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	<title>Archibald schaut Welt &#187; Vorletzte Fragen</title>
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	<description>Vom Bären vom Brandplatz</description>
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		<title>Vorletzte Fragen in diesen Tagen / Hoffnung stets</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Apr 2020 02:14:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorletzte Fragen]]></category>

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		<description><![CDATA[
…..
 F&#252;rchtet Euch nicht vor bl&#252;henden Mandelzweigen
 …..
Morgensonne &#252;ber einem &#246;sterlichen Hinterhof in der Kleinen h&#228;&#223;lichen Stadt in Mittelhessen. Stille. Mahler hat Budnikowski das Schweigen schmackhaft gemacht. Keine Angst, nicht f&#252;r immer und ewig, aber daf&#252;r &#246;fters. Budnikowski hat Mahler zum Dank ein Gedicht geschenkt. Hat ein j&#252;discher Schriftsteller im Jahre 1942 verfa&#223;t. Budnikowski meint [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10849" title="engel33" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel33.jpg" alt="engel33" width="515" height="290" /></strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong> F&#252;rchtet Euch nicht vor bl&#252;henden Mandelzweigen</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong> …..</strong></p>
<p>Morgensonne &#252;ber einem &#246;sterlichen Hinterhof in der Kleinen h&#228;&#223;lichen Stadt in Mittelhessen. Stille. Mahler hat Budnikowski das Schweigen schmackhaft gemacht. Keine Angst, nicht f&#252;r immer und ewig, aber daf&#252;r &#246;fters. Budnikowski hat Mahler zum Dank ein Gedicht geschenkt. Hat ein j&#252;discher Schriftsteller im Jahre 1942 verfa&#223;t. Budnikowski meint und da ist er – wir wollen ja nicht angeben mit fremder Lorbeere – in diesen Tagen auch nicht allein, es sei angemessen und sch&#246;n. Mahler freut sich dar&#252;ber und schweigt.</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><em> Das Zeichen</em></strong></p>
<p style="text-align: center"><em> Freunde, da&#223; der Mandelzweig</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Wieder bl&#252;ht und treibt,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Ist das nicht ein Fingerzeig,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Da&#223; die Liebe bleibt?</em></p>
<p style="text-align: center"><em> </em></p>
<p style="text-align: center"><em>Da&#223; das Leben weiter ging,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Soviel Blut auch schreit,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Achtet dieses nicht gering,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>In der tr&#252;bsten Zeit.</em></p>
<p style="text-align: center"><em> </em></p>
<p style="text-align: center"><em>Tausende zerstampft der Krieg,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Eine Welt vergeht.</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Doch des Lebens Bl&#252;tensieg</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Leicht im Winde weht.</em></p>
<p style="text-align: center"><em> </em></p>
<p style="text-align: center"><em>Freunde, da&#223; der Mandelzweig</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Sich in Bl&#252;ten wiegt,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Bleibe uns ein Fingerzeig,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Wie das Leben siegt.</em></p>
<p style="text-align: center"><em> (Schalom Ben-Chorin)</em></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>„Mahler, wir m&#252;ssen noch Frohe Ostern sagen! Also, falls wer guckt!“</p>
<p>„Genau, Budnikowski.. Sagen wir Frohe Ostern, wenn wer guckt und man ist allein gar nicht so allein wie in den Massen!“</p>
<p>„Na ja, Sie waren ja schon immer der Solit&#228;rit&#228;t zugeneigt!“</p>
<p>„Zwei Buchstaben ausgetauscht und wir n&#228;hern uns dem Gebot der Stunde!“</p>
<p>„Ah, das Osterpreisr&#228;tsel! Was gibt es zu gewinnen!“</p>
<p>„Der Herr ist auferstanden!“</p>
<p>„Quatsch, wenn ich den B&#228;ren korrigieren darf. Der liegt noch oben und schl&#228;ft.“</p>
<p>„H&#228;retiker. So sagt man an Ostern. Der Eine: ‚Der Herr ist auferstanden.&#8217; Die Antwort sei: ‚Er ist wahrhaftig auferstanden.’ Ich beginne also: Der Herr ist auferstanden!’“</p>
<p>„Wenn es der Wahrheitsfindung dient: ‚Er ist wahrhaftig auferstanden!’ Zufrieden?“</p>
<p style="text-align: left">„Wissen Sie, es schadet nicht, dies so zu sagen. Eher im Gegenteil. F&#252;rchte Dich nicht!“<strong> </strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10853" title="engel34" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel34.jpg" alt="engel34" width="515" height="182" /><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Vorletzte Fragen in diesen Tagen / F&#252;nfzehn</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Apr 2020 20:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorletzte Fragen]]></category>

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		<description><![CDATA[
…..
„Eloi, Eloi! Lama sabachthani!”
…..
Kurpark Bad Salzhausen bei Nidda. Ein paar Runden gedreht. Lesesaal. Einer liest. Raus. Leere Wege. Gradierwerk. Zwei Handwerker. Weiter. Solequelle. Lithiumquelle. Trinken. Weiter. Man bleibt alleine. Stille. Schlie&#223;lich die Trinkkuranlage mit kleinem Konzertsaal. Leere St&#252;hle. Verwaist. Der Klavierdeckel abgeschlossen. Archibald Mahler schaukelt auf einer Absperrkette. Komplett aufrechtgeherfreie R&#228;ume, welche auch auf absehbare [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10833" title="engel31" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel31.jpg" alt="engel31" width="515" height="257" /></strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>„Eloi, Eloi! Lama sabachthani!”</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>Kurpark Bad Salzhausen bei Nidda. Ein paar Runden gedreht. Lesesaal. Einer liest. Raus. Leere Wege. Gradierwerk. Zwei Handwerker. Weiter. Solequelle. Lithiumquelle. Trinken. Weiter. Man bleibt alleine. Stille. Schlie&#223;lich die Trinkkuranlage mit kleinem Konzertsaal. Leere St&#252;hle. Verwaist. Der Klavierdeckel abgeschlossen. Archibald Mahler schaukelt auf einer Absperrkette. Komplett aufrechtgeherfreie R&#228;ume, welche auch auf absehbare Zeit aufrechtgeherfrei bleiben werden, der B&#228;r hat nicht so viele Einw&#228;nde. Da b&#228;rt ihm … &#228;hem … schwant – soweit dies B&#228;ren  m&#246;glich – ihm etwas. Dem Ehrenwerten Ernst Albert ist es derweil schlecht geworden und dies nicht vom reichlich genossenen Heilwasser. Bla&#223; schaut er aus seinem eigentlich gut erholten Antlitz auf die leere B&#252;hne.</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>„Weia, lieber hochgeehrter Ernst Albert! Da war ich wohl etwas unsensibel!“</p>
<p>„Ach, mein Guter, mach Dir kein Kopp. Von den M&#252;hen der Musentempelei wissen eh die wenigsten. Doch das hier, so ohne Zuschauer, das riecht nach Zwangsverrentung.“</p>
<p>„Und das wird dauern?“</p>
<p>„Quarant&#228;ne kommt vom lateinischen <em>quadraginta</em> sprich vierzig. Vierzig Tage lang wurden in Zeiten der Pest Reisende und Schiffe von allen anderen ferngehalten. Die Fastenzeit dauert &#252;brigens ebenso vierzig Tage.“</p>
<p>„Also ist an Ostern alles vorbei!“</p>
<p>„Eher nicht! Und schon gar nicht f&#252;r mein Gewerbe und die Musikanten. Aber ohne Publikum sind wir These und tote Idee.“</p>
