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	<title>Archibald schaut Welt &#187; Walden</title>
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	<description>Vom Bären vom Brandplatz</description>
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		<title>Wen einer eine Reise tut, mu&#223; er auch irgendwann wieder nach Hause fahren (Walden Eighteen)</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Aug 2010 17:39:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walden]]></category>

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Die kleine Morgenmeditation roch schon etwas nach Abschied. Er schlo&#223; die Augen und seine Nase sog ein die Essenz der letzten achtzehn Tage: Moos, Harz, trockenes Holz, Laub, feuchter Waldboden, Bilder, Erinnerung. Und noch mal einmal die beredte Stille. Das Rascheln der Bl&#228;tter. Krabbeln der K&#228;fer. Fr&#252;he V&#246;gel. Ein letztes Baden in erquickender Einsamkeit. Und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2430" title="kuno_kommt" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2010/08/kuno_kommt.jpg" alt="kuno_kommt" width="515" height="204" /></p>
<p>Die kleine Morgenmeditation roch schon etwas nach Abschied. Er schlo&#223; die Augen und seine Nase sog ein die Essenz der letzten achtzehn Tage: Moos, Harz, trockenes Holz, Laub, feuchter Waldboden, Bilder, Erinnerung. Und noch mal einmal die beredte Stille. Das Rascheln der Bl&#228;tter. Krabbeln der K&#228;fer. Fr&#252;he V&#246;gel. Ein letztes Baden in erquickender Einsamkeit. Und dann wuchs in ihm der dringende Wunsch sich mitzuteilen, auszutauschen. Das Gespr&#228;ch. Die neue Geschichte weitergeben. Gut. Nachdenken &#252;ber den Heimweg. F&#252;nf ganze Tage voller wunderlicher Begegnungen hatte die Wanderung bis zur Urlaubsh&#246;hle gedauert. F&#252;nf ganze Tage wieder zur&#252;ckstiefeln, das erschien Archibald Mahler, B&#228;r am Ende des Urlaubs, entschieden zu anstrengend. Was tun? Lernziel der Expedition Walden war gewesen: abwarten und Dinge entstehen lassen. Einatmen und ausatmen. Die Sonne kitzelte sein empfindliches Riechorgan. Er mu&#223;te niesen. „Gesundheit, werter Herr Mahler!“</p>
<p>„Was machen Sie denn hier, teurer Herr von Lippstadt-Budnikowski?“ Die Frage konnte dieser nicht beantworten. Er war da. Einfach da. War er wirklich da? Oder halluzinierte der B&#228;r, sensibilisiert von den Tagen der Einsamkeit und der erinnernden Meditation? Hatte die Tatsache, da&#223; er sich soeben Gesellschaft gew&#252;nscht hatte, das Erscheinen des alten Gef&#228;hrten zur Konsequenz? Oder hatte gar Frau Adler, die freundliche schwarze Dame mit den Fl&#252;geln auf dem R&#252;cken, eingegriffen? Man einigte sich recht schnell darauf, da&#223; dies alles Jacke wie Hose sei. Wie, wann und warum manches geschieht, man wird es nie erfahren. Es wurde ein wenig gemeinsam geschwiegen, kurzer Austausch von Wesentlichem. Allgemeines Befinden zufriedenstellend, Hauptproblem Hunger und zwei festverschlossene B&#252;chsen mit Thunfisch. Die Aufrechtgeher? Hyperventilieren sich durchs Sommerloch mit R&#252;cktrittsforderungen und unappetitlichen Rammelgeschichten. Eigentlich kein richtiger Grund zur&#252;ckzukehren in die kleine h&#228;&#223;liche Stadt. Au&#223;er man wird vermi&#223;t. Das ist ein Argument. N&#228;chster Tagesordnungspunkt: Bewerkstelligung der R&#252;ckkehr. Und da hatte einer eine Idee!</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=cbyTTPUvMrQ" target="_blank">„Hitchhiking!“</a></p>
<p>„Wie meinen, Herr von Lippstadt-Budnikowski?“</p>
