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	<title>Archibald schaut Welt &#187; Die Reise ins Tal</title>
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	<description>Vom Bären vom Brandplatz</description>
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		<title>In fernen Zonen / Der Heimkehrer bleibt blind</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Oct 2015 08:52:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archibalds Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Aufbrüche 2015]]></category>
		<category><![CDATA[Die Reise ins Tal]]></category>

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Immer wieder hatte ich meine weinende Pfote auf die Schulter des Ehrenwerten Herrn Archibald Mahler gelegt. Nein. Immer und immer noch ruhte die Pfote, feucht im Augenwinkel, auf der Schulter des Gro&#223;en H&#228;uptlings des untergegangenen Stammes der Kamschakta – Bear, dem Legendenberankten, dem Liederumtosten, dem Wehmutsriesen namens Kleines Abbes Bein. Aber der Zweitakter rollte vorw&#228;rts [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-9036" title="blindwillie01" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/10/blindwillie01.jpg" alt="blindwillie01" width="515" height="288" /></p>
<p>Immer wieder hatte ich meine weinende Pfote auf die Schulter des Ehrenwerten Herrn Archibald Mahler gelegt. Nein. Immer und immer noch ruhte die Pfote, feucht im Augenwinkel, auf der Schulter des Gro&#223;en H&#228;uptlings des untergegangenen Stammes der Kamschakta – Bear, dem Legendenberankten, dem Liederumtosten, dem Wehmutsriesen namens Kleines Abbes Bein. Aber der Zweitakter rollte vorw&#228;rts unbeirrt und das verr&#228;terische Grinsen im Antlitz des B&#228;ren gab mir keinen Anla&#223; eine Vollbremsung,  eine Umkehr oder wenigstens eine besinnende Rast zu erhoffen. Wenn blubbernde Heizungsrohre und der bevorstehende Winterschlaf rufen, ist die Abenteuerlust oder ein herzschwerer Erinnerbedarf eines Feldhopplers dem B&#228;ren nicht mal ein Nicken des zur Kenntnis genommen Habens wert. Doch der gescheite Hase baut vor und haste nich gesehn nahm ich ein oder zwei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=tUMOb49XGP0&amp;list=PLA0AD6A6738880DED&amp;index=25" target="_blank"><strong>Scheibchen der Magischen</strong></a> Pilze zu mir, die man mir zum Abschied in der Pulqueria in mein Jutebeutelchen gesteckt hatte. So lebet ihr weiterhin in den Gefilden der strukturierten Vermessenheit und glaubt den Ziffern  eurer dahin rasenden Wecker, ich weile zwischen den Zeiten, Zeilen und Farben. Der Siegtreffer wird vor dem Ausgleich geschossen und der Fehler wird gemacht am Ende des Buches. Meine Augen verschlie&#223;en sich vor den Bildschirmen und Stra&#223;enlaternen, in blinder Ruhe blinzeln sie entgegen einem inneren Lichte. Langsam reite ich die Welle zu Ende, die Larve des Old Schmetterpfote pellt sich von meiner Haut, es kitzelt und alsbald liege ich zusammengerollt in den Federn meines n&#228;chsten Ichs.  Spektren durchpulsen mich und in frisch erworbener Blindheit vertraue ich dem Gasfu&#223; des Herrn Archibald Mahler, B&#228;r vom Brandplatz, wieder mal befindlich auf einer seiner vielen ziellosen Heimfahrten. Und ohne eine Klage werde ich in den K&#246;rper schl&#252;pfen, der – wann auch immer dies sein wird – neben dem B&#228;ren auf einer in Betrieb genommenen Heizung sitzen wird. Vielleicht werden wir Schach spielen. Vielleicht werden wir sterben. Wir werden zu tun haben. Das ist gewi&#223;. Ausnahmsweise pfeift eben der B&#228;r <a href="https://www.youtube.com/watch?v=v7TPhVM4GTY" target="_blank"><strong>ein feines Lied</strong></a>, denn streng genommen ist dies mein Brevier. Dabei &#252;bersieht er eine rote Ampel. Bl&#246;d!</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-9043" title="tal32" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/10/tal32.jpg" alt="tal32" width="515" height="227" /></p>
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		<title>Das versteinerte Gebet / Mescal und Heimreise</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Oct 2015 16:53:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archibalds Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Reise ins Tal]]></category>

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		<description><![CDATA[
Gerne w&#252;rde ich an dieser Stelle berichten von letzten Worten, die Kleines Abbes Bein, der edle H&#228;uptling der Kamschatka – Bear, uns hinterlassen, gerne w&#252;rde ich singen ein Lied, dessen weiche Melodien und dessen trostgebende Worte uns &#252;ber die T&#228;ler der Unbill und Gro&#223;en Traurigkeit hinwegh&#252;lfen, gerne st&#252;nde ich an einer Wegkreuzung und blickte mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-9022" title="tal31" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/10/tal31.jpg" alt="tal31" width="515" height="231" /></p>
<p>Gerne w&#252;rde ich an dieser Stelle berichten von letzten Worten, die Kleines Abbes Bein, der edle H&#228;uptling der Kamschatka – Bear, uns hinterlassen, gerne w&#252;rde ich singen ein Lied, dessen weiche Melodien und dessen trostgebende Worte uns &#252;ber die T&#228;ler der Unbill und Gro&#223;en Traurigkeit hinwegh&#252;lfen, gerne st&#252;nde ich an einer Wegkreuzung und blickte mit festem Auge auf das aufgestellte Schild und w&#252;&#223;te sogleich wohin ein zweifelsfreier Schritt uns f&#252;hren wird. Doch mein Gef&#228;hrte hatte nichts hinterlassen zum Abschied als Gru&#223; und frommen Wunsch. Er war gegangen um seiner selbst willen. Kein wei&#223;er Bart baumelte von den Himmeln hinab, keine biblischen Strahlen fingerzeigten das Licht vor meine taumelnden F&#252;&#223;e und Manitou hatte das Geb&#228;ude unseres Mi&#223;vergn&#252;gens schon l&#228;ngst verlassen. Die G&#246;tter nun unsichtbar geworden und wir hatten es gewollt.</p>
<p>Unten im Tale schrie Tinseltown von sich selbst ergriffen, die R&#252;cken der Schafe kr&#252;mmten sich in freiwilliger Verz&#252;ckung und F&#228;uste trommelten auf die eigene Brust. Trockener Husten pfiff durch die durchstochenen Lippen. „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=_bHRmUK2P88" target="_blank"><strong>Oh Tinseltown</strong></a>, sei gebenedeit und leg uns an die Uniformen,<a href="https://www.youtube.com/watch?v=PYC6vCPSqD0" target="_blank"><strong> </strong></a>wir singen steinernes Gebet.“ Mir war kalt so ohne den Gef&#228;hrten an meiner &#228;ngstlichen Seite und ich sah uns blicken hinab ins Tal, wie wir es in diesem langen Sommer es so oft getan, doch kein Rad in der N&#228;he meiner zitternden Pfote, welches zur&#252;ckzudrehen griffbereit. Schwitzend, fluchend und greinend wie ein armes, verh&#228;rmtes, altes Weib, welches die S&#246;hne &#252;bers Meer geschickt, auf da&#223; jene dort im Schatten der Tempel des Ewigen Klimperns ein paar erb&#228;rmliche Unzen verdienen m&#246;gen, um ihr einstens zwischen den fensterlosen Tr&#252;mmern der Heimat ein halbwegs w&#252;rdevolles Begr&#228;bnis bezahlen zu k&#246;nnen, taumelte ich voran ohne Ziel. Ein klebriges Gespinst wuchs vor meine Augen. Erblindete ich? Ich fiel mehr, als da&#223; ich eintrat in jene schummrige <a href="https://www.youtube.com/watch?v=kmX4LwCBKzM" target="_blank"><strong>Pulqueria</strong></a>. Ich hob den Arm und sogleich ergo&#223; sich die milchig – sch&#228;umende Fl&#252;ssigkeit in meinen Leib, sickerte durch die W&#228;nde meiner Adern und da ich sp&#252;rte, da&#223; dieses St&#246;ffche zu schwach, verlangte ich nach einem doppelst&#246;ckigen Mescal, schluckte und zerbi&#223; den Wurm. Das Licht schwand. Warmer schwarzer Wind k&#252;&#223;te meine Ohren, meine F&#252;&#223;e tanzten durch das S&#228;gemehl, welches den Kneipenboden bedeckte und ein Blume stach mir in die Nase. Ach, wie frohgemut hatte ich sie einstens gerochen. Wo weilst Du, oh Sch&#246;ner Tag? Das Gurgeln, welches sich meiner pulsierenden, nach mehr verlangenden Kehle entrang, mir schien, ich konnte es sehen, als ein starker Arm von hinten mich umfasste. Meine Stimme schwand und man sprach mit mir.</p>