<p>„Ich will jetzt nicht schlaub&#228;ren, aber kommt Quarant&#228;ne nicht auch von <em>kontumaz</em>, was da bedeutet Trotz oder Unbeugsamkeit? So nannten die &#214;sterreicher den Wegschlu&#223; mal!“</p>
<p>„Da m&#246;ge Gott f&#252;r sorgen, da&#223; R&#252;ckgrat und Seele unbeugsam den Widrigkeiten trotzen!“</p>
<p>„Ich will jetzt ganz schnell nach Hause!“</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>Nachdenkliche R&#252;ckfahrt. Ein Schweigen, welches knirscht. Zuhause angekommen ein kurze und liebevolle Begr&#252;&#223;ung. Das mit dem Reden geht noch nicht so locker von der Zunge, zumindest beim Ehrenwerten Musentempler. Er mu&#223; noch eine Runde drehen, drau&#223;en an der &#252;bervollen Lahn. Bis solche Fluten sich verlaufen haben, dies wird dauern, davon ist auszugehen und so spuckt er dreimal von der Br&#252;cke, auf der er das tobende Wasser &#252;berquert. Ein vorl&#228;ufig letztes TOITOITOI. Gut in Engelthal gewesen zu sein. Als h&#228;tte man etwas geahnt. Die Stille halten und stillehalten die n&#228;chsten Wochen. Und gewi&#223; kein Katastrophentagebuch schreiben, weder gefragt, noch ungefragt. Eitle Befindlichkeitseintr&#228;ge ins virtuelle Poesiealbum sind nicht Aufgabe und Herausforderung dieser Tage. Man sollte das Ganze nicht aus dem Blick verlieren. Danke, lieber <a href="https://www.rowohlt.de/news/schreiben-in-zeiten-von-corona-friedrich-christian-delius" target="_blank"><strong>F.C. Delius</strong></a>. Dann trottet er nach Hause. Es gibt zu tun.</p>
<p>Archibald Mahler sitzt auf dem roten Sofa und zeigt dem Gef&#228;hrten Kuno Budnikowski die Fotos, die in den letzten Tagen geschossen wurden. Die wunderbare Frau Pelagia bereitet ein Abendbrot.</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>„B&#228;r, ich wu&#223;te gar nicht, da&#223; Du den Fotoapparat bedienen kannst!“</p>
<p>„Na ja, so helle bin ich schon. Und der Budnikowski hat mir geholfen mit den kleineren Pfoten!“</p>
<p>„Genehmigt. Da liegen ja ein paar sch&#246;ne Geschichten rum!“</p>
<p>„M&#252;ssen wir jetzt Tagebuch machen?“</p>
<p>„Gott bewahre! Lediglich berichten von der Zeit davor.“</p>
<p>„Das ist gut. Und jetzt habe ich Hunger!“</p>
<p>„Wei&#223;t Du, was ich eben auf den Weg nach Hause aufgeschnappt habe?“</p>
<p>„Sagen Sie!“</p>
<p>„Da sagt doch einer zu einer: ’Letzten Monat, als die Welt noch in Ordnung war!’ Wo lebt der?“</p>
<p>„Die normale Hybris der egomanen Aufrechtgeher! Weia!“</p>
<p>„So ist das wohl. Jetzt habe ich auch Hunger!“</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10834" title="engel32" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel32.jpg" alt="engel32" width="515" height="240" /><br />
</strong></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Vorletzte Fragen in diesen Tagen / Vierzehn</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Apr 2020 18:43:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorletzte Fragen]]></category>

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		<description><![CDATA[
…..
 Solange der Krug zum Brunnen geht, zieht der Kelch nicht vor&#252;ber
…..
Heute blicken wir – am Karfreitag des Jahres 2020, der ein Karfreitag ist, wie ihn gro&#223;e Teile der Welt so noch nicht erlebt haben – zur&#252;ck auf den Freitag vor vier Wochen, welcher ein dreizehnter war. Weder Archibald Mahler noch der Ehrenwerte Ernst Albert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10828" title="engel29" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel29.jpg" alt="engel29" width="515" height="273" /></strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong> Solange der Krug zum Brunnen geht, zieht der Kelch nicht vor&#252;ber</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>Heute blicken wir – am Karfreitag des Jahres 2020, der ein Karfreitag ist, wie ihn gro&#223;e Teile der Welt so noch nicht erlebt haben – zur&#252;ck auf den Freitag vor vier Wochen, welcher ein dreizehnter war. Weder Archibald Mahler noch der Ehrenwerte Ernst Albert neigen zu irgendwelchen Spielarten des Aberglaubens, jedoch im Blick zur&#252;ck – will man es unbedingt – gr&#252;&#223;t das ein oder andere Zeichen. Vor allem, wenn man eine ganze Zeit lang schweigend in sich oder zum Himmel geblickt hat.</p>
<p>Trotz des Verzichts auf &#252;berm&#228;&#223;ige Eile und inklusive nachdenklichem Zwischenstopp auf der Bank &#252;ber dem Misthaufen war noch ausreichend Zeit bis zur Abfahrt des Zuges einen Blick auf die &#252;berflutete Aue bei Altenstadt – H&#246;chst <em>(anvisierter Haltepunkt der Bummelbahn)</em> zu werfen. Ein Fl&#252;&#223;chen von bestenfalls zwei Metern Breite hatte einen kilometerlangen See zustande gebracht. Einsam sa&#223; ein Storchenpaar auf seinem Pfahl mit Plattform im Nest, zu zweit und mit Gelege und blickte etwas verwirrt in die Fluten zu seinen F&#252;&#223;en. Ob da mal ein Frosch vorbei schwimmt? Oder sollte man besser auf Ente umschulen? Der Zug jedenfalls wurde erreicht. F&#252;r einen Freitagnachmittag recht leer.</p>
<p>Umsteigen Richtung Kleine h&#228;&#223;liche Stadt in Mittelhessen mu&#223;te man in Glauburg – Stockheim. L&#228;ngerer Aufenthalt. Wie auf der Hinfahrt wurde die Zeit genutzt in einer nahen Supermarktkettenb&#228;ckerei Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen. Und siehe das Land – bis unl&#228;ngst milde und erhaben &#252;ber die Nachbarn l&#228;chelnd – war dabei sich auf den Kopf zu stellen. Was vor etwas mehr als einer Woche, als man in Engelthal ankam, noch achselzuckend oder ungl&#228;ubig bis hochn&#228;sig als kleine Irritation betrachtet wurde – auch die zwei Pilger machen sich von dieser Sichtweise nicht frei – nun wuchs es sich aus zu einer Flut. Dieser Kelch zog nicht vor&#252;ber und war auch nicht bestechlich. Die ausgerufenen Parolen lauteten: Bleibt in Euren Nestern, mit oder ohne Gelege. Die Fr&#246;sche sind vergiftet.</p>
<p>Als man wieder auf dem Bahnsteig stand fiel auf, da&#223; die Bahnhofsuhr stehengeblieben war. Sechs Uhr? Morgens? Es f&#228;ngt alles erst an. Oder sechs Uhr Abends? Dunkelheit ante portas? Bereitet Euch auf einen langen Schlaf vor. Eine seltsame, nicht unangenehme Stille machte sich breit. Die Furcht hielt sich noch bedeckt. Die wenigen Menschen, denen man begegnete, blickten ungl&#228;ubig.</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>„Tja, Herr Ernst Albert. Das kommt davon, wenn man &#252;ber eine Woche lang keine Zeitung anfa&#223;t!“</p>
<p>„Wir h&#228;tten es auch nicht aufgehalten, indem wir davon gelesen h&#228;tten!“</p>
<p>„Aber Stille konnten wir doch &#252;ben die Tage.“</p>
<p>„Und mit sich selber sein wohl auch. Und um Hilfe bitten vielleicht.“</p>
<p>„Was machen wir jetzt?“</p>
<p>„Noch einen Spaziergang ohne Auflagen!“</p>
<p style="text-align: center"><strong> …..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10827" title="engel30" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel30.jpg" alt="engel30" width="515" height="247" /><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Vorletzte Fragen in diesen Tagen / Dreizehn</title>
		<link>http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/2020/04/07/vorletzte-fragen-in-diesen-tagen-dreizehn/</link>
		<comments>http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/2020/04/07/vorletzte-fragen-in-diesen-tagen-dreizehn/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2020 19:28:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorletzte Fragen]]></category>

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		<description><![CDATA[
…..
Es f&#228;hrt kein Zug ins Irgendwo und der ewige Misthaufen duftet
…..