<p>„Trampen? Den Daumen im Wind? Klassische Fortbewegungsmethode. Inzwischen eher ausgestorben. Doch es gibt Argumente, sie zu reaktivieren?“</p>
<p>„Hier im Wald? Ich weigere mich von buntbehosten, selbsttherapeutisch rennenden und keuchenden Aufrechtgehern nach Hause getragen zu werden.“</p>
<p>„Bef&#252;rchten Sie nichts, was Sie in Ihrer B&#228;renehre kompromittieren k&#246;nnte. Schenken Sie mir Vertrauen und folgen Sie mir hinunter zum Waldweg!“</p>
<p>„Nun gut! Der Hunger ist es! Und ein klein wenig Heimweh! Gehen Sie voran!“</p>
<p>Archibald packte die zwei B&#252;chsen und das leere Marmeladenglas in seinen Schal, schulterte die kleine Last und bedankte sich bei der gro&#223;en Eiche und ihren Wurzeln f&#252;r die freundliche Gew&#228;hrung der Unterkunft. Dreimal verneigte er sich. Bl&#228;tterrascheln. Kann ein Baum zum Abschied winken? Zwei Pfoten im Sommerwind. Um die Ecke bogen Ernst Albert und Eva Pelagia auf ihren Drahteseln. Da mu&#223;te dann sogar der B&#228;r laut auflachen. Geschickt eingef&#228;delt! Und dann freute er sich. Wie Bolle!</p>
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		<title>Alte und ungel&#246;ste Fragen begraben wir vorl&#228;ufig an der Biegung des Baches! (Walden Seventeen)</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Aug 2010 17:06:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walden]]></category>

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Aufwachen und Hunger haben waren eins. In einer Ecke der H&#246;hle – immer noch warm, immer noch trocken – lagen sie: die unge&#246;ffneten Thunfischb&#252;chsen. Bleiben wir pr&#228;zise: die B&#252;chsen, an deren &#214;ffnung Archibald Mahler, hungriger B&#228;r, in den letzten Tagen keinen Gedanken verschwendet hatte und – Seien wir ehrlich! – deren &#214;ffnung f&#252;r den B&#228;ren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2424" title="bach2_neu" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2010/08/bach2_neu.jpg" alt="bach2_neu" width="515" height="213" /></p>
<p>Aufwachen und Hunger haben waren eins. In einer Ecke der H&#246;hle – immer noch warm, immer noch trocken – lagen sie: die unge&#246;ffneten Thunfischb&#252;chsen. Bleiben wir pr&#228;zise: die B&#252;chsen, an deren &#214;ffnung Archibald Mahler, hungriger B&#228;r, in den letzten Tagen keinen Gedanken verschwendet hatte und – Seien wir ehrlich! – deren &#214;ffnung f&#252;r den B&#228;ren ein einziges gro&#223;es R&#228;tsel war und wahrscheinlich bleiben sollte. Nichtsdestotrotz: Hunger. Hatte nicht unl&#228;ngst in der N&#228;he ein kleines B&#228;chlein gepl&#228;tschert? Kaulquappen? Jungfr&#246;sche? Anderes Flossengetier? Tierisches Eiwei&#223;! Omega-3-Fetts&#228;uren! Eisen! Vitamin B! Ein m&#252;der B&#228;r schlenderte hinunter zu seinem Hausbach. Hoppla! Leer! Das Getr&#246;pfel der letzten Tage hatte im wahrsten Sinne des Wortes keinen Niederschlag gefunden. Die kleinen Wasserl&#228;ufe, die den Wald am Fu&#223;e des Schiffenbergs durchzogen hatten: ausgetrocknet. Darf ein B&#228;r „Schei&#223;e“ sagen? Archibald dachte es zumindest. Falls ein B&#228;r &#252;ber ein Repertoire an Schimpfw&#246;rtern verf&#252;gen sollte. Und wenn er es dachte, dann tonlos. Die Stille des n&#228;chtlichen Waldes gilt es nicht zu st&#246;ren.</p>