<p>„Budnikowski, der Herbst ist da. Morgen soll es sogar schneien. Also, auf den Bergen, sagt man. Wir m&#252;ssen das Tal verlassen. Steig ein. Suchen wir einen Heizk&#246;rper!“</p>
<p>„Aber was ist mit Tinseltown? Was ist mit dem Tal? Oh H&#228;uptling und Gef&#228;hrte, mir ist gar nicht gut.“</p>
<p>„Kommt der Lenz, gehen wir wieder raus! Jetzt hoch mit dem elenden P&#246;ter!“</p>
<p>„Mahler? Sind Sie&#8217;s?“</p>
<p>Das Letzte, was ich vernahm, bevor ich in einen tiefen Schlaf fiel, war das Klackern eines alten Zweitakters. Roch ich Benzin?</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-9023" title="tal30" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/10/tal30.jpg" alt="tal30" width="515" height="219" /></p>
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		<title>In den Abendbergen / Hohes Wasser</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Oct 2015 08:28:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archibalds Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Reise ins Tal]]></category>

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Und so habe ich auf all meinen Reisen der Klagen so viele vernommen und – die G&#246;tter m&#246;gen mir vergeben – auch der Klagen zu viele ausgesprochen. Viele Fl&#252;sse querte ich, manches Ufer fand mich als ungeduldig Wartenden und der Strom eilte dahin und nahm keine Notiz von mir. Kleines Abbes Bein und ich blickten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-9012" title="tal27" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/10/tal27.jpg" alt="tal27" width="515" height="213" /></p>
<p>Und so habe ich auf all meinen Reisen der Klagen so viele vernommen und – die G&#246;tter m&#246;gen mir vergeben – auch der Klagen zu viele ausgesprochen. Viele Fl&#252;sse querte ich, manches Ufer fand mich als ungeduldig Wartenden und der Strom eilte dahin und nahm keine Notiz von mir. Kleines Abbes Bein und ich blickten auf das unergr&#252;ndliche Wasser und es schien uns die Zeit gekommen, tatenlos zu bleiben. Wir sprachen nichts. Jenseits lag Tinseltown, dort drehten sich die Gl&#252;cksr&#228;der in rasendem Tempo, hart und haltlos schlugen die Silberkugeln in den rotierenden Scheiben und taumelten in das Fach, welches ihnen der Zufall zuwies. An den Spieltischen grabschten von sich selbst Besoffene nach den Jetons und heulten sich gegenseitig kurzfristigen Triumph in die angstverzerrten Gesichter. „Ich habe es doch schon immer gesagt! Ich wu&#223;te es! Ja! Ich! Ja! Nein! Rache!&#8221;, so hallte es hin&#252;ber und schlug gegen unsere Stirn. Wir waren angekommen vor dem Ziel. Der Abend tropfte vom Himmel, die Sterne blickten unger&#252;hrt und eine Entscheidung war gefallen. Man mu&#223;te sie nicht treffen. Sie hatte gelauert. Wir w&#252;rden zur&#252;ckkehren. Kleines Abbes Bein blickte in meine Richtung, sein Blick war klar, doch voller Trauer. Ich wu&#223;te, was er sagen w&#252;rde.</p>
<p>Wir fl&#252;chten jeden Tag und haben doch kein Ziel! Trotzdem eilen wir weiter, alleine, oft in Gesellschaft. Das ist die heilsame T&#228;uschung, welche die G&#246;tter uns schenkten. Doch sowie der Verband die Wunde nicht nur sch&#252;tzt vor Staub und Getier, entzieht er auch die Verletzung schamvoll den neugierigen Blicken. Den letzten Flu&#223; zu queren jedoch, bleibt die Aufgabe, die wir allein zu erf&#252;llen haben. Mein Herz hatte seine alte Schwere wieder gefunden hier am Ufer, bang pulste Gewi&#223;heit in mir. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=be6s8U8GUHs" target="_blank"><strong>Die Zeit war gekommen</strong></a>. Mein Tomahawk flog in die Fluten und versank. Ein Reisender mu&#223; wissen, wenn das steigende Wasser au&#223;er Kontrolle ger&#228;t. Die Behauptung, in solchen Momenten l&#228;ge noch das Heft des Handelns auf dem Schreibpult seines kurzen Lebens, ist Chim&#228;re. Ich griff nach der Pfote meines treuen Gef&#228;hrten und Blutsbruders. Dann erhoben wir uns.</p>
<p>Der Blick schweifte weit und weh. Wir hatten Platz genommen am westlichen Abhang der Abendberge. Unten im Tal erhellten die kreischenden Lichter von Tinseltown die zertrampelte Ebene. Der Damm knarzte, w&#246;lbte sich und machte sich bereit zu brechen. Die Flut scharrte mit den Hufen. Leere Bl&#228;tter harrten darauf, einem letzten Heldengesang traurige Heimat zu geben. Ich sp&#252;rte wie der Geist von H&#228;uptling Kleines Abbes Bein zum Aufbruch blies. Zwar wu&#223;te ich, wir w&#252;rden zur&#252;ckkehren, wenn die Flut sich verlaufen haben w&#252;rde, doch was w&#252;rden wir dann vorfinden? Wohin h&#228;tte uns ein gnadenloses Schicksal in ferner Zeit dann gesp&#252;lt? Und ich ahnte, was mein Gef&#228;hrte antworten w&#252;rde.</p>
<p>„Mein Bruder, Kleines Abbes Bein wird nun aufbrechen. Er kann dem Rufen nicht l&#228;nger standhalten. Er wird sich von der Vermessenheit zu wissen verabschieden und dorthin wandern, wo die Wasser zur Ruhe finden.“</p>
<p>Drunten im Tal machte sich Tinseltown daran seinen Untergang zu feiern. Die einarmigen Banditen ruderten und warfen klingelnd erb&#228;rmlichen Zoll in hochgehaltene Plastikeimer. Mir schien, dieses Reich ging nicht unter mit stolzer Brust und verbeultem Harnisch, dieses Reich erstickte an seiner verzweifelt egomanen Larmoyanz. Ich sah den Gro&#223;en H&#228;uptling des ausgel&#246;schten Stammes der Kamschatka – Bear <a href="https://www.youtube.com/watch?v=JWnUItw1ElU" target="_blank"><strong>seine Tatze heben zum Gru&#223;</strong></a>. Eitelkeit w&#228;re es von einem letzten zu sprechen oder zu singen.</p>
<p>„Die G&#246;tter haben uns das Geschenk der Freiheit gemacht. Es ist ein gro&#223;er Fehler, dieses Gut zu nutzen, als sei es von Unendlichkeit. Old Schmetterpfote mag nun alleine wandern! Leb wohl!“</p>
<p>Und ich sa&#223; <a href="https://www.youtube.com/watch?v=-OVHnWyDmdw" target="_blank"><strong>in erwachter Einsamkeit</strong></a>. R&#228;der drehten, Maschinen schnauften, Bildschirme flackerten. F&#252;r wen? Ich griff nach meiner Kladde und suchte meinen F&#252;llfederhalter.</p>
<p><em>(Eine Fortsetzung noch folgt)</em></p>
<p><em><img class="alignnone size-full wp-image-9013" title="tal28" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/10/tal28.jpg" alt="tal28" width="515" height="246" /><br />
</em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Am Flu&#223; ohne Wiederkehr / Die Verpflichtungen</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Sep 2015 15:50:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archibalds Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Reise ins Tal]]></category>

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Das Gehen der Kamschatka – Bear ist ein Fallen, ein Fallen mit dem Flu&#223;, ein stetes Fallen in die Zeit. Ein Kamschatka – Bear wei&#223;, da&#223; jeglicher Schritt, den er ab seiner Geburt tut, ihn dem letzten Gro&#223;en Sprung n&#228;her bringt. Der Kamschatka – Bear f&#252;rchtet nicht den Tod, er vergeht sich selbst Schritt f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-9004" title="tal25" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/09/tal25.jpg" alt="tal25" width="515" height="219" /></p>