„Man mu&#223; den Zug nicht nehmen. Mu&#223; man den Zug nehmen, den man nehmen sollte? Ist es entscheidend, ob ein Zug irgendwo hin f&#228;hrt oder ob er weg f&#228;hrt? Wer f&#228;llt die Entscheidung? Ein jeder Zug f&#228;hrt ab, also von irgendwo weg. Mu&#223; er ja, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10817" title="engel27" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel271.jpg" alt="engel27" width="515" height="265" /></strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>Es f&#228;hrt kein Zug ins Irgendwo und der ewige Misthaufen duftet</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p><em>„Man mu&#223; den Zug nicht nehmen. Mu&#223; man den Zug nehmen, den man nehmen sollte? Ist es entscheidend, ob ein Zug irgendwo hin f&#228;hrt oder ob er weg f&#228;hrt? Wer f&#228;llt die Entscheidung? Ein jeder Zug f&#228;hrt ab, also von irgendwo weg. Mu&#223; er ja, um irgendwo hin zu gelangen. Also gibt es keine Nur–Hin – bzw keine Nur–Weg–Z&#252;ge. Demnach existieren vorrangig Beides- oder Sowohl-als-auch–Z&#252;ge. Wenn man genauer hinschauen mag, sind dann die Hin–Z&#252;ge Sollz&#252;ge und Weg–Z&#252;ge Wollensz&#252;ge? Oder umgekehrt? Es wird immer was aufgegeben – nicht nur Gep&#228;ck – bei einem HIN und gerne was gewonnen dann. Aber wer sagt, da&#223; im Wegfahren &#252;berhaupt ein gr&#246;&#223;erer Gewinn verborgen liegt? Was geht verlustig? Also – stop mal – schlu&#223;folgert man nun der Weg–Zug ist eher der Sollzug, der Hin-Zug der Wollenszug? Soll man das so wollen? Oder? Ich wei&#223; nicht!“</em> Dachte Archibald Mahler in der Reisetasche des Ehrenwerten Ernst Albert und dies recht laut. Und unruhig.</p>
<p>Man mu&#223; auch nicht, bedr&#252;ckt einen etwas, damit das Gegen&#252;ber eins zu eins – wie es so nett im K&#252;chenschypsologielatein hei&#223;t – „konfrontieren“. Da ist manchmal eine ausschweifende Kummerumgehungsstrasse nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten. Grundvoraussetzung der, die oder das Gegen&#252;ber verf&#252;gt &#252;ber ein Mindestma&#223; an Emphatie und man kennt sich. Ein bisserl zumindest. L&#228;nger ist besser. Also sch&#252;ttelt der Ehrenwerte Ernst Albert wohlwollend den Kopp angesichts der doch etwas wirren Gedankenwolke, die zwischen den Zacken des Rei&#223;verschlusses seiner Reisetasche hervorquillt. Er steuert die n&#228;chste Bank an, eben jene auf der man am Tag der Anreise das erste Mal die Turmspitze des Klosters erblickt hatte. Leider durfte man die Kirche in der letzten Woche nicht betreten, sie wurde renoviert, aber auf Postkarten konnte  man eine sehr sch&#246;ne Orgel und ein beeindruckendes Kirchenschiff bewundern. Der B&#228;r wurde aus der Tasche befreit, da dem Taschentr&#228;ger klar war, den kleinen Gef&#228;hrten bedr&#252;ckt etwas oder sagen wir, etwas treibt ihn um, und zwar heftig.</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>„B&#228;r, Butter bei die Lachse! Was ist los?“</p>
<p>„Sehr geehrter Ehrenwerter Herr Albert! Keine f&#252;nfzehn Minuten haben wir die Klosterpforte hinter uns gelassen und schon brechen Sie das Schweigen und beflei&#223;igen sich eines – na ja – mir etwas fragw&#252;rdig anmutenden Jargons!“</p>
<p>„Verzeihung, mein lieber Archibald Mahler. Gut: was dr&#252;ckt aufs Gem&#252;t, was treibt um? Du hast so laut und wild gedacht, da&#223; die V&#246;gel verwirrt ihr Gepiepse und Gesinge eingestellt haben, um Dir folgen zu k&#246;nnen. Kurz und knapp: M&#246;chtest Du die Z&#252;ge verpassen, um hier zu bleiben?“</p>
<p>„Ja. Nein, das nicht… &#196;h! Na ja!“</p>
<p>„Ja was nun? Wir sollten und wollten den Zug schon kriegen, den wir anvisiert hatten!“</p>
<p>„Aber, also, da vorne, am Weg, der Misthaufen. Der ist immer noch da und wir wollen doch so lange, bis der nicht mehr …“</p>
<p>„Mein Bester, den Misthaufen k&#246;nnen nicht mal tausend Benediktinerinnen wegbeten. Und darum geht es auch nicht. Gehen wir an dem Ding vorbei und schnuppern, ob er inzwischen nach Veilchen duftet! Oder frischen Brot!“</p>
<p>„Jetzt sind Sie genau wirr im Kopp wie ich. Das mit den Veilchen ist Bl&#246;dsinn. Und so ein Brot wollen Sie bestimmt nicht essen!“</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>Aufbruch und Beschleunigung des Schrittes, dezent nur, das Wandertempo weiterhin gemach. Man passierte den Misthaufen. Nach Veilchen duftete er nun wirklich nicht, die Fr&#252;hlingssonne lie&#223; den Haufen dampfen und sein olfaktorisches Alleinstellungsmerkmal wehte den zwei Pilger in die Nase, jedoch Archibald Mahler, ausgestattet mit einer feinen und vorausschauenden B&#228;rennase vermeinte, nein, war sich sicher frisches Brot zu riechen, gebacken aus dem Weizen oder Roggen oder Dinkel, der bald auf dem mit Mist durcheggten Feldern ringsumher geerntet werden w&#252;rde. Und dann roch er noch Maisfladen, Sonnenblumen, bl&#252;henden Klee und Haferbrei mit Honig.</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>„Herr Ernst Albert?“</p>
<p>„Ja?“</p>
<p>„Ich verstehe! Die letzte Woche! Ich begreife ein bi&#223;chen was!“</p>
<p>„Ich hoffentlich auch!“</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10816" title="engel28" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel28.jpg" alt="engel28" width="515" height="256" /><br />
</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Vorletzte Fragen in diesen Tagen / Zw&#246;lf</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2020 08:31:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorletzte Fragen]]></category>

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		<description><![CDATA[
…..
Das Nichtvorhandene und was durchaus sein k&#246;nnte
…..
