handvoll Mehl hinaus. Sie buk einen Kloß und legte ihn ans Fensterbrett zum Abkühlen. Da sprang der Kloß aus dem Fenster heraus und rollte auf den Boden, dann durch die Tür raus und schließlich in die weite Welt hinaus.

Er stolzierte voran, er sang und jagte Hühnern und Gänsen Angst ein: „Aus dem Speicher gefegt, aus der Lade gekratzt, in Butter gebacken, aus dem Fenster verschwunden!“

Da traf der Kloß den Hasen: „Bleib stehen, Kloß! Jetzt fress´ ich dich auf!“ Der Kloß aber sang: „Aus dem Speicher gefegt, aus der Lade gekratzt, in Butter gebacken, aus dem Fenster verschwunden, der Opa konnte mich nicht fassen, die Oma konnte mich nicht fassen und du, Hase, mach dir keine Hoffnungen!“ Und er rollte weiter.

Da traf der Kloß den Wolf: „Bleib stehen, Kloß! Jetzt fress´ ich dich auf!“ Der Kloß sang: „Aus dem Speicher gefegt, aus der Lade gekratzt, in Butter gebacken, aus dem Fenster verschwunden, der Opa konnte mich nicht fassen, die Oma konnte mich nicht fassen, der Hase konnte mich nicht fassen und du, Wolf, mach dir keine Hoffnungen!“ Und er rollte weiter.

Da kommt aus dem Wald der Bär: „Bleib stehen, Kloß! Jetzt fress´ ich dich auf!“ Der Kloß aber sang: „Aus dem Speicher gefegt, aus der Lade gekratzt, in Butter gebacken, aus dem Fenster verschwunden, der Opa konnte mich nicht fassen, die Oma konnte mich nicht fassen, der Hase konnte mich nicht fassen, der Wolf konnte mich nicht fassen und es ist mir leicht, dir, Bär zu entwischen.“ Der Bär sah ihn nicht mehr.

Da traf er den Fuchs und auch der wollte ihn fressen. Der Kloß begann: „Aus dem Speicher gefegt…“ Der schlaue Fuchs sprach: „Wie schön und gewitzt! Doch hab´ ich so schlechtes Gehör. Setz dich auf meine Nase und sing doch noch mal, so dass ich dich hören kann.“

Glücklich und froh, ein offenes Ohr zu finden, sprang der Kloß dem Fuchs auf die Nase und begann zu singen. Der Fuchs riss das Maul auf und verschwunden war der Kloß in einem Schluck.“

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Und des Bären Schlaf wurde löchriger, unruhiger. Man wälzte sich hin und her. Hatte ja jemand eine alte Erzählung aus seiner Heimat Kamschatka in die Nacht gesprochen?

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Und was könnte besser sein? Bären schlafen, Hasen hüpfen an so’nem Abend in Frieden / 6

Freitag, 5. Februar 2021 10:12

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Auch wenn die offiziellen Verlautbarungen zur Einhaltung der Winterschlafregeln SPD – Schnauze! Poofen! Diät! – hier eventuell verletzt werden, wir sehen uns verpflichtet, schon allein um aufkommende Erregung nicht zu wilden Wutattacken gedeihen zu lassen, dem Werten Gefährten Kuno von und zu Budnikowski undsoweiter hier das Wort zu erteilen. Was nötig war, wie wir im Folgenden hören, hat doch sein alter Dialekt von ihm Besitz ergriffen, stets Zeichen großer innerer Aufgewühltheit. Drehen wir den Lautstärkepegel ruhig etwas runter.