<p>Das Gehen der Kamschatka – Bear ist ein Fallen, ein Fallen mit dem Flu&#223;, ein stetes Fallen in die Zeit. Ein Kamschatka – Bear wei&#223;, da&#223; jeglicher Schritt, den er ab seiner Geburt tut, ihn dem letzten Gro&#223;en Sprung n&#228;her bringt. Der Kamschatka – Bear f&#252;rchtet nicht den Tod, er vergeht sich selbst Schritt f&#252;r Schritt. Deshalb kennt der Kamschatka – Bear keine Eile. Er ben&#246;tigt keine falsche Kraft. Das was ein anderer sein Gewicht nennt, nennt der Kamtschatka – Bear die Verpflichtung und diese zieht ihn dahin. Selbst das Erklimmen eines Berges – der Kamschatka – Bear ahnt wohlwollend die Zweifel im Auge des Lesers – erfolgt im steten Fall. Den Oberk&#246;rper Richtung Oberschenkel gelehnt, die Verpflichtung in den Waden konzentriert, f&#228;llt der Kamschatka – Bear Tatze f&#252;r Tatze, Atemzug um Atemzug in den Hang und steigt hinan. Doch obgleich lange Jahre von meinem verehrten Lehrmeister Klecker Peter in der Kunst des klaglosen Gehens unterwiesen, so fiel mich auf der Wanderung hinaus aus dem Tal eine ungekannte Atemnot an. Ich folgte meinem Gef&#228;hrten Old Schmetterpfote und dies gelang mir kaum. Das harte Gras schlug gegen die Verpflichtung in den schmerzenden Waden und auf meiner Brust machten sich einige der D&#228;monen breit, welche den Freund &#252;ber das Grasland trieben. Meine Zunge klebte am Gaumen wie eines der gezackten Papierst&#252;cke, mit denen der wei&#223;e Mann seine Botschaften beklebt und diese dann den berittenen Boten des Pony – Express &#252;berantwortet. Entgegen aller tief in mir verwurzelten weisen Ratschl&#228;ge – oh Hoffnung so tr&#252;gerisch – f&#252;hrten wir, die wir &#252;berst&#252;rzt aufgebrochen, keinen Schluck Wasser mit uns. Die rasenden Hacken von Old Schmetterpfote wirbelten Staub und Gr&#228;sersamen in meine tr&#228;nenden Auge und ich ersehnte den nahen Flu&#223;.</p>
<p>Nein, ich war nicht auf der Flucht. Meine Heimat hatte ich – den G&#246;ttern sei Dank in freiwilliger W&#252;rde und aufrechter Ruhe – schon vor vielen Jahren hinter mir gelassen. Doch seit wir die kl&#228;glichen Reste von Kinky Claude unter die Erde gebracht hatten, trieben mich die Horden des Pferdef&#252;&#223;igen vor sich her. H&#252;fthohes Gras peitschte mir entgegen, meine rudernden Arme teilten die &#252;ber dem steinigen Boden flimmernde Luft und mir schien, beschleunigte ich meine Schritte noch ein weiteres Mal, gel&#228;nge es mir den Horizont zu greifen. Was war der Grund dieser Hatz? Was trieb mich? War es der naive Glauben in Tinseltown ins Getriebe des B&#246;sen greifen zu k&#246;nnen und das ewige Rad des Verderbens in seinem Laufe bremsen, gar aufhalten zu k&#246;nnen? Eine aus alten Gem&#228;chern der Seele aufsteigende Wut auf den obsz&#246;nen Tanz der Kr&#228;merseelen um die goldenen K&#228;lber? Meine nie versiegende Trauer &#252;ber den Verlust von „Sch&#246;ner Tag“? Oder trieb mich etwa die armselige Hoffnung in Tinseltown die Scherben meiner einst dort begangenen Dummheit zu finden oder gar zusammenkehren zu d&#252;rfen? Ich schlug meine Beine in den Pr&#228;rieboden, schrie die Zahl meiner Schritte in die glei&#223;ende Mittagssonne, als ich den Horizont auf mich zurasen sah, meine Kehle sich schlo&#223; und ich unter einem dieser entrinnenden Gurgeln  folgende Worte vernahm:</p>
<p><strong><em>„Old Schmetterpfotes Geist wei&#223;, da&#223; der Feind, den er jagt, nicht fliehen wird. Er tr&#228;gt ihn in sich. Es ist Zeit zu rasten!&#8221;</em></strong></p>
<p>Die schwere Pranke von H&#228;uptling Kleines Abbes Bein legte sich auf meine Schulter und ich fiel.</p>
<p>Rechtzeitig hatten wir das Ufer des Flu&#223;es erreicht. Wir sa&#223;en – gest&#228;rkt von Wasser und Forellen – im sch&#252;tzenden und k&#252;hlenden Schilf. Die Augen von Old Schmetterpfote blickten wieder klar. Der Pferdef&#252;&#223;ige hatte sich zur&#252;ckgezogen. Es war Zeit einen Plan zu fassen. Die Unken quakten. Der Freund und Westmann nestelte seine Mundharmonika aus der Ledertasche und blies <a href="https://www.youtube.com/watch?v=SMPzo-vGkoc" target="_blank"><strong>ein wehes Lied</strong></a> in die hereinbrechende Nacht.</p>
<p>„Kleines Abbes Bein ist froh, auch wenn er wei&#223;, da&#223; eine R&#252;ckkehr ihm nicht mehr gew&#228;hrt!“</p>
<p>„Ja! Die Lieder der Heimat klingen erst von fremden H&#246;hen klar!“</p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
<p><em><img class="alignnone size-full wp-image-9005" title="tal26" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/09/tal26.jpg" alt="tal26" width="515" height="204" /><br />
</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Am Cospudiner See / Unbeglichene Rechnungen</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2015 18:48:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archibalds Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Reise ins Tal]]></category>

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		<description><![CDATA[
So sa&#223; ich also, all meine Reisen in die T&#228;ler und an die R&#228;nder nur mehr als ein fernes Echo in meinen L&#246;ffeln rauschend, in eine Wolldecke geh&#252;llt auf der Holzveranda meiner Blockh&#252;tte am Ufer des Cospudiner Sees in der N&#228;he meiner geliebten Gosenstadt, wohin meine von den Anstrengungen eines Lebens als Westmann gem&#252;deten Knochen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-8986" title="tal23" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/09/tal23.jpg" alt="tal23" width="515" height="189" /></p>
<p>So sa&#223; ich also, all meine Reisen in die T&#228;ler und an die R&#228;nder nur mehr als ein fernes Echo in meinen L&#246;ffeln rauschend, in eine Wolldecke geh&#252;llt auf der Holzveranda meiner Blockh&#252;tte am Ufer des Cospudiner Sees in der N&#228;he meiner geliebten Gosenstadt, wohin meine von den Anstrengungen eines Lebens als Westmann gem&#252;deten Knochen mich  hatten zur&#252;ckkehren lassen – Oh Heimkehr du, stets <a href="https://www.youtube.com/watch?v=TsjjE8jXDts" target="_blank"><strong>ersehnt und schrecklich</strong></a> traurig gerne! &#8211; und der nahende Herbst blies k&#252;hl &#252;ber das stille Wasser und das Rheuma in meine Glieder. Auf meinen wackligen Knien ein Schuhkarton. Erinnerungen quollen und ich fragte mich, was mich bewegt hatte, einen Gutteil der Schachtel mit Rechnungen anzuf&#252;llen, die meistens ordentlich beglichen zwar mit Nuggets oder einem guten alten Greenback, aber eben auch mit Narben, Sch&#252;rfwunden und manchem geflickten Knochen, Rechnungen aber doch und es sch&#252;ttelte mich die Vermutung, da&#223; selbst im Herzen eines freien Geistes, geht es dem unvermeidlichen Ende zu, ein Buchhalter lauert, wenn ich mich nicht irre, hihihi! Und voller Wehmut blickte ich auf die Photographie, auf welcher der Sch&#228;del von Deadly Dust prangte, dem edlen Ro&#223;, welches einst H&#228;uptling Kleines Abbes Bein &#252;ber die Pr&#228;rie getragen hatte und welches den Weg in die Ewigen Stallungen gehen mu&#223;te, an jenem gr&#228;&#223;lichen Tage im Tal, als die zerst&#246;rerische Wucht einer Explosion mich durch die Luft gewirbelt hatte und der Gro&#223;e Manitu uns im allerletzten Moment das Gatter zu den Ewigen Jagdgr&#252;nden vor der Nase zugeschlagen hatte, mir Old Schmetterpfote und meinem roten Bruder Kleines Abbes Bein. Sieh an den gebleichten Sch&#228;del eines unschuldigen Vierbeiners, welcher nun mahnend den Eingang zum (ehemaligen) Heiligtum der Kamschatka – Bear bewacht. Eine dieser Rechnungen, die wohl niemals beglichen werden oder erst im Angesicht des letzten Tages, an den Schranken eines letzten Gerichts.</p>