<p>Das Denken des Gedanken an einen Marsch zur&#252;ck in die H&#246;hle, in der Ernst Albert, Eva Pelagia und der geheime Fieberthermometerhalter jetzt wahrscheinlich vor einem opulent gedeckten Fr&#252;hst&#252;ckstisch sa&#223;en und das Wasser hektoliterweise aus den H&#228;hnen sprudelte? W&#228;re dies eine Niederlage? Oder gar ein R&#252;cktritt? Das Aufgeben? Vergi&#223; es, lieber Archibald! Die legend&#228;re einsame H&#252;tte von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Henry_David_Thoreau" target="_blank">Henry David Thoreau</a>, dem Verfasser von „Walden“, lag knappe zwei Kilometer von der n&#228;chsten Siedlung entfernt. Poststation. General Store. Saloon. Pferdeverleih. Alles gleich um die Ecke. Die Konsequenz liegt in der Imagination der Konsequenz. Dig it! Aber? Nix aber! Ein gro&#223;es Aber doch! Archibald hatte das tausendprozentige Gef&#252;hl, da&#223; er f&#252;r einen Marsch zur&#252;ck – auch wenn es die ganze Zeit bergab ging – heute schlicht und einfach viel zu faul war. Was tun? „Wo kein Flu&#223; ist, denk ich mir einen Flu&#223;!“ K&#246;nnte funktionieren, lieber B&#228;r! <a href="http://www.youtube.com/watch?v=FMKAC0V9FDQ&amp;feature=related" target="_blank">Down by the river.</a></p>
<p>Wenn der Morgen graut und es gleichzeitig Sonntag ist, verkleidet sich der Aufrechtgeher. Bunte Hemden, kurze Hosen und unvorteilhaft enge Trikotagen. Warum? Er rennt durch die W&#228;lder. Oder pr&#252;gelt sich und sein Fahrrad &#252;ber holprige Wege. Quietschende Lungenfl&#252;gel. Gepeinigte Bandscheiben. Die Zunge wird zur Krawatte. „Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer; ich finde sie nimmer und nimmermehr. Mein armer Kopf ist mir verr&#252;ckt, mein armer Sinn ist mir zerst&#252;ckt.“ Das sprach nicht der Herr Geheimrat, sondern das dachte Herr Archibald Mahler, als am diesem heiteren Sonntagmorgen sein Wald zum Fitnessparcour mutierte. Ruhe schreibt sich anders. „Guten Morgen, Frau B&#252;rgermeisterin! Auch schon agil?“ Ungel&#246;ste Fragen trabten durchs das Geb&#252;sch. Archibald wurde etwas unleidig. Das mit dem sich Hindenken eines Flu&#223;es hatte leider nicht geklappt. Der Bach blieb leer. Der Magen auch. Was tun? Nichts. Warten! Am Sonntag fahren Ernst Albert und Eva Pelagia gerne mal mit dem Bus hinauf auf den Schiffenberg.</p>
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		<title>Wenn die Geschichte zu Ende ist, mach das Licht aus! (Walden Sixteen)</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Jul 2010 14:31:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walden]]></category>

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Sechs Tage hatte er nun die Pforten der Wahrnehmung weit ge&#246;ffnet und auf sich einprasseln lassen, was sich in und um ihn herum erinnerte. Sein abbes Bein hatte eine Geschichte bekommen und Archibald Mahler, B&#228;r auf Kurs Selbsterfindung, hatte seit heute Nacht eine – fast – komplette Biographie. Ob es tats&#228;chlich so war? Schaun wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2411" title="lichtung" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2010/07/lichtung.jpg" alt="lichtung" width="515" height="185" /></p>
<p>Sechs Tage hatte er nun die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Pforten_der_Wahrnehmung" target="_blank">Pforten der Wahrnehmung</a> weit ge&#246;ffnet und auf sich einprasseln lassen, was sich in und um ihn herum erinnerte. Sein abbes Bein hatte eine Geschichte bekommen und Archibald Mahler, B&#228;r auf Kurs Selbsterfindung, hatte seit heute Nacht eine – fast – komplette Biographie. Ob es tats&#228;chlich so war? Schaun wir mal. Das Leben ist manchmal nichts als ein &#252;berlaufender W&#246;rtersee und dann mu&#223; man aufpassen, darin nicht abzusaufen. Die letzten Tage waren k&#252;hler gewesen, aber das hatte der B&#228;r gar nicht mitbekommen. Regen und Erinnerung, die auf ihn niederprasselten: schwer auseinander zu halten. Heute morgen war die Luft wieder weich und mild. Zeit f&#252;r die Lichtung, f&#252;r Schmetterlinge, f&#252;r Blumen und eine ordentliche Floralmeditation.</p>