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„Hömma hier, dat ganze Schuldgediskutiere geht mich ja gehörich auffe Karotte. Jetzt bin ich auch noch inne Verantwortung gerutscht fürre Gestalten, die dem Mahler seine Winterpoofung innen Horrorfilm verwandeln tun. Dat war ich nich. Wat ich zugeben kann, dat mir, wie ich et Sprungbrett von die Füssken abgeschnallt habe, wat auffem Parkettboden gescheppert iss. Dat kann unruhige Poofisten gewißlich inne Zuckung schicken, die kurze Wachphasierungen begleiten tun, woll. Da iss eine Entschuldigung schon inne Briefkasten versenkt. Aber das gegiggel und dat Gelache inne Fäustlinge, dat war ja woll der Meister Ehrenwert von unn zu Ernst Albert beie Presselektüre inne Küche. Und mich vorgelesen hat dat Mensch auch noch mit lautstarke Diktion. „Wer schläft, quasselt nicht“, dat sei eine tierische Dramolett und stand inne Rundschau aus Eintrachthausen am Main und verfasst hattet der Hebel Stephan un da waren eben Hase und dat Fuchstier und wollten die Höflichkeit des Gute Nacht Wünschen praktizieren tun. Und wie der Fuchs dem Hase so sacht, dat der bitte keine Märchen erzählen tun soll wegen Schlafenszeit, sacht der Hase – dat heißt der Albert hat dat giggelnd gelesen, wat der Hase da sacht: „Schade. Das ist ein schönes Märchen, weil erst der Fuchs die Semmeln alleine essen will, die sie geklaut haben, und dann sagt der Hase dem Fuchs, er soll seinen Schwanz in den See halten, um Fische zu fangen, und dann gefriert das Wasser, und der Fuchs kann nicht mehr sägen.“ „Und der Hase?“ „Knabbert die Semmeln weg, vor den Augen des Fuchses.“ „Ganz schöner Fuchs, der Hase. Ich krieg langsam Hunger.“ Und wie ich mich so wech hau vorre Amüsement, weil sonne Fuchs kannste ja auch mit Bären ersetzen tun, iss dem Mahler seine Bärenpocke am Grummeln und da tu ich denken, getz isser wach und ich könnte vielleicht inne Kommunikation rein. Da hat mich der Ernst Albert aber wohlweislich auffe Bremse getreten. Ob allerdings wat vonne Atmo inne Küche innen Kopp vom Bären rein iss als sone Art Traumlenkung? Wat weiß ich. So un getz tu ich mich entregen, sonst muß ich mich ja noch mit die schwattgelbe Pöhlerei befassen tun. Besser mal nich. Getz gehe ich wieder die fliegenden Männer mit die Bretters anne Galoschen gucken und halte die Pfoten fürre polnische Vorfahren. Und “die meisten Hütten inne Liga Rekord pro Saisong”? Und auffe Alten aufpassen tun? Woll! Nee, wat bin ich getz rechtschaffen müde von die ganze Quasselei. Weia!“

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Und dann schläft der Hase schon beim ersten Vorspringer der Qualifikation für Klingenthal ein. Der Beginn der winterlichen Ruhe? Man hegt so seine Zweifel.

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Und was könnte besser sein? Bären schlafen, Hasen hüpfen an so’nem Abend in Frieden / 5

Dienstag, 2. Februar 2021 20:28

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Ort der Handlung: der Ort im Kopp des winterschlafenden Bären Archibald Mahler, wo Bilder so wild und konkret geträumt werden, daß man oder bär gar nicht mehr weiß, was jetzt Tat oder Sache ist, also wo der Traum endet und man schon wieder wach ist und noch benommen ist oder doch schläft und nur träumt der Schlaf hätte ein Ende gefunden.

Auftritt am Ort der Handlung: ja wer schon? Der umtriebige Budnikowski. Zumindest hat er mal seine Sprungskier abgeschnallt. Muß ja, sonst hätte er gar nicht in den Kopp des Bären reingepasst. Noch nicht mal im Traum. Jetzt der Dialog:

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„Hmpf! Arghh! Puuh!“

„Herr Mahler?“

„Hmpf! Arghh! Puuh die zwote!“

„Herr Mahler? Schlafen Sie!“

„Hmpf! Arghh! Puuh die dritte! Heiliger Stremellachs aber auch. Was ist denn los, Hase?“

„Ich bin so müde!“

„Dann schlafen Sie!“

„Prinzipiell gerne, ich möchte nur die Form wahren!“

„Und das wäre?“

„Ich würde gerne Gute Nacht sagen!“

„Hmpf! Arghh! Puuh die vierte! Dann tun Sie es doch einfach!“

„Wenn ich nur wüßte, wo?“

„Hier, jetzt und sofort und dann bitte: Schnauze halten!“

„Bitte, das ist kein Umgangston. Ich suche doch nur den Ort, wo sich Hase und Bär Gute Nacht wünschen!“

„Fuchs, der Fuchs, der hat den Ort mit dem Hasen, irgendwo im Wald und auf der Heide!“

„Wenn wir so einen Ort hätten, dann könnten wir uns da treffen und das wäre das Ende einer tollen Geschichte, die wir bis dahin erlebt und erzählt hätten oder vielleicht sogar der Beginn einer langen Freundschaft! Und wir wären Titelhelden eines neuen Märchens, des Hasen und des Bärchens! Das wär scheen!“