<p>„Mein wei&#223;er Bruder, der Du jenseits des Gro&#223;en Wasser, welches der Gro&#223;e Geist zwischen unsere Heimatl&#228;nder setzte, die Stille Deiner letzten Abende besingst, traurige Botschaft sendet Dir Kleines Abbes Bein, H&#228;uptling des untergegangenen Stammes der Kamschatka – Bear. Jamulapanta, der H&#252;ter der Seelen der Vierbeiner, lie&#223; Hattum&#246;rla, das edle Ro&#223; von Old Schmetterpfote zu sich rufen. Viele Jahre weidete die treue Seele zu den F&#252;&#223;en meines Pueblo und nagte friedlich an den Halmen seines Ruhestandes, doch in einer der letzten Vollmondn&#228;chte, die eine klirrende K&#228;lte bis in den tiefen S&#252;den meines Landes  geschickt hatte, fiel ein ausgehungertes Rudel W&#246;lfe in unsere Stammesweiden ein und der alte Recke verlor seine letzten Kampf. Das Herz von Kleines Abbes Bein ist schwer und seine Gedanken weilen am anderen Ende des Gro&#223;en Wassers bei seinem alten Weggef&#228;hrten. Doch auch dankbares Gl&#252;ck erf&#252;llt den H&#228;uptling der Kamschatka – Bear, denn der weise Ratschlag von Klecker Peter, Kleines Abbes Bein m&#246;ge Buchstaben und Schrift des Wei&#223;en Mannes erlernen, ist ein Segen und dem Herzen gro&#223;e Freude. Sei gegr&#252;&#223;t von den hei&#223;en Winden, die &#252;ber die Pr&#228;rien jagen. So manches Lied noch singen sie von den Taten des Old Schmetterpfote. Hugh, ich habe geschrieben!“</p>
<p>Dieser, einer der letzten Briefe meines Blutsbruders, war mir aus den klammen Pfoten gefallen, lag gelesen und beweint zu F&#252;&#223;en meines knarzenden Schaukelstuhles, eine vorwitzige Maus f&#252;hrte sich eine Ecke des wertvollen Dokumentes zu Gem&#252;te, denn ich war eingenickt. Ich tr&#228;umte von jenem Tag, als mich wenige Momente einer Illusion gestreift hatten, jener Illusion, diese alte Rechnung sei endlich nun beglichen,  ich tr&#228;umte von jenem Tag im Tal, als zwei aufrechte Seelen durch die Luft geflogen waren und das erste Ger&#228;usch, welches ich nach dem f&#252;rchterlichen Aufprall vernommen hatte, das erste Ger&#228;usch nach einem von mir herzhaft in die Pr&#228;rie gebr&#252;llten „Ei verbibsch, was brummt mir och dr Nischl!“, das Wiehern meines guten, alten Hattum&#246;rla gewesen war. Dazu w&#228;re zu sagen, da&#223; Kinky Claude einst – ach, einer ungl&#252;ckseligen Dummheit meinerseits geschuldet einst in Tinseltown, die zu erz&#228;hlen ich bisher vermieden habe – mein treues Ro&#223; entwenden konnte und ich so also bef&#252;rchtete, da&#223; die todbringende Explosion, die auch den Ausl&#246;ser in unz&#228;hlige Teile zerfetzt hatte,  das Ende von Hattum&#246;rla bedeutete. Doch dem waren die feinen N&#252;stern meines Rappen vor, das Ro&#223; hatte sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Und so erwachte ich vom alten Gl&#252;ck gestreift und mir war, als st&#252;nden der Gro&#223;e H&#228;uptling der Kamschatka – Bear und ich wieder am schnell geschaufelten Grabe des B&#246;sewichts, im Hintergrund befreites Wiehern. Ja, auch dem S&#252;nder, und sind es nur ein paar Ascheh&#228;ufchen, die man der Erde &#252;bergibt, schenkt der aufrichtige Christ tr&#246;stende Worte f&#252;r die letzte Reise und bittet die G&#246;tter, sie m&#246;gen die eigene Unzul&#228;nglichkeit vor den Versuchungen und Abgr&#252;nden des B&#246;sen bewahren. Ich h&#246;rte wieder die Stimme meines roten Bruders.</p>
<p>„Old Schmetterpfote spricht Worte, die dem Herz von Kleinem Abben Bein wohltun. M&#246;ge der M&#246;rder meiner Schwester und meines Vaters den letzten Pfad aufrecht hinabwandern. Es ist Zeit weiterzureiten.“</p>
<p>„Der H&#228;uptling spricht weise und voller Vergebung. Bewunderung l&#228;sst mich tiefer atmen, doch vernehme, nur noch ein Pferd ist unser!“</p>
<p>„So schreiten wir voran! Kinky Claude war nur eine einzelne Seele, die der Milzbrand des B&#246;sen ergriffen hatte. Mein Bruder wei&#223;, da&#223; es gilt den Arm des einarmigen Banditen zu brechen!“</p>
<p>„Und wohin f&#252;hrt uns die Wanderung, mein Bruder?“</p>
<p>„Nach Tinseltown, ins Herz der Finsternis. Die GRAUE WOLKE will weichen! Hugh!“</p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
<p><em><img class="alignnone size-full wp-image-8987" title="tal21" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/09/tal21.jpg" alt="tal21" width="515" height="213" /><br />
</em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Am Rand des Verderbens / Leere und Hoffnung</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2015 07:08:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archibalds Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Reise ins Tal]]></category>

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		<description><![CDATA[
W&#252;st und leer das Grasland. Keine Helden durchstreifen die Weite. Kein unruhiger Huf tritt die Halme. Der Morgen nach einer st&#252;rmischen und regnerischen Nacht liegt m&#252;de auf den geknickten Gr&#228;sern. Der Pfiff eines Pr&#228;riehundes noch sirrt und dann f&#228;llt die bleierne Stille herab. Ein jeglicher Wind schl&#228;ft. Der gelbe Planet erklimmt den Thron und brennt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-8975" title="tal22" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/08/tal22.jpg" alt="tal22" width="515" height="198" /></p>
<p>W&#252;st und leer das Grasland. Keine Helden durchstreifen die Weite. Kein unruhiger Huf tritt die Halme. Der Morgen nach einer st&#252;rmischen und regnerischen Nacht liegt m&#252;de auf den geknickten Gr&#228;sern. Der Pfiff eines Pr&#228;riehundes noch sirrt und dann f&#228;llt die bleierne Stille herab. Ein jeglicher Wind schl&#228;ft. Der gelbe Planet erklimmt den Thron und brennt sich erbarmungslos in den aufsteigenden Tag hinein. Die Wundr&#228;nder des Verderbens ziert eitriger Schorf. Die Koyoten schweigen in den B&#252;schen, in denen sie lagern. Sie nagen einen letzten Knochen.</p>
<p>Selbst die eitle Hoffnung leugnet nicht den Tod, doch sie hofft der Sensenmann m&#246;ge in den t&#228;glichen K&#228;mpfen, die sich die Weiten der Pr&#228;rie als Schlachtfeld gew&#228;hlt haben, an den richtigen T&#252;ren klopfen, die leise Erwartung betet, er m&#246;ge die Aufrechten verschonen, auf da&#223; man weiterhin ihren Reisen folgen d&#252;rfe. Doch es herrscht keine Gew&#228;hr unter der brennenden Sonne. Das Gro&#223;e Schlachten kennt sie nicht die Guten, kennt sie nicht die B&#246;sen, das Gro&#223;e Schlachten findet statt und badet in Drachenblut. Der naive und doch gerechte Glauben an eine weise Hand, die das Getriebe der Welten in freundliche und schonende Bahnen lenken m&#246;ge, steht Tag f&#252;r Tag und jeden Morgen wieder, den die G&#246;tter auf das weite Land, die Schluchten, T&#228;ler und Berge werfen, an den Wundr&#228;ndern der ewigen Abgr&#252;nde und zittert in Voraussicht. Die Pr&#228;rie durchweht der bittere Hauch Hoffnungslosigkeit. H&#228;uptling Kleines Abbes Bein und sein Gef&#228;hrte Old Schmetterpfote scheinen ihre Pferde ein letztes Mal abgesattelt zu haben, sie scheinen nicht mehr zu sein als tr&#228;nennasse Erinnerungsfetzen, gelagert in einem m&#252;rben Schuhkarton. Die Klapperschlange r&#252;ttelt ihr Hinterteil. Wir erschrecken nicht einmal mehr, geschweige denn vor uns selbst.</p>
<p>Auf einem Felsen unterhalb des gesch&#228;ndeten Heiligtums der Kamschatka – Bear lag und liegt der gebleichte Sch&#228;del. Fliegen durchsummen seine hohlen, ausgeweideten Augen, jene Pforten eines Palastes der Letzten Erinnerung. Welchen Helden trug fr&#252;her dies dahingegangene Ross? Brach dereinst sein Lauf, in halsbrecherischer Flucht vor den Horden des Gewinnstrebens? Setzte ein untr&#246;stlicher Westmann die Flinte an den Sch&#228;del des gest&#252;rzten Freundes, &#8216;alternativlos&#8217; wie der Zyniker Mantra raunt? Hat Kinky Claude sein Ziel erreicht? Hat die Habgier wieder einmal erfolgreich das Zepter ergriffen? M&#252;de durchbl&#228;ttern wir ein Buch und lesen, was der Chronist Rainald G. vor kurzem niederschrieb:</p>