<p>Was hatte Jim Morrison einst gesungen? „Bevor ich in den Gro&#223;en Schlaf sinke, will ich ihn h&#246;ren, will ich ihn einmal h&#246;ren: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=6LM9LMvJ_vw" target="_blank">den Schrei des Schmetterlings!</a>“ <em>(Kein Neil Young heute? Fragt der Setzer!)</em> Wart’s ab und unterbricht mich nicht! Und sie schrieen, die Schmetterlinge. Und keiner konnte sie h&#246;ren. So ist das mit der Erinnerung! Keiner wird jemals begreifen, was man erlebt hat. Spurenelemente der eigenen Erz&#228;hlung werden im Rezipienten bestenfalls Spurenelemente seiner eigenen Geschichte aufblitzen lassen. Auf der Zungenspitze des Zuh&#246;rers sammeln sich sogleich die Korrektur des fremden Erlebens und das eigene Empfinden und ergeben bestenfalls eine nickende Melange! Sich auf eine Geschichte zu einigen bedeutet immer: Verzicht! Bitterer Geschmack! Doch dies war es nicht, was der B&#228;r auf der Lichtung roch und schmeckte. Heute war alles leicht! Dinge geschehen. Man nennt es den Schmetterlingseffekt. Man sagt sogar, der Fl&#252;gelschlag eines Schmetterlings k&#246;nne einen Sturm ausl&#246;sen: am anderen Ende der Welt. Nicht alle Aufrechtgeher sind dumm. Und h&#228;tte man Archibald am Aschermittwoch dieses Jahres erz&#228;hlt, wo er landen w&#252;rde, auf die Welt schauend, in die Welt schauend. Lassen wir das!</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=cz03vtoTieQ" target="_blank">Everybody’s alone.</a> Da sa&#223; er also und geno&#223; die Einsamkeit und geno&#223; eben diese Einsamkeit, weil er wu&#223;te, da&#223; es jemanden und noch mehr, viele Jemande gab, die an ihn dachten und wohlwollend seine kleinen Reisen begleiteten und also bedr&#252;ckte ihn in diesem Moment, als eben jener Gedanke ihn ber&#252;hrte wie der Schlag eines Schmetterlingsfl&#252;gel, eben dann doch eine Einsamkeit, die sich sehnte nach dem Teilen des Erlebten, wohl wissend, da&#223; es ein Verst&#228;ndnis nicht gibt, aber da&#223; im Erz&#228;hlen nun mal der Genu&#223; des Sichselbstvergewisserns liegt und so nickte der B&#228;r sich zu und die Sonne schien und schien und die Schmetterlinge umkreisten unerm&#252;dlich sein Haupt, die Blumen schickten unerm&#252;dlichen Wohlgeruch in seine empfindliche Nase und sein Pelz tankte und speicherte ab die lebensspendende W&#228;rme und sein sich leerendes Hirn kreiselte gedankenlos unter einem friedlichen Sommerhimmel und bemerkte, da sich der Abend &#252;ber Archibald Mahler niedersenkte, da&#223; er soeben dabei war den l&#228;ngsten Satz seiner bisherigen Weltschaukarriere gedacht zu haben und wurde m&#252;de und schaffte es gerade noch in seine H&#246;hle im Walde am Fu&#223;e des Schiffenbergs , um dort – Einer geht noch! – entspannt grinsend, nach rituellem P&#246;terkratzen und dem Genu&#223; zweier L&#246;ffel der leckeren, seit sechs Tagen vernachl&#228;ssigten Heidelbeermarmelade in einen Gro&#223;en Schlaf zu fallen. Ja! Und er h&#246;rte den Schrei des Schmetterlings.</p>
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		<title>Selbst Odonkor rennt zu langsam, um die Vergangenheit einzuholen! (Walden Fifteen)</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Jul 2010 16:06:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walden]]></category>