Der B&#228;r sa&#223; am letzten, dem Abreisetag, noch mal im Engelthaler Forst. In Blumen. Er mu&#223;te an den gro&#223;artigen B&#228;ren, der nicht da war denken, jener aus dem gleichnamigen Bilderbuch von Oren Lavie, als er den Reflex unterdr&#252;ckte, die Schneegl&#246;ckchen, die ihn umgaben, zu z&#228;hlen. „Es ist besser, Blumen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><img class="alignnone size-full wp-image-10805" title="engel25a" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel25a.jpg" alt="engel25a" width="515" height="199" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>Das Nichtvorhandene und was durchaus sein k&#246;nnte</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>Der B&#228;r sa&#223; am letzten, dem Abreisetag, noch mal im Engelthaler Forst. In Blumen. Er mu&#223;te an den gro&#223;artigen <em>B&#228;ren, der nicht da war</em> denken, jener aus dem gleichnamigen Bilderbuch von Oren Lavie, als er den Reflex unterdr&#252;ckte, die Schneegl&#246;ckchen, die ihn umgaben, zu z&#228;hlen. <em>„Es ist besser, Blumen zu riechen, als sie zu z&#228;hlen. Blumen sind sch&#246;ner, als sie 38 sind.“</em> Dieser Gedanke machte ihn froh in der Morgensonne und er sortierte ihn in seinen Gedankenschrank ein und f&#252;gte f&#252;r sich hinzu: „Heute bin ich ein gl&#252;cklicher B&#228;r. Danke sch&#246;n aber auch.“</p>
<p>Der vorletzte Tag war schnell vergangen. Archibald Mahler hatte einen Brief geschrieben. Der Ehrenwerte Ernst Albert hatte Laudes, Eucharistie, None, Vesper und Komplet besucht, beobachtend, fremd, sich jedoch nicht fremd f&#252;hlend, sondern willkommen, aber nicht bedr&#228;ngt. Manche Worte hat er mitgemurmelt, manches war ihm seltsam, erschreckte ihn, mal weil es f&#252;rchterlich fern, mal weil es erstaunlich nah. Und sonst schwieg er mit Freude. Ein Psalmwort blieb ihm den ganzen Tag &#252;ber im Kopf und er dachte es laut vor sich hin, als er den Brief seines B&#228;ren zum Briefkasten drau&#223;en vor dem Klostertor trug. Man m&#246;ge, lauteten die Worte, nie vergessen, da&#223; des Menschen Tage wie Gras seien, und da&#223; man, wenn der Wind &#252;ber das Gras gegangen, nicht mehr wisse, wo man einst gestanden, wo die St&#228;tte des eigenen Wirkens gewesen war. Und ihm kam der letzte Sommer in HOYWOY in den Sinn, als er auf der Terasse der dortigen Pension Mark vom Gras sang, welches immer wieder w&#228;chst, wild und hoch und gr&#252;n, bis die Sensen ohne Ha&#223; ihre Kreise zieh’n, dieses tr&#246;stende Hoffnungslied des Gundermann, den mit jungen dreiundvierzig Jahren der <em>mortem suspectam</em> ereilt hatte. Dies die Botschaft der Psalmworte:  man m&#246;ge nie vergessen, vorausschauend und gl&#228;ubig, sich &#252;ber den eigenen hysterischen Tellerrand erhebend, da&#223; des Sensenmannes vornehmste Eigenschaft ist, unerwartet zu ernten. Wie sagt man in der Gegend, in welcher er aufgewachsen war?</p>
<p style="text-align: center"><strong>&#8230;..</strong></p>
<p style="text-align: center"><em>„Mr hodz it leicht, aber leicht hodz ein!“</em></p>
<p style="text-align: center"><strong>&#8230;..</strong></p>
<p>Ein kalter Wind hatte in der Nacht den Himmel gehoben, die niedrig dahinziehenden, nassen Wolken verjagt, die Sterne heller denn je funkeln lassen.  Der Ernst Albert sa&#223; auf der Bank am Waldesrand, Archibald Mahler in den Schneegl&#246;ckchen. Man blickte hinab ins Tal. &#220;berflutete Auen, ein Nahverkehrszug Richtung Heimat rauschte vorbei, vereinzelt Autos auf der Bundesstrasse da unten im Tal. Ein Hauch von Angst hatte die zwei Gelegenheitspilger ergriffen, mu&#223;te man nun doch diese stille, freundliche Insel verlassen und wieder hinaus ins Meer der Hektik, des Gel&#228;rmes und der Geschafftelhuberei.  Was aber w&#252;rde man mitnehmen von der Insel, was w&#252;rde Bestand haben?</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>„Herr Ernst Albert? Wir m&#252;ssen gleich, gell!“</p>
<p>„Scheint so! Ein, zwei Min&#252;tchen noch!“</p>
<p>„Und was nehmen wir mit von hier?“</p>
<p>„Ein Glas Erdbeermarmelade mit gr&#252;nen Pfeffer und eine Seife, die nach Zitronengras riecht. Beides aus dem Klosterladen und beides f&#252;r die Wunderbare Pelagia!“ <em>(Ja, ja lieber S&#228;zzer! Wird auch bald erkl&#228;rt!)</em></p>
<p>„Und sonst noch?“</p>
<p>„Tja, das werden wir sehen, was wir in den Alltag r&#252;ber zu tragen verm&#246;gen. Was da weiter atmen mag!“</p>
<p>„In ein paar Tagen baut man nicht den ganzen Tempel, geschweige denn inklusive B&#228;rleuchtung!“</p>
<p>„So ist es! Nicht zu schnell nach dem Erhabenen greifen! Das Gew&#246;hnliche suchen, nicht die Sensation! Wer das Gef&#252;hl hat, endlich wieder etwas freier atmen zu k&#246;nnen, soll nicht so tun, als habe er eben das Atmen erfunden!“</p>
<p>„Gestern haben Sie mir eine sch&#246;ne Gute Nacht – Geschichte vorgelesen von diesem portugiesischen Buchhalter!“</p>
<p>„Der gute alte Fernando Pessoa! <em>Das Buch der Unruhe!</em>“</p>
<p>„Ich wurde aber ganz ruhig und mu&#223;te, um einzuschlafen, keine Blumen mehr z&#228;hlen. Vor allem der letzte Satz.“</p>
<p style="text-align: left"><em>„Ich schlafe, wenn ich vom Nichtvorhandenen tr&#228;umte; ich erwache, wenn ich von dem tr&#228;ume, was durchaus sein k&#246;nnte.“</em></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p>Dann schulterte der Ehrenwerte die Tasche inklusive Archibald Mahler. Man ging, wie so oft die letzten, guten Tage am Gekreuzigten vorbei. Man hielt inne, beugte das Haupt, nicht so tief und lange, wie die Schwestern in Engelthal dies tagt&#228;glich, Jahr um Jahr tun, aber immerhin. Man kann sich auch mit kurzem Arm bekreuzigen.</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10804" title="engel26" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel26.jpg" alt="engel26" width="515" height="274" /><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Vorletzte Fragen in diesen Tagen / Elf</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Apr 2020 21:31:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorletzte Fragen]]></category>

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		<description><![CDATA[
…..
Sehr geehrter Freund Herr Kuno Budnikowski von und zu Datteln!
Verzeihen Sie die etwas f&#246;rmliche Anrede, aber ich schweige dieser Tage zumeist und so schreibe ich Ihnen, um etwas zu sagen zu k&#246;nnen ohne zu reden und dies will ich gewissenhaft tun. So ein Kloster ist ein freundlicher Ort und so eine Stille sollten Sie mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10789" title="engel23" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel23.jpg" alt="engel23" width="515" height="276" /></strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><em><strong>Sehr geehrter Freund Herr Kuno Budnikowski von und zu Datteln!</strong></em></p>
<p>Verzeihen Sie die etwas f&#246;rmliche Anrede, aber ich schweige dieser Tage zumeist und so schreibe ich Ihnen, um etwas zu sagen zu k&#246;nnen ohne zu reden und dies will ich gewissenhaft tun. So ein Kloster ist ein freundlicher Ort und so eine Stille sollten Sie mal h&#246;ren. Die Schwestern hier sind vom Orden der Benediktiner. Ich glaube, die haben die strengsten Regeln aller Kl&#246;ster. Braucht man wohl, wenn man sein ganzes Leben zusammen verbringen mu&#223;. Hier will man das. M&#252;ssen Sie sich vorstellen, man kommt hierher, wei&#223;, wird man aufgenommen, man verl&#228;&#223;t den Ort nie mehr und, wenn es soweit ist, stirbt man hier. In Frieden. Vielleicht daher die Freundlichkeit. Ich erlebe hier Dinge, die mir neu sind oder ich habe sie vergessen gehabt und es ist nicht einfach diese zu erkl&#228;ren. Da bleibt nur &#220;berschwenglichkeit oder Schweigen. Gut ist auch, die Tage vergehen ohne Fernsehen, Radio, Mobilfunkapparate und noch nicht mal Zeitung. Man k&#246;nnte das haben, wenn man wollte, das ist Bestandteil der Freundlichkeit, aber der Ehrenwerte E. A. und ich wir lassen das mal. Sonst br&#228;uchten wir auch nicht hier zu sein. Dadurch sind die Uhren zeigerlos und wir wissen nicht, was geschieht drau&#223;en in der Welt vor den Klostermauern  und sonst sind wir meist im Wald unterwegs. Manchmal, erz&#228;hlt der Ehrenwerte E. A.,  l&#228;ge die FAZ vom Vortag neben dem Altpapier. Er schaue aber dran vorbei. Au&#223;erdem regnet es jeden Tag und das Tal unten steht schon unter Wasser. Jetzt l&#228;uten die Glocken zum Komplet. Da will ich auch mit dem Stift schweigen. Morgen bringt der E. A. den Brief zum Briefkasten links neben der Klosterpforte. F&#252;r mich h&#228;ngt der zu hoch.</p>
<p style="text-align: center">Gott mit Ihnen und bis bald!</p>
<p style="text-align: center"><em><strong>Ihr Archibald Mahler, B&#228;r die Tage in Engelthal</strong></em></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10788" title="engel24" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel24.jpg" alt="engel24" width="515" height="209" /><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Vorletzte Fragen in diesen Tagen / Zehn</title>
		<link>http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/2020/04/03/vorletzte-fragen-in-diesen-tagen-zehn/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Apr 2020 08:49:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorletzte Fragen]]></category>

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		<description><![CDATA[
…..