<p><em>„Diese rattig auf Schl&#228;ue angelegten Typen entwickeln eine besonders effektive Wendigkeit  am Arbeitsplatz, machen Karriere, weil sie die Regeln des Sozialen auf ihren eigenen Vorteil hin kalt belauern und unirritiert von allem Seelischen, Menschlichen und Zwischenmenschlichen nur f&#252;r sich selbst ausn&#252;tzen und ihre eigene Tiefenamputiertheit, ihren perfekten Zynismus als Professionalit&#228;t bezeichnen. (&#8230;) Der andere Mensch ist total anders unterwegs.“</em></p>
<p>Wir atmen tiefer ein und bitten die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=WCEA58UKhXM" target="_blank"><strong>Hoffnung</strong></a> unsere &#228;ngstliche und w&#252;tende Brust zu weiten. M&#246;ge der Sch&#228;del andere getragen haben denn unsere beiden Helden! In der Ferne lodert auf ein G&#246;tzenbild.</p>
<p><em>(Fortsetzung folge!)</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8976" title="tal23a" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/08/tal23a.jpg" alt="tal23a" width="515" height="245" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Kleines Abbes Bein III / Die letzte Tasse Kaffee?</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2015 08:37:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archibalds Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Reise ins Tal]]></category>

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		<description><![CDATA[
Vor uns, auf dem ungeordneten Schreibtisch, liegt der gewissenhaft verschn&#252;rte Schuhkarton. Von Nagetieren (Insekten?) angefressene Kanten, Kaffeeflecken, fiebrige Kritzeleien. Auf dem ausgebleichten Deckel unten rechts eine Inschrift:
„Hier die Aufzeichnungen des Westmannes Old Schmetterpfote &#252;ber seine Reisen in die T&#228;ler und an die R&#228;nder, der Nachwelt zur verantwortungsvollen Verwendung.“
Vorsichtig &#246;ffnen wir die unz&#228;hligen Knoten, gl&#228;tten die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-8950" title="tal17a" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/08/tal17a.jpg" alt="tal17a" width="515" height="238" /></p>
<p>Vor uns, auf dem ungeordneten Schreibtisch, liegt der gewissenhaft verschn&#252;rte Schuhkarton. Von Nagetieren (Insekten?) angefressene Kanten, Kaffeeflecken, fiebrige Kritzeleien. Auf dem ausgebleichten Deckel unten rechts eine Inschrift:</p>
<p style="text-align: center"><em>„Hier die Aufzeichnungen des Westmannes Old Schmetterpfote &#252;ber seine Reisen in die T&#228;ler und an die R&#228;nder, der Nachwelt zur verantwortungsvollen Verwendung.“</em></p>
<p>Vorsichtig &#246;ffnen wir die unz&#228;hligen Knoten, gl&#228;tten die Schuhb&#228;nder, rollen sie auf. Das Heiligtum entbl&#246;&#223;t seinen Schatz. Dicht beschriebene, aus einer Kladde gerissenen Zettel. Beschrieben auf Vorder – und R&#252;ckseite, die R&#228;nder gef&#252;llt mit Bemerkungen, Zeichen, Pfeilen. Servietten, Saloonrechnungen, Bierfilze, Etiketten, Buchseiten. Bemalt, beschrieben, bekrakelt. Zeitungsauschnitte, fein s&#228;uberlich herausgeschnitten teils, hastig herausgerissen ebenso.  The Tinseltown Times. El Paso Journal.  Le Mescalero Dimanche. Prairie Today.  Daily Mail of Roswell. Vergilbte Photographien, viele befleckt. Regentropfen? Tr&#228;nen? Feuerwasser? Immer wieder ein kleiner, wacker in die W&#228;lder und T&#228;ler blickender B&#228;r und sein Begleiter, ein recht ordentlich vergilbter Hase. Eine Notiz f&#228;llt sofort ins Auge, f&#228;llt aus dem Rahmen. Ein St&#252;ck Bisonleder, eingeritzt eine hastige Nachricht. Mit einem angekokelten St&#252;ck Holz? Getrocknetem Schlamm? Gar Blut?</p>
<p style="text-align: center"><em> „Wir happen das Heilischtum erreicht. Unheimelige Stille. ER ist da. Der H&#228;uptling der Kamschakas hat krose Schmerrzen. Das Bein schreit pei jetem Shcritt auf. Operation villeich schlecht. Der Tach vill nich mehr hell sein. Ich kann iHN richen, den Hun&#8230; Manitu, Gro&#223;er .. Steh uns pei! &#8212; HIlfe! Klein Ab Bein hei&#223;t mich schwaige ..  Nein!“</em></p>
<p style="text-align: left">Dann in einer neuen Schrift:<em> </em></p>
<p style="text-align: center"><em>„atlantapam songo manituam eti. hugh!“</em></p>
<p>Und jene Photographie, die unsere Herzen r&#252;hrt. Im Staub liegen die zwei Helden, deren Reise ins Tal wir verfolgen durften, deren ganze Geschichte jedoch noch im Dunkeln liegt. Spuren wurden gefunden, gelesen sind sie noch nicht. Ist dies das Ende? Wird die Geschichte fortgeschrieben? Oder ist sie schon dahin? Eine <a href="https://www.youtube.com/watch?v=1f1_1vEomck" target="_blank"><strong>letzte Tasse Kaffee</strong></a> rinnt die beklommene Kehle hinab. Doch wir werden sie zu finden wissen. Westm&#228;nner sterben nicht, solange wir es nicht zulassen.</p>
<p><em>(Fortsetzung schl&#228;ft noch)</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8951" title="tal18" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/08/tal18.jpg" alt="tal18" width="515" height="223" /></p>
<p>PS: Beim Schlie&#223;en und Wiederverschn&#252;ren des Kartons f&#228;llt auf, da&#223; der Deckel von innen beschrieben ist! Dem Leser hier zur verantwortungsvollen Verf&#252;gung.</p>
<p style="text-align: center"><em>Wir treiben auf dem w&#252;sten Meer,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>vergessen ist das Land.</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Da fliegt ein Vogel auf das Schiff,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>ist bunt und unbekannt.</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Er singt von Inseln im Sonnenwind,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>von wilden B&#228;chen, von Honig und Wein,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>von L&#228;ndern aus dem Sternenhimmel,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>das muss Osti<br />
</em></p>
<p>Hier bricht der Text ab, einer in anderer Schrift beginnt.</p>
<p style="text-align: center"><em>Wo bin ich, bin ich in Liebe, wo bin ich, bin ich schon da?</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Wo bin ich, bin ich auf Sternen, wann bin ich, bin ich schon da?</em></p>
<p style="text-align: center"><em>&#8230;..<br />
</em></p>
<p>Der Rest ist unleserlich. Noch.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Kleines Abbes Bein II / Der Weg ins Nichts</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2015 19:32:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archibalds Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Reise ins Tal]]></category>

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		<description><![CDATA[
&#8220;Die besondere Aufgabe des Geheimnistr&#228;gers ist es seinen Stamm zu sch&#252;tzen und dies nicht vor seinen &#228;u&#223;eren Feinden, sondern auch vor sich selbst!&#8221;
Klecker Petras mahnende Worte vor Augen sa&#223; ich in der Schlucht, in welcher ich damals Abschied  genommen hatte von meinem Vater, meiner Schwester und dem weisen Medizinmann meines Stammes. Wieder sollte die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-8937" title="tal15" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/08/tal15.jpg" alt="tal15" width="515" height="214" /></p>
<p style="text-align: center">&#8220;Die besondere Aufgabe des Geheimnistr&#228;gers ist es seinen Stamm zu sch&#252;tzen und dies nicht vor seinen &#228;u&#223;eren Feinden, sondern auch vor sich selbst!&#8221;</p>