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Was jetzt genau in diesem Brief stand? Das geht niemanden etwas an, au&#223;er die direkt Beteiligten. Noch nicht einmal die neugierige Erinnerung des Herrn Archibald Mahler hat ein Anrecht auf den kompletten Text der recht intimen und ausschweifenden &#196;u&#223;erungen von Frau Kraushaar. Erw&#228;hnenswert jedoch die Konsequenzen, welche Tankred „Tanke“ Florsch&#252;tz aus der Lekt&#252;re des Schriftst&#252;ckes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2404" title="schauen1" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2010/07/schauen1.jpg" alt="schauen1" width="515" height="209" /></p>
<p>Was jetzt genau in diesem Brief stand? Das geht niemanden etwas an, au&#223;er die direkt Beteiligten. Noch nicht einmal die neugierige Erinnerung des Herrn Archibald Mahler hat ein Anrecht auf den kompletten Text der recht intimen und ausschweifenden &#196;u&#223;erungen von Frau Kraushaar. Erw&#228;hnenswert jedoch die Konsequenzen, welche Tankred „Tanke“ Florsch&#252;tz aus der Lekt&#252;re des Schriftst&#252;ckes zog. Er kaufte sich eine Zugfahrkarte. Und er packte Erich Schlackerbein am sogenannten Schlafittchen, legte ihn in einen Schuhkarton (nat&#252;rlich mit Luftl&#246;chern) und fuhr los. Wie oft er auf der knapp f&#252;nfst&#252;ndigen Reise besagten Brief las &#8211; vorw&#228;rts, r&#252;ckw&#228;rts, seitw&#228;rts – bleibt sein Geheimnis, doch da jedes Lesen mit dem Verzehr einer B&#252;chse Bier gekoppelt war und sein Zustand beim Erreichen des Zieles ein eher schwankender war, ist davon auszugehen, da&#223; er den Text inzwischen auswendig aufsagen konnte. „Herzlich Willkommen in der Universit&#228;tsstadt Gie&#223;en!“ Zwei schnelle Kaffee und ein Matschbr&#246;tchen mit Fleisch von Herrn Donalds Burgerbraterei und runter in die kleine h&#228;&#223;liche Stadt. Und ein alter Ossi wei&#223;, was eine kleine h&#228;&#223;liche Stadt ist! Tanke f&#252;hlte sich auf Anhieb zu Hause. Offensichtlich hatten hier Architekten gewirkt, welche man einst wegen &#252;bertriebenen Formalismus aus der ehemaligen Ex-DDR ausgewiesen hatte.</p>
<p>„Mensch, Tanke!“ „Tsch&#228;ki?“ Zu ihren F&#252;&#223;en flo&#223; die Lahn. Der Biergarten f&#252;llte sich. In zwei Stunden mu&#223;te Deutschland gegen Polen gewinnen. Man hatte schlie&#223;lich ein Sommerm&#228;rchen zu hyperventilieren. Das Gespr&#228;ch war z&#228;h. Solche Gespr&#228;che sind immer z&#228;h. Der Versuch eine Zeitreise zu unternehmen, schl&#228;gt meist fehl. Schakkeline ging es nicht gut. Wer bei Tante Hedwig Unterschlupf suchen mu&#223;te, die vor 30 Jahren &#252;ber Gie&#223;en ins Gelobte Land ausreisen durfte, der hatte offensichtlich nicht das Gro&#223;e Los gezogen. Oder es verloren? Oder weggeworfen? Man wei&#223; es nicht. Der Jaguarfahrer vom November Neunundachtzig war wieder in den Hafen der Ehe zur&#252;ckgefahren. Danach gab es noch einen Mercedes-, einen BMW- und zwei Toyotafahrer. Und der letzte der Toyatafahrer hatte wohl herzbrecherische F&#228;higkeiten besessen. Tanke sp&#252;rte keinerlei Genugtuung. Im Gegenteil. Das war der Moment, in dem Erich Schlackerbein, B&#228;r im Karton mit Luftl&#246;chern, nicht mehr Herr seines Schicksals war. Falls er das bis jetzt jemals gewesen war. „Gucke mal, Tsch&#228;ki. Wie de damols einfach so abgehaun bist, da haste was n&#252;sch ganz fertsch gemocht. Hier! Der Kleene Kerle hat mir oft sehr geholfn. Sein linkes Bein schlackert zwar, aber er hat Klasse. Pass auf Dich auf, M&#228;del! Schade!“ Ein Schuhkarton und der letzte B&#228;r von Sonneberg wechselten den Besitzer. An der rechten Au&#223;enlinie raste Odonkor entlang und der Rest war Neuville. Tankred Florsch&#252;tz stand auf. Tsch&#228;ki blieb sitzen. Ein Minicar fuhr Tanke zum Bahnhof. „Schland! Schland!