 Von der Notwendigkeit, keinem Zufall und den Widerspr&#252;chen
 …..
„Gott hat keine Religion!“ Dies habe ein Pfarrer mal zum k&#252;rzlich hier zitierten Imre Kertesz gesagt. „Weil Du mich gesehen hast, Thomas, glaubst Du! Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Spricht in der Bibel Jesus Christus zu einem der J&#252;nger. Und von Marcel Duchamp [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10782" title="engel21" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel21.jpg" alt="engel21" width="515" height="221" /></strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong> Von der Notwendigkeit, keinem Zufall und den Widerspr&#252;chen</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong> …..</strong></p>
<p><em>„Gott hat keine Religion!“</em> Dies habe ein Pfarrer mal zum k&#252;rzlich hier zitierten Imre Kertesz gesagt. <em>„Weil Du mich gesehen hast, Thomas, glaubst Du! Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“</em> Spricht in der Bibel Jesus Christus zu einem der J&#252;nger. Und von Marcel Duchamp stammt das wunderbar verwirrende und Wahrheit transportierende Zitat:<em> „Es gibt keine L&#246;sung, denn es gibt kein Problem!“</em></p>
<p>Archibald Mahler, B&#228;r tief im Wald nah dem Kloster Engelthal, fehlten die Worte. Zu denken hatte er nicht aufgeh&#246;rt, im Gegenteil im Kopp summte und brummte es wie tausend Hummeln auf Captagon. Dennoch, die tiefe Wortlosigkeit war ihm willkommen. Sie war ihm nicht Manko, Verlust, Beunruhigung, sondern erf&#252;llend. Er ahnte eines Tages werde er in der Lage sein diese Wortlosigkeit zur Sprache zu bringen. Heute jedoch nie und nimmer. Wann dann, darauf verschwendete er keinen Gedanken. War eh kein Platz im Summ – und Brummsch&#228;del. Dieses Verstummen war kein pl&#246;tzliches, beispielsweise auf Grund eines Schocks, Traumas oder zwecks Erf&#252;llung eines Gel&#252;bdes. Diese Stummheit war ein solche, die jedem Sprechen vorausgeht, zumindest sollte, will das Sprechen von Bedeutung sein. Was also war geschehen?</p>
<p>Da war dieser alte Steinbruch. Da lagen diese gro&#223;en, runden, bemoosten Felsen. Waren sie vor ewigen Zeiten den steilen Abhang hinuntergerollt? Hatte ein Riese, &#252;bermutig seine grenzenlosen Kr&#228;fte austestend, mit ihnen um sich geworfen? B&#228;ume lagen kreuz und quer. Keine V&#246;gel zu h&#246;ren, eine vibrierende Stille. Einer dieser Orte in dessen Unheimlichkeit ein mancher sich pl&#246;tzlich heimisch f&#252;hlt. So Archibald Mahler. Er hatte seine Wurzel noch nicht gekappt, sich bedingungslos dem Vorw&#228;rtshasten hingegeben. Was die V&#228;ter einst gesungen, auch wenn da mancher Mi&#223;ton mitschwang, klang noch in seinen Ohren und – ja – in seinem Herzen. Manchmal. Den V&#228;tern gegen&#252;ber ist man gerne ungerecht, mu&#223; gegen sie rebellieren, sie verleugnen, um eigene Leiden und Fehltritte zu rechtfertigen. Dann lausche man eben den Vorv&#228;tern, den auch die hatten S&#246;hne, die vor den V&#228;tern starben. Auch wenn dieser Ort schwieg, vordergr&#252;ndig, uralte Lieder rauschten in den Baumwipfeln. Zeilen jenseits der Erinnerung, doch irgendwo im B&#228;ren gesammelt, verrammelt meist, versammeln sie sich nun an diesem Ort zu einer Art Gebet. So wie die meisten Aufrechtgeher – selbst wenn sie ein Leben fern aller Transzendenz gef&#252;hrt haben – nicht ohne ein Zucken der Erinnerung am Gekreuzigten vorbeigehen k&#246;nnen. Vor allem wenn die N&#246;te der Angst nach ihnen greifen.</p>
<p>Welcher Zufall hatte den Ehrenwerten Ernst Albert und so auch den B&#228;ren hierher gef&#252;hrt? Die Notwendigkeit war es, da der Zufall keine Erkl&#228;rung f&#252;r eine Tat  ist. Kommt es da nicht auf das gleiche heraus, von einer Notwendigkeit zu sprechen, welche die Schritte an diesen Ort gelenkt hat? Archibald Mahler wollte bleiben. Nicht Erkenntnis zu suchen, nur schweigen, h&#246;ren, dasitzen, nichts wissen, atmen und sich ab und an am P&#246;ter kratzen. Dies mu&#223; ein B&#228;r selbst in Momenten gr&#246;&#223;ter Transzendenz einfach tun. Ansonsten gab es kein Problem zu bedenken, kein warum, weshalb, wohin, keine Beweisf&#252;hrung stand an, keine aufgeplusterte Erkl&#228;rung, vollkommen l&#246;sungsunorientiert streiften die Blicke umher, lauschte das Ohr dem eigenen Atem und jene ewigen Dilemmata der Entscheidungsfindungen l&#246;sten sich auf wie Flatulenzen in der lauen Fr&#252;hlingsluft.</p>
<p>Der Ehrenwerte Ernst Albert mutma&#223;te, da&#223; es sich bei diesem besonderen Flecken um eine uralte Kultst&#228;tte handelte, haben die Kelten in dieser Gegend doch massig Spuren hinterlassen. Oder hier haben die drei Hexen einen hessischen Macbeth abgefangen und ihm sein Herz mit allerlei wohlfeilen Versprechungen verdreht.   Vielleicht hat hier ein irischer M&#246;nch den Germanen ihre heilige Eiche gef&#228;llt und den Eid abgelegt, liefe ihm in den n&#228;chsten Stunden ein B&#228;r &#252;ber den Weg, den er erlegen und verspeisen konnte, auf diesen Felsen ein Kloster zu errichten. Man mu&#223; dies nicht wissen, man mag widerspr&#252;chliche Vermutungen anstellen und daran glauben.</p>
<p>„Mahler, mein B&#228;r! Wir m&#252;ssen leider aufbrechen!“</p>
<p>„Meister Albert, ich sage nur, da&#223; ich nun nichts mehr sage!“</p>
<p>„Gut! H&#246;r zu! Morgen werde ich Dich alleine lassen. Ich will, da ich schon hier bin, morgen die Einladung der Schwestern annehmen, an all ihren Zusammenk&#252;nften im Refektorium teilzunehmen. Und sonst schweigen!“</p>
<p>Archibald Mahler nickte zustimmend. Endlich h&#228;lt der auch mal die Klappe. Das pa&#223;te ihm in den Kram.</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10781" title="engel22" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/04/engel22.jpg" alt="engel22" width="515" height="246" /><br />
</strong></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Vorletzte Fragen in diesen Tagen / Neun</title>
		<link>http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/2020/03/31/vorletzte-fragen-in-diesen-tagen-neun/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2020 17:39:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorletzte Fragen]]></category>

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		<description><![CDATA[
…..
 Abbes Bein revisited. Beleidigte Komfortzone. Dankbarkeit.
 …..