<p>Klecker Petras mahnende Worte vor Augen sa&#223; ich in der Schlucht, in welcher ich damals Abschied  genommen hatte von meinem Vater, meiner Schwester und dem weisen Medizinmann meines Stammes. Wieder sollte die Schlucht uns Schutz gew&#228;hren. Ich blickte in den gn&#228;digen Nachthimmel, welchen Manitou &#252;ber den letzten, wild bewegten Tag gespannt hatte und sp&#252;rte die Kr&#228;fte in meinen K&#246;rper zur&#252;ckkehren. Die GRAUE WOLKE kratzte nur noch leicht an den R&#228;ndern meines Bewusstseins. Old Schmetterpfote hielt die Wacht. Ich sah, da&#223; die ewigen Schatten der Vergangenheit seinen Atem schwer werden lie&#223;en.</p>
<p>„Mein Bruder ist m&#252;de. Kleines Abbes Bein ist wieder bei Kr&#228;ften. Er wird die Wache &#252;bernehmen. Old Schmetterpfote m&#246;ge sich ausruhen. Ich h&#246;re, da&#223; die alten Tage schwer auf seiner mutigen Brust lasten.“</p>
<p>Ja, die Erinnerungen, die diese Schlucht, die dem Stamme der Kamschatka – Bear seit je her als R&#252;ckzugsort diente, f&#252;r mich bereit hielten, sie waren von tiefer Traurigkeit und bleiernem Gewicht. Hier hoffte ich damals auf heile R&#252;ckkehr, hier vernahm ich die t&#246;dlichen Sch&#252;sse, hier verlor ich eine Liebe, von hier aus brachen wir auf, um zu sp&#228;t zu kommen. In meinem Schmerz betete ich um Schlaf und der Gro&#223;e Geist erh&#246;rte mich. D&#252;stere Gestalten ritten durch meinen Traum, sanft fasste „Sch&#246;ner Tag“ meine Hand, ihr schwarzes Haar strich mir &#252;ber die Lippen, die ein fernes Lied sangen, ein Lied, welches noch nicht war, aber eines Tages werden w&#252;rde, geschrieben und gesungen von einem, der diese Geschichten gelesen haben w&#252;rde, mit Freunde und Verstand. Es war ein tr&#246;stendes und trotziges Lied. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=dRydLnBiBss" target="_blank"><strong>Ein einfaches Lied</strong></a>, gespeist von Hoffnung und liebevoller Naivit&#228;t.</p>
<p>Das Besondere am Geheimnis der Kamschatka – Bear ist das Vergessen. Ein Kamschatka – Bear wei&#223; um die Gespenster der Gier und um die ewige Unruhe der Erdenbewohner. Er wei&#223; um das verh&#228;ngnisvolle Funkeln in den Augen derjenigen, die einen Blick auf den Schatz geworfen haben. Er wei&#223; um die Haltlosigkeit, die atemlose Besinnungslosigkeit derer, die aufgebrochen sind den vermeintlichen Schatz zu heben, von dessen Existenz sie meist nur durch ein vages Fl&#252;stern vernommen haben. Die Kamschatka – Bear aber wissen um die Unabdingbarkeit des Gro&#223;en Verzichts, den sie wissen um sich selbst .</p>
<p>Ein zweites Mal ward mir das abbe Bein abgerissen und wieder angen&#228;ht worden. Die K&#252;hle der Nachtluft linderte das Pochen der frischen Narbe. Kinky Claude hatte mir das Geheimnis entrissen. Doch es bestand keine Gefahr. Sie w&#252;rden den Schatz nicht finden, weil der Schatz sich nicht dort befindet, wo sie ihn vermuten, weil selbst die, die den Schatz einst vergraben haben, all ihre Anstrengung darauf verwandt hatten, zu vergessen. Und vielleicht wissen wir sogar, da&#223; der Schatz nirgends existiert als in den wund gehofften Hirnen der Unruhigen. Und dennoch hat auch in dieser Nacht der Schnitter sein Pferd bestiegen und hielt reiche Ernte unter den Verblendeten und den Unschuldigen. Neben mir lag Old Schmetterpfote und &#252;ber seine schlafenden Lippen kroch ein Lied. Ich vernahm die Worte.* Ich weckte den Gef&#228;hrten.</p>
<p>„Mein Bruder, es ist Zeit die Schlucht zu verlassen. Wir beide wissen, wo wir den Feind finden werden. Der Kampf geht weiter!“</p>
<p>„Der H&#228;uptling hat recht. Manchmal jedoch w&#252;nschte ich mir in den Weiten der Prairie mehr Unvorhersehbarkeit!“</p>
<p>„Ich verstehe die Wut meines Gef&#228;hrten. Doch auch im Schmerz ist es nicht ratsam, die G&#246;tter zu versuchen!“</p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
<p><em>*Die Worte des Liedes, welches Old Schmetterpfote in der Nacht in der Schlucht sang, waren einst abgedruckt auf Seite 90 des Werkes, welches anno 1985 im FATA MORGANA – Verlag zu Berlin erscheinen w&#252;rde. Seit einigen Jahren jedoch bleibt diese Seite aus unerkl&#228;rlichen Gr&#252;nden leer. Wir reichen sie im folgenden nach.**<br />
</em></p>
<p><em>**Als ich in jener schlaflosen Nacht &#252;ber die kalten Stra&#223;enlaternen und neonbleichen H&#228;userreihen hinweg in den klaren Winterhimmel schaute, fiel mir ein Stern auf. Er gefiel mir und je l&#228;nger ich ihn betrachtete desto gr&#246;&#223;er und deutlicher wurde er f&#252;r mich. Durch seine leuchtende blaue Atmosph&#228;re konnte ich Meere und Kontinente erkennen.</em></p>
<p><em>Ich sah Urw&#228;lder, die wie eine sch&#252;tzende Hand das Land bedeckten, Gebirge, in deren schnee&#252;berzogenen Gipfeln sich die Mittagssonne bricht wie in einem kostbaren diamanten. Flimmernde W&#252;sten, in denen nur der Wind wohnt, Fl&#252;sse, die breit und schwer wie die tr&#228;gen Gedanken eines Sommernachmittags dahinflie&#223;en.</em></p>
<p><em>An ihren Ufern wogende Getreidefelder, vom Duft schattiger Obstg&#228;rten erf&#252;llte Luft.</em></p>
<p><em> Dann sah ich sie, ihre Haut war braun, manchmal heller, manchmal dunkler, sie pfl&#252;gten die Erde, bestellten die Felder, bauten Br&#252;cken aus seltsamen Metallen. Manche schwebten in schimmernden Kugeln durch die Luft. Ich sah sie in der Sonne liegen, sah sie tanzen, h&#246;rte ihre Ges&#228;nge, sp&#252;rte ihre Liebe.</em></p>
<p><em>Dann sah ich ihre St&#228;dte. St&#228;dte, deren Sch&#246;nheit ich nicht beschreiben kann. St&#228;dte ohne Hass und ohne Hast und ich sah keine stickigen Hinterh&#246;fe, keine rasenden Blechkisten, keine verhungerten Kinder und niemanden auf den eine Waffe gerichtet war.</em></p>
<p><em> Ich sah keine marschierenden Truppen, keine Bomben werfenden Flugzeuge und ich sah niemanden, der Geld z&#228;hlte.</em></p>
<p><em>Ich sah fr&#246;hliche Gesichter und sah traurige Gesichter, aber nirgendwo begegneten mir hoffnungslose Blicke.</em></p>
<p><em> Das Bild zerriss. Und da war nur noch die klare Dezembernacht mit ihren Tausenden von Sternen.</em></p>
<p><em><img class="alignnone size-full wp-image-8938" title="tal16" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/08/tal16.jpg" alt="tal16" width="515" height="214" /><br />
</em></p>
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		<title>Kleines Abbes Bein I / Ein Tag im Westen</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2015 06:24:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archibalds Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Reise ins Tal]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ich hatte den Faden abgebissen, nachdem ich diesen fachgerecht verknotet hatte, ich desinfizierte ein letztes Mal die Wundr&#228;nder, indem ich sie mit einer Paste aus zerkauter Karotte, Brennesselsud und zerbr&#246;seltem Kn&#228;ckebrot einrieb und sah, die Operation war gelungen. Ich verstaute meine Utensilien und befand mich, als das kleine Schlo&#223; h&#246;rbar zuschnappte und der Arztkoffer verschlossen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-8927" title="tal13" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/07/tal13.jpg" alt="tal13" width="515" height="203" /></p>