“ Das konnte ihm heute gestohlen bleiben. Und nicht nur heute. In der Hauptstadt wartete jemand auf ihn.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=ftfNzAeO4eY" target="_blank">Last Dance.</a> Die hupende und beflaggte Feiermeute hatte sich verlaufen, eine hei&#223;e Nacht neigte sich ihrem Ende zu, ein Hauch von Morgenlicht zeigte sich &#252;ber dem Brandplatz in der kleinen h&#228;&#223;lichen Stadt, wo Jacqueline Kraushaar auf den Stufen des Alten Schlosses sa&#223;, einen Schuhkarton auf ihren Knien, einen kleinen Stoffb&#228;ren in der Hand. „Im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter! Iss doch so? Mensch gugge mal, Dein Bein. Da hab ich aber nur die halbe Arbeit geleistet. Schei&#223;e, gelle! Schau mich nich so vorwurfsvoll an! Quatsch! Wasse immer alle nur wollen? Das h&#228;lt doch. Hier! Bitte! Oh, mein Gott!“ Aua! Auch &#252;ber dem Wald zu F&#252;&#223;en des Schiffenbergs ging die Sonne auf und Archibald Mahler, Rechercheb&#228;r, hatte das sichere Gef&#252;hl, da&#223; es nun mit der Vergangenheitsaufarbeitung auch gut sei. Den alten Schmerz hatte er noch in bester Erinnerung. Aber er sp&#252;rte ihn nicht mehr. Er kratzte sich am P&#246;ter. Und tiefer! Links! Das Bein war dran! Keine Beschwerden! Er sah, wie Schakkeline die Marktlaubengasse entlang ging. Wann? Gestern? Oder heute?</p>
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		<title>Gewisse T&#252;ren sollte man besser nicht &#246;ffnen, aber das ist leicht dahergesagt! (Walden Fourteen)</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 15:46:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walden]]></category>

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Das Telefon klingelte. Tankred Florsch&#252;tz hob ab. Es meldete sich ein Gregor Giesser. Er rufe an im Auftrag eines Herrn Oskar Derbrunnen. Der habe vor eine neue Partei zu gr&#252;nden. Eigentlich eine uralte Partei, aber darum ginge es jetzt nicht. Jedenfalls brauche man die Blauen B&#228;nde, komplett und alle anderen Ver&#246;ffentlichungen, die sich direkt oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2382" title="schauen3" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2010/07/schauen3.jpg" alt="schauen3" width="515" height="174" /></p>
<p>Das Telefon klingelte. Tankred Florsch&#252;tz hob ab. Es meldete sich ein Gregor Giesser. Er rufe an im Auftrag eines Herrn Oskar Derbrunnen. Der habe vor eine neue Partei zu gr&#252;nden. Eigentlich eine uralte Partei, aber darum ginge es jetzt nicht. Jedenfalls brauche man die Blauen B&#228;nde, komplett und alle anderen Ver&#246;ffentlichungen, die sich direkt oder indirekt auf die Theorien des Trierer Rauschebarts Karl M. bez&#246;gen. Weil, man habe vor in der neuen Parteizentrale eine kleine Bibliothek einzurichten. Und die B&#252;ros der Parteispitze ben&#246;tigten auch den ein oder anderen Regalmeter Theorieliteratur. Und man habe geh&#246;rt, er habe da doch noch einiges im Keller. Die eigenen Best&#228;nde habe man damals – sicher ist sicher –  ja vollst&#228;ndig entsorgt und geschreddert. Florsch&#252;tz legte auf. Das klang nach einer finanziell attraktiven Entr&#252;mpelung. Am n&#228;chsten Tag fuhr ein Kleinlaster vor und der Speicher wurde geleert. B&#252;cher bewahrt man nicht im Keller auf. Man &#252;berreichte einen Umschlag, gut gef&#252;llt. „Mensch Genosse, is ja wie beider Mofija!“ Der &#220;bergeber der Scheine reagierte humorlos, schmi&#223; die Fahrert&#252;r ins Schlo&#223; und  bog ein in die Sch&#246;nhauser-Allee, Richtung Rosa-Luxemburg-Platz. Neben der Kasse des Antiquariats <strong>„Florsch&#252;tz &amp; Buchstaben / An- und Verkauf von Lesbarem“</strong> sa&#223; Erich Schlackerbein, inzwischen siebzehn Jahre alt und freute sich. Weil er sich immer freute, wenn sein Chef sich freute. Und der hatte allen Grund zur Freude. Fette Einnahme heute und in wenigen Minuten sollte die Fu&#223;ballweltmeisterschaft beginnen. Im eigenen Land.</p>