Die Nacht war au&#223;erordentlich unruhig gewesen. Schlaf in Scheiben. Da das Zimmer Zwonullsieben unterm Dach lag, mit Fenster gen Westen, prasselte ohne Unterla&#223; der n&#228;chtliche Regensturm gegen die Behausung. Dazu die Reste des gestrigen Tages in den Klamotten und im Fell. Die lange Wanderung. Die Heimsuchungen des Lenz. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10762" title="engel19" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/03/engel19.jpg" alt="engel19" width="515" height="245" /></strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong> Abbes Bein revisited. Beleidigte Komfortzone. Dankbarkeit.</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong> …..</strong></p>
<p>Die Nacht war au&#223;erordentlich unruhig gewesen. Schlaf in Scheiben. Da das Zimmer Zwonullsieben unterm Dach lag, mit Fenster gen Westen, prasselte ohne Unterla&#223; der n&#228;chtliche Regensturm gegen die Behausung. Dazu die Reste des gestrigen Tages in den Klamotten und im Fell. Die lange Wanderung. Die Heimsuchungen des Lenz. Etliche Eindr&#252;cke. Pochende  Fragen. Der Zweifel. Das Hadern. Archibald Mahler, offenen Auges im D&#228;mmerschlaf auf seiner Fensterbank, sah wie der Regen immer neue Tropfengem&#228;lde auf das Fensterglas pinselte, wild, w&#252;tend fast, sich stetig ver&#228;ndernd. Aufschwellend, abschwellend das Prasseln, Trommeln, R&#252;tteln der B&#246;en und der B&#228;r wanderte in Trance durch seine rotierenden Nachtgedanken. Ach ja, man hatte gestern versprochen noch etwas zu erkl&#228;ren. Die Sache mit dem „Ehrenwerten“. Die Angelegenheit Dankbarkeit. Vernehmet: und so liegt Archibald Mahler wieder auf dem Brandplatz in der Kleinen h&#228;&#223;lichen Stadt, auf der Stra&#223;e, auf hei&#223;em Asphalt, in jenem Sommer vor f&#252;nfzehn Jahren, zerrissen, geteilt, sein rechtes Bein Meter und Meter von  ihm entfernt, ohne Schmerzen zwar war er, doch sehr verwirrt. Warum und woher das Ganze? Wer wollte ihm B&#246;ses? Wo waren die T&#228;ter, die Verursacher seiner momentan au&#223;erordentlich fragw&#252;rdigen Situation? Heranwankt kommt ein Mime, man packt  ihn, den B&#228;ren am Schlafittchen, ein ihm inzwischen wohlbekannter Zugriff, damals ein erstes Mal gesp&#252;rt. Was geschah gleich wieder vergessen in dieser gro&#223;en Verwirrtheit. Zur&#252;ckkehrte Erinnerung in jenem Moment, als er sich wiederfindet auf einem Nachttisch, sein abbes Bein in Griffweite an seine H&#252;fte gelehnt, jedoch noch nicht wieder mit ihm verbunden, neben ihm schnarcht ein Trunkener und den B&#228;ren durchstr&#246;mt neben der Hitze des &#252;berwundenen Schreckens und der Sommernacht ein ihm bis daher unbekanntes Gef&#252;hl. Und er tauft es Dankbarkeit und murmelt: „Das war schon aller Ehren wert, da&#223; der Aufrechtgeher mich nicht hat auf der Gass’ hat liegenlassen. Oder gar <em>(ihn schaudert nachtr&#228;glich)</em> entsorgt hat.“ Und da die Dankbarkeit f&#252;r einen B&#228;ren kein ein – oder ausschaltbares Eintagsfliegengef&#252;hl ist, darf sich bis zum heutigen Tag der Aufrechtgeher Ernst Albert mit dem Titel „Ehrenwerter“ schm&#252;cken.  Hat der Mahler entschieden und mu&#223; dabei an so etliche der hiesigen Aufrechtgeher denken, die das Schicksal seit f&#252;nfundsiebzig Jahren des Friedens mehr als pfleglich behandelt hat, die aber jede Begegnung mit dem Ungl&#252;ck als eine Art pers&#246;nliche Beleidigung betrachten, als seien sie aufs ewige Gl&#252;ck abonniert in ihrer Komfortzone. Sie f&#252;hlen sich unverwundbar und sind davon &#252;berzeugt sie seien als Kr&#246;nchen der Evolution von allen Zumutungen existentieller Umbr&#252;che und daraus resultierender M&#252;hen und &#220;berlebensk&#228;mpfe befreit. Dankbarkeit ist ihnen so fern wie der N&#228;chste und wesentliche &#196;u&#223;erung ist ihnen die t&#228;gliche Forderung, unbegr&#252;ndet meist und bei nicht sofort erfolgter Erf&#252;llung der Anspr&#252;che vom beleidigten Flunsch oder, schlimmer noch, blindem Umsichschlagen begleitet. Man mag nichts lernen aus dem Mi&#223;ratenen, Ungl&#252;ckseligem, Einbr&#252;chen, Ver&#228;nderungen kurz: dem Anderen. Die Abwesenheit aller G&#246;tter jenseits der G&#246;tzen des grandiosen Selbst. So  waren des Archibald Mahler Denkpfade in der st&#252;rmischen Nacht. Der schlaflose Ehrenwerte aber las und las.</p>
<p>Stunden sp&#228;ter und entschieden leichter sa&#223; man auf einer Bank am Waldesrand. Blickte hinab ins Tal der Nidder. Die Sonne schien auf den Pelz. Ein Regenschirm spannte sich &#252;ber das – kein Wunder – noch schl&#228;frige Haupt. Man war nach Laudes und Fr&#252;hst&#252;ck aufgebrochen. Weite Wege waren heute nicht vorgesehen. Der gestrige Tag steckte noch in den Oberschenkeln. Doch die erfuhren auch heute kaum Schonung. Man war aufgebrochen bei optimistischen Wolkenl&#252;cken. Nach wenigen Minuten war man jedoch, ordentlich durchn&#228;&#223;t, gezwungen umzukehren und einen in der Teek&#252;che vergessenen Regenschirm zu organisieren. Zweiter Versuch nun, dies kennt man ja, und seit einer Stunde schleppt man den Regenschirm durch eine sonnenbeschienene Landschaft. Von der Vorfr&#252;hlingssonne erfreut sa&#223; man schweigend und – ja! – dankbar daf&#252;r hier und heute hier und genauso eben hier und jetzt sein zu d&#252;rfen, denn Mutter Natur hatte einen Regenbogen &#252;ber das Tal gezaubert.  Sch&#246;n!</p>
<p>Das Schweigen w&#228;hrte eine lange Weile. Man dankte sogar f&#252;r die Langeweile. Sie war warm und begehrte nichts anderes als da zu sein. Dann begann der B&#228;r, in sich hineinblickend, aber doch wie aus sich herausgetreten leise vor sich hin zu sprechen. Mit wem redete er? Mit sich selbst? Jedenfalls nicht mit dem Ehrenwerten Ernst Albert. Mit wem dann?</p>
<p>„Mahler, mein B&#228;r, sag an, betest Du etwa?“</p>
<p>„Ich danke nach … &#228;hem … denke nach &#252;bers Danken. Denke ich!&#8221;</p>
<p>„Ist es dies nicht, was ich frage?“</p>
<p>„Dieser Regenbogen!“</p>
<p>„Ich wu&#223;te nicht, da&#223; B&#228;ren religi&#246;se Erlebnisse haben!“</p>
<p>„Wenn sie aber wollen! Und: Ist das nicht ein grunds&#228;tzliches Bed&#252;rfnis? Da brauch man an nichts zu glauben!“</p>
<p>„Auch nicht an Deine vielf&#228;ltigen B&#228;reng&#246;tter?“</p>
<p>„Ich wei&#223; nicht, ob oder wieviele es gibt, aber das ist Wurst wie Lachs. Was in mir ist, gibt es auch drau&#223;en in der Welt. Oder sonst wo. <em>Schlie&#223;lich m&#252;ssen wir ja irgend jemand Dank sagen f&#252;r unser Leben, auch dann, wenn zuf&#228;lligerweise niemand da ist, der diesen Dank entgegennehmen k&#246;nnte</em>!“</p>
<p>„Halt! Das kenne ich doch!“</p>
<p>„Das haben Sie mir heute Nacht vorgelesen, weil ich mehrmals  &#8216;Danke&#8217; gemurmelt habe im Traum!“</p>
<p>„Ach ja. Der Imre Kertesz! Dossier K.“</p>
<p>„Das habe ich mir gemerkt!“</p>
<p>„Und erinnerst Du Dich noch, was Du davor gerufen hast diese Nacht? ‚Vergi&#223; nicht mein Abbes Bein! Vergi&#223; es nicht!’ Herzzerrei&#223;end laut!“</p>
<p>„Das habe ich vergessen!“</p>
<p>„Komm mit, ich zeig Dir was!“</p>