<p>Ich hatte den Faden abgebissen, nachdem ich diesen fachgerecht verknotet hatte, ich desinfizierte ein letztes Mal die Wundr&#228;nder, indem ich sie mit einer Paste aus zerkauter Karotte, Brennesselsud und zerbr&#246;seltem Kn&#228;ckebrot einrieb und sah, die Operation war gelungen. Ich verstaute meine Utensilien und befand mich, als das kleine Schlo&#223; h&#246;rbar zuschnappte und der Arztkoffer verschlossen ward, wieder auf Ellis Island, an jenem freundlichen, Zukunft verhei&#223;enden Oktobertag vor wenigen Jahren, sa&#223; geduldig, doch mit wild pochendem Herzen, auf einer der langen und harten Holzb&#228;nke und wartete auf Einla&#223; ins gelobte Land. Neben mir, d&#246;send und milde schnarchend, Prof. Dr. Dr. med Peter Curt Alfonsius von Kleckerburg, ehemals Direktor und leitender Arzt des Josefspitals – Fachklinik f&#252;r Inneres und &#196;u&#223;eres – in Leipzig – Gosenstadt, heute in den Weiten des Westens und an den Lagerfeuern bekannt als der Gro&#223;e Pr&#228;riephilosoph und Lehrer aller Willigen &#8216;Klecker Peter&#8217;. Ich hatte das dankbar angenommene Gl&#252;ck erleben d&#252;rfen an der Seite dieses gro&#223;en und wachen Geistes und an Bord der &#8216;MS Teutonia Sachsenadler&#8217; den Ozean queren zu d&#252;rfen. Der weise Mann hatte der alten Heimat einen kurzen Besuch abgestattet, um seine g&#252;tige Mutter zu beerdigen. Da nun die Schiffsreise &#252;ber den atlantischen Ozean einige Tage andauert und mir der Sinn nicht danach stand diese langen Stunden mit Kartenspiel, billigem Fusel und dummen Geschw&#228;tz &#252;ber Weiberleute und Pferderennen zu verplempern, nahm ich das Angebot des Professors – offensichtlich hatte ich schnell sein Vertrauen gewonnen gehabt, nachdem wir uns auf dem Oberdeck getroffen hatten, um den n&#228;chtlichen Sternenhimmel einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen – mich von ihm in die Grundkenntnisse der Notfallchirugie einf&#252;hren zu lassen, dankend und freudigen Herzens an. „Junger Mann, sollten Sie den Westen bereisen wollen, was ich Ihnen g&#252;tigst empfehle, werden Kenntnisse dieser Art Ihnen n&#252;tzlichste Dienste erweisen. Hinter den Ecken der Faszination und der Erkenntnisse lauern Wundr&#228;nder und splitternde Knochen!“ Und so verf&#252;gte ich bei der Ankunft – zu bemerken sei noch, da&#223; ich den Anblick der Freiheitsstatue leider verpasst habe, da ich noch in ein Kapitel &#252;ber das Vern&#228;hen und Desinfizieren offener Wunden vertieft war – &#252;ber Grundkenntnisse in allen Arten von Notoperationen, Wundversorgung und der Behandlung von Schlangenbissen, Grizzlyprankenschl&#228;gen und dergleichen Unannehmlichkeiten. Manitou sei Dank, wenn ich mich nicht irre, hihihi! Also sa&#223; ich neben &#8216;Klecker Peter&#8217; und die Zeichen standen auf Abschied. Ein fester H&#228;ndedruck, wie er unter M&#228;nnern &#252;blich, ein vertrauensvoll fester Blick in die Augen des Gegen&#252;ber und gute W&#252;nsche besiegelten die Trennung. „M&#246;ge er Dir Dienste leisten. Die G&#246;tter der Alten und der Neuen Welt m&#246;gen ein freundliches Auge auf Deine tatkr&#228;ftigen Pfoten werfen!“ Mit diesen Worten &#252;berreichte er mir seinen Arztkoffer. „Und ich w&#252;nsche, Du m&#246;gest in den Weiten des Westen Kleines Abbes Bein treffen, den designierten H&#228;uptling der Kamschatka – Bear. Mein Herz sagt mir, ihr werdet Euch verstehen! Lebe wohl und h&#246;re nie auf zu lernen!“ Er ging an Land und an mir war es zu warten, bis man mich aufrief.</p>
<p>W&#228;hrend ein vor Aufregung zitterndes Greenhorn, welches noch nicht wu&#223;te, da&#223; es bald den Ehrennamen Old Schmetterpfote durch die Weiten es Westens tragen w&#252;rde, auf einer Holzbank auf Ellis Island auf Einla&#223; wartete, betrat der junge Krieger Kleines Abbes Bein, beladen mit sieben frisch gefangenen Lachsen, zwei erlegten und ausgeweideten Wapiti – B&#246;cken, drei Bastk&#246;rben voller Blaubeeren und trunken vom Honig wilder Waldbienen, das Lager seines Stammes, welches sich versteckt am Ende einer tiefen Schlucht im Nordwesten von Mittelidaho befand. Seinen R&#252;cken zierte eine lange, notd&#252;rftig verheilte Wunde, die ihm die Pranke eines eifers&#252;chtigen Grizzly geschlagen hatte. Sieben Tage und sieben N&#228;chte war Kleines Abbes Bein allein durch die umliegenden W&#228;lder gestreift, um zu beweisen, da&#223; er in der Lage war, seinen hungrigen Stamm zu ern&#228;hren, sieben einsame Tage und N&#228;chte hatte er Ruhe und Kraft gesucht und gefunden, Ruhe und Kraft, die ihm helfen sollten die Gro&#223;e Zeremonie zu &#252;berstehen, die &#220;bergabe des Geheimnisses vom Schatz der Kamschatka – Bear. Alles war bereitet, die heilige Zeremonie konnte beginnen, in der heutigen Nacht, wenn der Mond den h&#246;chsten Stand erreicht hatte, w&#252;rde der Gro&#223;e Klecker Peter, dessen Ankunft man jeden Moment erwartete, ein Bein des jungen B&#228;ren abtrennen und ihn zum Geheimnistr&#228;ger des Stammes machen. Das Lager des Stammes vibrierte vor freudiger Erwartung und doch lag ein z&#228;her Mehltau von Schwermut &#252;ber der Schlucht der Kamschatka – Bear. Sie wu&#223;ten und sie konnten es riechen, der Ring zog sich eng und enger, die wei&#223;en Aufrechtgeher waren nicht mehr fern, riesige H&#228;mmer trieben schon Nagel auf Nagel, Niet auf Niet in die eisernen Schwellen und bald w&#252;rden Heerscharen von Acht – und Ahnungslosen die einsamen Pr&#228;rien und W&#228;lder fluten, ausgespuckt von den dampfenden, feuerspeienden Eisenr&#246;ssern, hemmungslos verbreitend die Errungenschaften der sogenannten Zivilisation: Gier, Neid, Feuerwasser, Gel&#228;rme, Eigensucht, G&#246;tzendienst und Gottlosigkeit. Doch den zuk&#252;nftigen Geheimnistr&#228;ger trieb anderes um. Gewi&#223; erf&#252;llte Stolz dar&#252;ber, da&#223; der Fingerzeig der G&#246;tter ihn gestreift hatte, sein tapferes, junges Herz, doch fasste auch eine g&#228;nzlich unb&#228;rige Angst nach seinen Schultern. Er lud seine Beute ab und blickte hinauf zum Himmel. Es d&#228;mmerte und der H&#252;ter der Nacht, der Heilige Mond, betrat den Rand des Firmaments. Kleines Abbes Bein schlo&#223; die Augen. Er bat um Beistand.</p>
<p>Ich erwachte vom festen Griff der Schmetterpfote, die mich auf die Beine zog. Ein wilder Schmerz durchscho&#223; mich. Ich hatte wieder zwei Beine. Vorsichtig setzte ich das eine vor das andere. Ich bewegte mich. Wann? Jetzt? Damals? Wer hatte das abbe Bein wieder meinem restlichen Leibe angen&#228;ht? Klecker Peter? Old Schmetterpfote? Die Zeiten schoben sich &#252;bereinander wie tektonische Platten und in mir entluden sich wirre Beben. Ich schwankte. Mein Gef&#228;hrte hielt mich fest. Ich ging. Langsam. Mein frisch operiertes Bein schrie bei jeder Bodenber&#252;hrung auf und meine Nase kitzelte der Geruch einer Mischung von zerkauter Karotte, Brennesselsud und zerbr&#246;seltem Kn&#228;ckebrot . Vom d&#228;mmernden Himmel gr&#252;&#223;te die Sichel des sanften Mondes. Aus weiter Ferne drangen die Worte des Gef&#228;hrten in mein Ohr.</p>
<p>„Mein Bruder, h&#246;rt er mich?“</p>
<p>„Ist der Feind noch nahe? Wir haben keine Zeit zu verlieren!“</p>
<p>„Mein H&#228;uptling, la&#223; uns die n&#228;chsten Stunden von hier verschwinden und der Kraft Zeit geben zu Dir zur&#252;ckzukehren.“</p>
<p>„Mein Bruder spricht weise. Bring mich in die Schlucht!“</p>
<p>Die Nacht senkt sich schnell herab. Ein Kauz schrie. Dann schwieg das Tal. Die Gef&#228;hrten erreichten ihr Ziel. Der Mond hing <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Jp7RgBOPPAE" target="_blank"><strong>wie eine Banane</strong></a> &#252;ber ihren K&#246;pfen.</p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
<p><em><img class="alignnone size-full wp-image-8928" title="tal14" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/07/tal14.jpg" alt="tal14" width="515" height="210" /><br />
</em></p>