<p>Seit nun elf Jahren sa&#223; Tankred Florsch&#252;tz in seinem kleinen Zweiraumantiquariat in der Kuglerstra&#223;e im Hauptstadtbezirk Prenzelberg. Wie war er hier gelandet? Er hatte flei&#223;ig gesammelt, damals in Sonneberg, er und sein treuer kleiner Begleiter. Er hatte gearbeitet und gearbeitet, Buch auf Buch gehortet, gelegentlich wieder dem Teufel Alkohol die Hand gereicht, Fenster geputzt, Briefe ausgetragen, Hunde spazieren gef&#252;hrt und wollte eigentlich nur eines: vergessen. Es gelang ihm. Und dann wieder nicht. Frauen? Es gab mal eine Nacht. Mal mit jener. Mal mit der. Sonst die Hand. Doch an den Mauern der kleinen Stadt klebte Schakkeline. Unnachgiebig. Er suchte nicht wirklich nach ihr, all die Jahre. Die meisten Tage waren leicht. Aber als man ihm erz&#228;hlte, man habe sie in der Hauptstadt gesehen? Als w&#228;re kein Tag ins Land gezogen: der Schmerz. Wie er Tage sp&#228;ter im Ostbahnhof aus dem Zug stieg, beschimpfte er sich als hirnrissigen, sentimentalen Idioten. Stundenlang lief er durch die gro&#223;e Stadt, fluchte, lachte, trank. Dann stand er vor diesem kleinen Laden im Prenzlauer Berg. Er las: <strong>&#8216;Antiquariat aus Altersgr&#252;nden preiswert abzugeben. Nur an Ossis!&#8217;</strong>. Dann ging alles ganz schnell. Und er war Ladenbesitzer. „Gelle, Herr Schlackerbein! Mir zwee Beede! Unternehmer!&#8221; Verschweigen wir nicht: &#8216;de Tsch&#228;ki&#8217; hat den Laden kein einziges Mal betreten.</p>
<p>&#8220;Sollsch! Oder sollsch n&#252;sch?&#8221; Seit einigen Tagen trug Tankred einen Brief mit sich herum. Manchmal verga&#223; er ihn, doch – der Wahrheit die Ehre – manchmal brannte der Umschlag L&#246;cher in die Innentasche seiner alten Lederjacke. Die Absenderin des Schriftst&#252;ckes war eine gewisse Jacqueline Kraushaar, offensichtlich inzwischen ohne Dorst. Wie lange war das alles her? Aber die Erinnerung hat die Eigenschaft aus altem Filmmaterial binnen weniger Sekunden eine veritable Live&#252;bertragung herbei zu zaubern. &#8220;Sollsch?&#8221; Erich Schlackerbein zuckte mit den Schultern. Mit so etwas kannte er sich nicht aus und war also auch nicht in der Lage Herrn Tankred Florsch&#252;tz einen Tip zu geben. „Horche mal her, mein Scheener! Ich mochs!“ Der Buchh&#228;ndler nestelte seine Lesebrille aus der Hemdtasche, ri&#223; den Umschlag auf und so begann der Brief: „<strong>Lieber Tanke! Ich lebe noch! Ich sitze hier bei meiner Tante Hedwig in Gie&#223;en auf dem Balkon, trinke Kaffee, dazu gibt es Halloren-Kugeln und ich denke, da&#223; ich….“</strong> Mein Gott! <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wXyitmRISQs" target="_blank">Give me strength.</a> Und am Fu&#223;e des Schiffenbergs blickte Archibald Mahler, zur Zeit Autobiographieb&#228;r, hinaus in seinen Wald und wunderte sich &#252;ber nichts mehr. Die Wundert&#252;te Erinnerung!</p>
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		<title>Hab ich das jetzt unl&#228;ngst weggeschmissen oder ist es nur verloren gegangen? (Walden Thirteen)</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 20:27:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walden]]></category>