„Herr Hase, ich befinde mich im Winterschlaf!“

„Sind Sie da so sicher?“

„Hmpf! Arghh! Puuh! Rapü! Rapüü! Rapüüü! Raus aus meinem Traum, Schaum, Pflaumenbaum!“

„Da schläft er hin. Ei: Gut‘ Nacht, Gut Nacht der Bär ist schwer und träumt sich einen Hasen her! Drehen Sie sich ruhig nochmal um. Und Gute Nacht!“

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Wenn wir jetzt wüßten, ob der Archibald Mahler das alles nur geträumt hat oder ob der Budnikowski …

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Und was könnte besser sein? Bären schlafen, Hasen hüpfen an so’nem Abend in Frieden / 4

Dienstag, 19. Januar 2021 5:45

traum1

Der Schlaf des Bären war ein unruhiger. Wie soll es auch anders sein, wenn einem die ganze Winternacht ein Hase mit Brettern an den Füßen um die Ohren fliegt und also träumte der Bär, wie leichter und leichter er wurde, schließlich abhob und was er dann sah. Und sprach so vor sich hin, das Folgende.

„Als ich ein Kind war, konnte ich fliegen. Ich hatte es nie gelernt, ich konnte es, soweit mein Erinnern reicht, und davor, das weiß ich genau, war ich eine Schwalbe gewesen: Ich weiß es, weil ich, wiewohl mein Fliegenkönnen noch immer durch die sich stützend auf das Treppengeländer gepreßte und dessen Rundung umklammernde Rechte an die Regeln des niederziehenden Raumes gebunden schien, doch stets das vollkommen sichere Gefühl hatte, nur wollen zu müssen, um, frei wie eben eine der Schwalben, in die golddurchwallte Violettluft des glastürbegrenzten Treppenhauses aufzuschnellen und durch die kleine Fensterluke oben rechts zu enteilen, wenn ich, aus der Schule heimgekehrt, mich mittags von der fünften Stufe von unten abstieß.

Fliegen war ebenso herrlich, wie es mühelos war, und es war lange Zeit nicht zu verstehen, daß die Erwachsenen es nicht aus eigener Kraft vermochten, sondern dazu tote Apparate mit metallenen Flügeln und Schrauben oder gar kilometerlange zigarrenhafte Gebilde brauchen mußten. Und dabei war es wirklich ganz einfach: Mit der rechten Hand das Geländer im Treppenhaus zwischen dem ersten und zweiten Stock umfaßt und von der fünften Stufe von unten, sich herzhaft abstoßend, kühn mitgestrecktem Rücken in die friedsam ruhende Luft aufgefahren und lange Stunden so auf ihrem Zenit verharrt, Stunden um Stunden, während drunten Farnsteppen sich zogen oder Indianerprärien mit Wigwams und Marterpfählen und rasend stampfenden Büffelherden, oder walnußgrüne, von kreischenden Affen und Papageien durchtanzte Wälder, oder das milchige Eis der schwimmenden Gletscher, darüber weiße Bären mit blutigem Maul trotteten, oder auch Ninive. Wenn Ninive unter mir auftauchte, erschien auch sofort der schlangenhäutige Fluß Nil!

…und hinter dem Nil habe ich auch manchmal Kanaan, das gelobte Land Abrahams mit seinen höckerschlenkernden Kamelen und schwereutrigen Kühen, die seltsam übereinandergehäuft um die klaffenden Zisternen gelagert waren, erblickt, allein das REICH, das Reich gleich hinter den drei geschwungenen Bergen, das Reich, von dem, wie alle Einwohner unseres Grenzdorfes, mein Vater und manchmal sogar meine fromme Mutter mit Prophetenmiene sprachen, das geheimnisvolle, phantastische Reich, das ich begehrte wie ein neues, noch nie geschautes Spielzeug, das einmal kommen und mich überwältigen würde: das REICH habe ich nie zu schauen vermocht.“

Kurz wachte er auf. Was waren dies für Worte? Und so viele. Geheimnisvoll. Doch sie kamen ihm so bekannt vor, die alten, wohlgesetzten, sprachmächtigen Worte. Dann schlief er wieder ein, der Archibald Mahler. Vielleicht hob er auch gleich wieder ab. Lassen wir ihn solange in Ruhe.

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