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		<title>Der Schuft / Dem Geheimnistr&#228;ger fehlt ein Bein</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Jul 2015 12:26:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archibalds Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Die Reise ins Tal]]></category>

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		<description><![CDATA[
Der Schu&#223; fiel rechtzeitig und doch zu sp&#228;t. Mein Leben war gerettet, doch das Geheimnis litt unter einem Verrat. Also sah ich mich nicht in die Ewigen Jagdgr&#252;nde einreiten, sondern mit gesenktem Haupte vor dem Gro&#223;en Rat der Alten B&#228;ren stehend, schuldbeladen, einbeinig, das Geheimnis vom Gro&#223;en Schatz der Kamschatka – Bear in H&#228;nden wissend, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-8911" title="tal12" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/07/tal12.jpg" alt="tal12" width="515" height="208" /></p>
<p>Der Schu&#223; fiel rechtzeitig und doch zu sp&#228;t. Mein Leben war gerettet, doch das Geheimnis litt unter einem Verrat. Also sah ich mich nicht in die Ewigen Jagdgr&#252;nde einreiten, sondern mit gesenktem Haupte vor dem Gro&#223;en Rat der Alten B&#228;ren stehend, schuldbeladen, einbeinig, das Geheimnis vom Gro&#223;en Schatz der Kamschatka – Bear in H&#228;nden wissend, die meinem Stamme nichts anderes herbeiw&#252;nschten als Tod und Untergang. Am Leben weiterhin, doch zweigeteilt, zerrissen von Zweifeln, Selbstvorw&#252;rfen und zwei gnadenlosen F&#228;usten. Und so fragte ich mich, ob es nicht besser w&#228;re zu sterben, als das entwendete Geheimnis in den H&#228;nden eines Schufts namens Kinky Claude zu wissen.</p>
<p>Ich hatte nicht gezielt, dazu reichte die Zeit nicht aus. Der legend&#228;re Kunostutzen wu&#223;te ohne mein Zutun, wohin er die rettende Kugel zu feuern hatte. Kinky Claudes Zeigefinger l&#246;ste sich von seiner linken Hand, ein Strahl vergifteten Blutes, halb Lebenssaft, halb Feuerwasser, scho&#223; aus der Stelle, wo meine Kugel eingeschlagen war und das abgetrennte Glied flog durch L&#252;fte, taumelte und fiel zu Boden. Eine vom Tumult angelockte Klapperschlange nahm ihr Abendmahl zu sich. Der Schrei meines Blutsbruder Kleines Abbes Bein und der Schrei des Schufts verwoben sich zu einem gr&#228;&#223;lichen Kanon. Und man mag es nicht glauben, ich jedoch sah es mit eigenem entsetzten Auge, zu welcher Tat das B&#246;se den Menschen treiben mag. Vierfingrig, blutend und fluchend – man erspare mir die Wiedergabe der vernommenen Scheu&#223;lichkeiten – gelang es Kinky Claude ein Streichholz an seinem verholzten Bart zu entflammen, daraufhin eine Stange Dynamit aus seinem mit allerlei menschlichen Ausfl&#252;ssen besudelten Hemd zu nesteln; die Lunte zu entz&#252;nden und mit der Kraft und Zielgenauigkeit seines ewigen Hasses das glimmende, todbringende Gescho&#223; in den noch unversehrten Munitionswagen des von Forresters Bande niedergemetzelten Siedlertrecks zu schleudern. Ein Flammeninferno durchwalzte das gesch&#228;ndete Tal und, am Leben zwar, doch noch nicht gerettet lag in Blickweite Kleines Abbes Bein, designierter H&#228;uptling der Kamschatka – Bear, das hei&#223;t, wenn mein Auge nicht irrte (hihihi!), lagen dort etwa Vierf&#252;nftel meines Gef&#228;hrten und einige blutverschmierte Yards weiter das losgerissene, das von nun an legend&#228;re &#8216;abbe Bein&#8217; und dieses Bein war hohl, gesch&#228;ndet, man hatte es seines Geheimnisses beraubt. Ich beruhigte meinen Wallach Hattum&#246;rla und griff nach meinem &#196;rztekoffer, den ich am Sattelknauf befestigt hatte.</p>
<p>Die Alten B&#228;ren sagen, wenn der Vollmond am Tag der Wintersonnenwende im Zeichen des Kleinen B&#228;ren steht und eine  B&#228;rin an diesem Tag in ihrer H&#246;hle niederkommt, das Neugeborene das Geschlecht der Krieger hat, dann habe ein Geheimnistr&#228;ger die W&#228;lder und Pr&#228;rien betreten. Demjenigen, an dem ein solchen Schicksal vorbeischlenderte und dem deshalb der gelbe Vogel Neid im Nacken sitzt, sei gesagt, da&#223; die G&#246;tter diese Aufgabe nicht mit den Freuden der Honigschleckerei versehen haben. Zwar wird in den Gro&#223;en Ewigen Annalen der geneigte Leser oft und &#246;fters &#252;ber den Namen des Auserw&#228;hlten stolpern m&#252;ssen und manches Lied wird an den Lagerfeuern seine Taten preisen, doch bedenkt, da&#223; schon siebenundsiebzig Stunden nach seiner Geburt, bevor er einem ersten Schritt hinaus in sein bewegtes Leben getan, dem mit der &#8216;Gro&#223;en Aufgabe&#8217; Versehenen das linke Bein abgetrennt wird. Auch wenn diese Operation von einem m&#228;chtigen und erfahrenen Medizinmann get&#228;tigt wird, in unserem Fall von dem schon erw&#228;hnten Meister der Zeitreisen &#8216;Klecker Peter&#8217;, wer m&#246;chte, da er noch die W&#228;rme der m&#252;tterlichen Zitze an seinen Lippen sp&#252;rt, ein eigenes Bein vor sich liegen sehen, beobachten, wie kluge und vorsichtige H&#228;nde eine silberne Kapsel in das Innere des abgetrennten Gliedes einf&#252;hren und dabei ein ewig bindenden Schwur tun m&#252;ssen.</p>
<p style="text-align: center"><strong>Kajatam muko t&#228; estis twi</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>bijamata eio bajalam</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>kiri &#228;t&#228; nomo neti</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>lapo manitou lapo tenbo kak</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>tarantapa crabo</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>atlantapam songo manituam eti</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>hugh*</strong></p>
<p>Und so findet das Geheimnis, die Schatzkarte, welche die Pfade zu den Nuggets des Stammes weist, den Weg in den K&#246;rper des Geheimnistr&#228;gers. Anzumerken w&#228;re noch, da&#223; lediglich das monotone Brummen der B&#228;renweiber und das reichlich gef&#252;ttere Blaubeerenkompott die unb&#228;rigen Schmerzen versuchen etwas zu lindern.</p>
<p>Ich sah mein Bein vor mir liegen. War ich wieder der Kleine B&#228;r? Ich h&#246;rte einen Schu&#223;. Eine d&#252;nne Blutspur f&#252;hrte vom abgetrennten Bein zur&#252;ck zu meinem Leib. Blut tropfte leise aus meinem Torso. Dort wo eben noch ein Bein ragte, was mich tausende von Meilen &#252;ber Berge, durch Schluchten getragen hatte, ein Bein eben noch zuckte, dessen sanfter Druck meinen Rappen &#8216;Deadly Dust&#8217; &#252;ber die Pr&#228;rien gelenkt hatte, dort klaffte ein g&#228;hnendes Loch. Und ein weiteres Loch im abgerissenen Glied. Keine silberne Kapsel: vanitas. Ich sah, wie eine wei&#223;e Pfote nach dem abben Bein griff. Ich sah, wie eine wei&#223;e Pfote vor meinen tr&#252;ben Augen tanzte. Ich h&#246;rte ein Explosion. Eine Stichflamme scho&#223; in den Himmel. Eine wei&#223;e Pfote traf mich an der Schl&#228;fe. Ich sank. Ich sang. Ich sang ein altes Lied. <strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=59cA_Rj22lY" target="_blank">Das Lied sang mich.</a></strong> Eine Nadel bohrte sich in mein Fleisch. Ein Faden folgte der Nadel. Ich hatte vor dem Gro&#223;en Rat der Alten B&#228;ren Platz genommen. Ich schwieg.</p>
<p><em>*Eine – zugegeben – freie &#220;bersetzung des Heiligen Eids der  Geheimnistr&#228;ger der Kamschatka – Bear finden Sie in dem – leider  momentan vergriffenen &#8211; Standardwerk  von Kuno Wonnemond „Die Sprachen der V&#246;lker der Weite“,  erschienen beim Scharm&#252;tzelverlag, Leipzig – Gosenstadt, Radebeuler Hof 24.<br />
</em></p>
<p><em>(Fortsetzung folgt)</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8912" title="tal11" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2015/07/tal11.jpg" alt="tal11" width="515" height="215" /></p>
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