<p style="text-align: center"><strong>&#8230;..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10761" title="engel20" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/03/engel20.jpg" alt="engel20" width="515" height="223" /></strong></p>
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		<title>Vorletzte Fragen in diesen Tagen / Acht</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2020 13:09:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorletzte Fragen]]></category>

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 Auf einer Bank sinnend keine voreiligen Schl&#252;sse
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Beginnen wir heute mit einem Kalenderspruch: „Die Orientierung verlieren, hei&#223;t ankommen!“ Vielleicht ist dieser Spruch einfach oberfl&#228;chlich und d&#228;mlich, wie etliche jener in den letzten Jahren zu B&#252;chern – schlimmer noch: Ratgebern – aufgequollenen Kalenderspr&#252;che, welche die Sachbuchhitlisten dummbatzig verstopfen. Eventuell aber lauert hinter den Worten ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10752" title="engel17" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/03/engel17.jpg" alt="engel17" width="515" height="255" /></strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong> Auf einer Bank sinnend keine voreiligen Schl&#252;sse</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong> …..</strong></p>
<p>Beginnen wir heute mit einem Kalenderspruch: „Die Orientierung verlieren, hei&#223;t ankommen!“ Vielleicht ist dieser Spruch einfach oberfl&#228;chlich und d&#228;mlich, wie etliche jener in den letzten Jahren zu B&#252;chern – schlimmer noch: Ratgebern – aufgequollenen Kalenderspr&#252;che, welche die Sachbuchhitlisten dummbatzig verstopfen. Eventuell aber lauert hinter den Worten ein weiterf&#252;hrender Gedanke. Doch dies ist aber hier im Wald – genauer am Rand des endlich durchquerten Forst &#8211; nicht die Frage. Archibald Mahler sa&#223; auf dieser Bank, von der man von einer kleinen Anh&#246;he aus das Kloster Engelthal &#252;berblicken konnte. Er war erleichtert, rechtschaffen m&#252;de, aber gewillt auf dem Wegeplan, den ihnen am Morgen eine der freundlichen Schwestern mitgegeben hatte, nachzuvollziehen, wo und wie sie denn in den letzten sechs Stunden gegangen waren. Es war nicht wirklich festzustellen, stellte man fest, da die auf der Karte eingezeichneten Pfade teils einfach nicht begehbar waren, der Ehrenwerte Ernst Albert also abk&#252;rzte, kreuz lief, quer stolperte gelegentlich, der richtigen Himmelsrichtung stets gewahr, sich so mancher Abhang, j&#228;her Grund oder &#252;berschwemmte Wiese in den Weg stellte, m&#252;hselig war es, aber den Trapper und Pfadfinder in ihm wachhaltend. Jedoch als der Himmel sich zusehends verfinsterte und im dichten Wald die letzten Reste des Tageslichts dahinschwanden, befiel den Wanderbeuteltr&#228;ger, und dies geschieht eher selten, ein Gef&#252;hl tiefer Verunsicherung, reden wir von Angst. Und hier schweigen wir von Talenten, F&#228;higkeiten, gegeben oder erworben, auf die man gerne stolz, manchmal sogar eitel damit prahlt. Ein l&#228;ngeres Innehalten, eine Bitte und so sa&#223; der Ernst Albert nun ebenso auf jener Bank, erleichtert und seltsam dankbar. Dem, da die Veperglocke erst in einer Stunde l&#228;uten w&#252;rde, galt es nachzusp&#252;ren.</p>
<p>Archibald Mahler steckte noch die Predigt des Lenz in den Knochen und Hirnwindungen, das Erschrecken &#252;ber die Unbedingtheit, den Wahn, die Ausweglosigkeit, den Fanatismus des getriebenen Poeten. Er dachte, da&#223; vielleicht ein Fanatismus des Antifanatismus ein probates Gegenmittel und seelenberuhigend sein k&#246;nnte. Und vielleicht sollte man die Demutsleiter nicht in einem solchen Affenzahn erklimmen. Gewi&#223;, es ist gut und richtig sich zum Dienen rufen zu lassen, einem Dienen, welches einem Gegen&#252;ber gilt und nicht den eigenen alten Wunden, den tats&#228;chlich oder eingebildet erlittenen Verletzungen und den daraus seltsamerweise abgeleiteten Anspr&#252;che an die Welt. Ja zu <em>Discretio</em>, <em>Stabilitas</em> und <em>Oboedientia</em>, aber mit ABER. Der B&#228;r dachte an Erz&#228;hlungen seiner Vorfahren aus dem fernen Wyoming oder dem wilden Kamschatka, da die dortigen Ureinwohner den Bison, den Wapiti, den Biber und den B&#228;r, den sie um zu &#252;berleben t&#246;ten mu&#223;ten, um Verzeihung baten und nach der Jagd ihren G&#246;ttern Opfer des Dankes brachten. Ein Art archaischer, dem „modernen“ Aufrechtgeher vollkommen fremder Gehorsam gegen&#252;ber bew&#228;hrten, freundlichen und lebenserhaltenden Vereinbarungen, oft nur noch geringsch&#228;tzig Regeln genannt. Es schadet nicht die Tatzen zu kreuzen vor dem Bi&#223; ins blutige Fleisch. Und dem Mahler auf der Bank &#252;ber dem Kloster schwante, da&#223; nichts schlimmer ist als die Tr&#228;gheit des Ungehorsams, geboren aus der Sucht sich t&#228;glich selbst r&#252;hmen zu m&#252;ssen und sogar in der Askese oder der Hingabe an die Fleischlosigkeit aller Art die Ma&#223;losigkeit und Einzigartigkeit zu suchen. Ist es nicht ganz anders begibt man ernsthaft sich auf eine Suche? Bleibt man nicht, solange man unterwegs ist immer Anf&#228;nger, Lernender, Zweifler, Haderer, einer der sich der Anfechtung stellt? Ein Glauben ist wohl keine Christbaumkugel, kein Handel, kein Abla&#223;, sondern stets und immer wieder – und da stockte ihm der Atem – der gro&#223;e KONTROLLVERLUST, den es anzunehmen gilt. Weia! F&#252;rchtet Euch nicht?</p>
<p>Die gro&#223;e innere Erregung des B&#228;ren war dem Ehrenwerten Ernst Albert <em>(„Warum eigentlich immer dieses Ehrenwert? Und auch noch gro&#223; geschrieben? Der S&#228;zzer. „Davon sp&#228;ter!“ sagt der B&#228;r)</em> nicht verborgen geblieben. Behutsam packte er den kleinen Genossen und setzte in in seine Jackentasche, da der Wanderbeutel nach K&#228;sebr&#246;tcheneinpackpapier m&#252;ffelte und einem hadernden Pilger auch ein etwas pers&#246;nlicherer Transport zusteht.</p>
<p>„Herr Ernst Albert?“</p>
<p>„Ja?“</p>
<p>„Glauben Sie, da&#223; wir manchmal, das was wir tun, gar nicht selber tun?“</p>
<p>„Du meinst, es gibt etwas, was uns ab und an lenkt und f&#252;hrt?“</p>
<p>„So &#228;hnlich h&#228;tte ich es fragen wollen!“</p>
<p>„Ich wei&#223; es nicht, m&#246;glich.“</p>
<p>„Also mich w&#252;rde das nicht st&#246;ren!“</p>
<p>Die Vesperglocke rief und es begann zu sch&#252;tten, aber richtig.</p>
<p style="text-align: center"><strong>&#8230;..</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10751" title="engel18" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/03/engel18.jpg" alt="engel18" width="515" height="274" /><br />
</strong></p>
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		<title>Vorletzte Fragen in diesen Tagen / Sieben</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Mar 2020 20:49:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorletzte Fragen]]></category>

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…..

Querung. Verstopfung. Ersch&#252;tterung.
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Sie mu&#223;ten die Landstra&#223;e von Altenstadt nach Florstadt queren, die Forst und Pilgerweg zerschnitt. Wie schnell man doch das unangenehme Gesumse und Gebrause  der Blechkisten vergessen kann. Wenige beschleunigte Schritte sp&#228;ter umfing die zwei Amateurpilger wieder die tiefe Stille des Waldes. Jedoch kam man, so schien es zumindest Archibald Mahler, nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10734" title="engel15" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/03/engel15.jpg" alt="engel15" width="515" height="310" /></strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>…..<br />
</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>Querung. Verstopfung. Ersch&#252;tterung.</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong> &#8230;..</strong></p>
<p>Sie mu&#223;ten die Landstra&#223;e von Altenstadt nach Florstadt queren, die Forst und Pilgerweg zerschnitt. Wie schnell man doch das unangenehme Gesumse und Gebrause  der Blechkisten vergessen kann. Wenige beschleunigte Schritte sp&#228;ter umfing die zwei Amateurpilger wieder die tiefe Stille des Waldes. Jedoch kam man, so schien es zumindest Archibald Mahler, nicht so recht voran. Ursache daf&#252;r diesmal nicht der Zustand der Wege, sondern der – sagen wir – k&#252;chenpsychologisch angehauchte Spieltrieb des Ehrenwerten Ernst Albert. Der ergiebige Regen der letzten Tage und Wochen hatte etliche neue Rinnsale, B&#228;che und T&#252;mpel geschaffen, einige davon jedoch gestaut, gebremst, verstopft von Blattwerk, &#196;sten, Steinen oder aufgeschwemmten Erdreich. Ein paar feste Tritte oder mit einem dicken Stock dazwischen gefahren und das Wasser flo&#223;, suchte sich neue Wege oder spendete einem tr&#228;ge dahin flie&#223;enden Rinnsal neue Kraft, neuen Schwung. Ein altes Spiel, welches Ernst Albert als Bub mit Vater und Bruder auf zahlreichen Bergwanderungen gerne spielte. Staud&#228;mme bauen und sie dann – Einziger Zweck der M&#252;he? – wieder zerst&#246;ren und sehen, wie das freigesetzte Wasser glucksend und brausend die Verstopfung beendet. Erst Einsperren und daraufhin den Befreier geben. Nicht des B&#228;ren Ding. Er mahnte und trieb an.</p>
<p>Es h&#228;uften sich nun Hinweistafeln, oft schon bemoost, br&#252;chig, die Beschriftung kaum noch zu lesen, die auf das Ziel der Wanderung hinwiesen. Pl&#246;tzlich und unerwartet linkerhand eine Abzweigung, im Sommer angesichts dichten Blattwerks w&#228;re man vielleicht daran vorbeigelaufen und siehe: die Wallfahrtskirche Maria Sternbach. Es hei&#223;t dieses Gotteshaus bef&#228;nde sich auf einer W&#252;stung. Das Dorf Sternbach, dessen Mitte einst die Kirche war, sei „w&#252;st gefallen“! Nie geh&#246;rt den Begriff, jedoch sehr beeindruckend und also notiert.</p>
<p>Man stand vor verschlossener Pforte, umrundete das der Jungfrau Maria geweihte und zur Wallfahrtskirche bef&#246;rderte Kleinod, fand sich vor einem Au&#223;enaltar nebst Au&#223;enkanzel wieder, beides w&#228;hrend der j&#228;hrlichen Wallfahrten intensiv genutzt. Und da dem B&#228;ren noch die heute morgen getr&#228;umt und / oder geh&#246;rte Erz&#228;hlung des Georg B&#252;chner durch den Kopp schwirrte, nahm er flugs auf der Kanzel Platz und es scho&#223; ihm nochmal zwischen die aufmerksamen Ohren das Folgende:</p>
<p style="text-align: center"><strong>…..</strong></p>
<p><em>Oberlin war im Zimmer; Lenz kam heiter auf ihn zu und sagte ihm, er m&#246;ge wohl einmal predigen. – »Sind Sie Theologe?«- »Ja!« – »Gut, n&#228;chsten Sonntag.«</em></p>
<p><em>Lenz ging vergn&#252;gt auf sein Zimmer. Er dachte auf einen Text zum Predigen und verfiel in Sinnen, und seine N&#228;chte wurden ruhig. Der Sonntagmorgen kam, es war Tauwetter eingefallen. Vor&#252;berstreifende Wolken, Blau dazwischen. Die Kirche lag neben am Berg hinauf, auf einem Vorsprung; der Kirchhof drum herum. Lenz stand oben, wie die Glocke l&#228;utete und die Kircheng&#228;nger, die Weiber und M&#228;dchen in ihrer ernsten schwarzen Tracht, das wei&#223;e gefaltete Schnupftuch auf dem Gesangbuch und den Rosmarinzweig, von den verschiedenen Seiten die schmalen Pfade zwischen den Felsen herauf- und herabkamen. Ein Sonnenblick lag manchmal &#252;ber dem Tal, die laue Luft regte sich langsam, die Landschaft schwamm im Duft, fernes Gel&#228;ute – es war, als l&#246;ste sich alles in eine harmonische Welle auf.</em></p>
<p><em>Auf dem kleinen Kirchhof war der Schnee weg, dunkles Moos unter den schwarzen Kreuzen; ein versp&#228;teter Rosenstrauch lehnte an der Kirchhofmauer, versp&#228;tete Blumen dazu unter dem Moos hervor; manchmal Sonne, dann wieder dunkel. Die Kirche fing an, die Menschenstimmen begegneten sich im reinen hellen Klang; ein Eindruck als schaue man in reines, durchsichtiges Bergwasser. Der Gesang verhallte, Lenz sprach. Er war sch&#252;chtern; unter den T&#246;nen hatte sein Starrkrampf sich ganz gelegt, sein ganzer Schmerz wachte jetzt auf und legte sich in sein Herz. Ein s&#252;&#223;es Gef&#252;hl unendlichen Wohls beschlich ihn. Er sprach einfach mit den Leuten; sie litten alle mit ihm, und es war ihm ein Trost, wenn er &#252;ber einige m&#252;d’ geweinte Augen Schlaf und gequ&#228;lten Herzen Ruhe bringen, wenn er &#252;ber dieses von materiellen Bed&#252;rfnissen gequ&#228;lte Sein, diese dumpfen Leiden gen Himmel leiten konnte. Er war fester geworden, wie er schlo&#223; – da fingen die Stimmen wieder an:</em></p>
<p style="text-align: center"><em> La&#223; in mir die heilgen Schmerzen,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Tiefe Bronnen ganz aufbrechen;</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Leiden sei all mein Gewinst,</em></p>
<p style="text-align: center"><em>Leiden sei mein Gottesdienst.</em></p>
<p><em>Das Dr&#228;ngen in ihm, die Musik, der Schmerz, ersch&#252;tterte ihn. Das All war f&#252;r ihn in Wunden; er f&#252;hlte tiefen, unnennbaren Schmerz davon. Jetzt ein anderes Sein: g&#246;ttliche, zuckende Lippen b&#252;ckten sich &#252;ber ihm nieder und sogen sich an seine Lippen; er ging auf sein einsames Zimmer. Er war allein, allein!</em></p>
<p style="text-align: center"><strong><em>…..</em></strong></p>
<p>Nein, nein, nicht allein, nicht leiden, hadern, selbstkasteien. Der B&#228;r ri&#223; sich los von der Erz&#228;hlung, ersch&#252;ttert, voller Fragen. Man hob ihn vorsichtig von der Kanzel, sprach Beruhigendes. „Lassen Sie uns aufbrechen, Meister Albert. In drei Stunden l&#228;uten die Glocken zur Vesper, ich habe B&#228;renhunger, gehen wir und an den Staud&#228;mmen vorbei. Und blicken Sie noch oben!“ Das antwortete der B&#228;r.</p>
<p>Am Himmel zogen sich schwere Wolken zusammen, kr&#228;ftige B&#246;en griffen beherzt in die Kronen der kahlen B&#228;ume und vereinzelt schnitten Lichtfinger durch die grauen Gebilde &#252;ber ihren K&#246;pfen. Archibald Mahler, Pilger in Anfechtung, betete der Tr&#228;ger des Wanderbeutels m&#246;ge die rechte Orientierung besitzen.</p>
<p style="text-align: center"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-10733" title="engel16" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2020/03/engel16.jpg" alt="engel16" width="515" height="261" /></strong></p>
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