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„Am Ende eines jeden Lebens kommt die M&#252;llabfuhr! Wohlsein!“ Ein ganzes Jahr sa&#223; der B&#228;r namens Erich Schlackerbein nun schon auf dem Plattenschr&#228;nkchen des Herrn Tankred Florsch&#252;tz im sechsten Stock eines Plattenbaus in Sonneberg-Wolkenrasen mit Blick auf die wenige hundert Meter entfernte innerdeutsche Grenze, die nun seit einigen Wochen gar keine Grenze mehr war, sondern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2364" title="schauen3_sepia" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2010/07/schauen3_sepia.jpg" alt="schauen3_sepia" width="515" height="174" /></p>
<p>„Am Ende eines jeden Lebens kommt die M&#252;llabfuhr! Wohlsein!“ Ein ganzes Jahr sa&#223; der B&#228;r namens Erich Schlackerbein nun schon auf dem Plattenschr&#228;nkchen des Herrn Tankred Florsch&#252;tz im sechsten Stock eines Plattenbaus in Sonneberg-Wolkenrasen mit Blick auf die wenige hundert Meter entfernte innerdeutsche Grenze, die nun seit einigen Wochen gar keine Grenze mehr war, sondern eine Art Narbe der Erinnerung in einem neuen, alten Land. „Am Ende eines jeden Lebens kommt die M&#252;llabfuhr! Pr&#246;sterchen, mein Freund!“ Es war h&#246;chste Zeit sich Sorgen zu machen um Herrn Florsch&#252;tz. Selbst angesichts der durchaus heilenden Wirkung eines ordentlichen Rausches in Zeiten des Abschieds und Verlustes: irgendwann mu&#223; gut sein. Der B&#228;r hatte noch keine gro&#223;en Erfahrungen mit Zweibeinern gemacht. F&#252;r ihn war es normal, da&#223; sein Herbergsvater den Tag hadernd und fluchend begann, dann mit Nietenjacke und Schlafanzughose angetan zur Trinkhalle aufbrach, den restlichen Tag zwischen K&#252;hlschrank, Fernsehapparat, Plattenspieler und Klosch&#252;ssel hin und her pendelte, um den angebrochenen und nie begonnenen Tag greinend, weinend, schwankend und schlie&#223;lich auf dem Sofa einschlafend zu beenden. Heute jedoch passierte etwas. Da lief wieder dieses Lied. Der B&#228;r Schlackerbein mochte es. Es klang ein bi&#223;chen w&#252;tend, ein bi&#223;chen fr&#246;hlich und das Klavier schepperte. Nat&#252;rlich wu&#223;te er nicht, da&#223; es sich um ein Klavier handelte, aber da&#223; da was schepperte, das bekam er schon mit. Und das passierte: Tankred Florsch&#252;tz stand auf, schwankte auf den Plattenspieler zu, hob ihn in die Luft, das Kabel ri&#223; er aus der Wand, er &#246;ffnete das K&#252;chenfenster und zwanzig Meter tiefer zerschellte ein Lied inklusive Abspielger&#228;t.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=1TdVK-LRcLQ" target="_blank">Time fades away.</a> So hie&#223; das Lied. Einiges an Zeit war Tankred Florsch&#252;tz im letzten Jahr durch die Finger geglitten, auf Nimmerwiedersehen. Und Tsch&#228;ki war nicht zur&#252;ckgekommen. Einmal hatte er Tsch&#228;kis Mutter auf der Stra&#223;e getroffen. Beide wechselten die Stra&#223;enseite, gleichzeitig. <strong>„Horsche mal her, Schlackerbein. Weeste, mein Scheener, alles kannste in de M&#252;lltonne nei kloppen, Herzen, VEBs, d&#228; Liebe, n ganzes Land, aber eines darfste da nie neihaun: n&#228;mlich Dich selber!“</strong> Also stand er von seinem Sofa auf, rasierte sich, wusch sein b&#252;gelfreies Campinghemd aus und ging runter zur Trinkhalle, kaufte sich ein Kiste Sprudel – „Sare mal, biste grank?“ – und sah seine Zukunft. Sperrm&#252;ll! Es wurde weggeworfen. Manisch! Die Neue Zeit war angebrochen und die Anker wurden nicht gelichtet, sondern ins Meer geworfen. Ohne Kette. Alles lag auf der Stra&#223;e. M&#246;bel, K&#252;chenger&#228;te, B&#252;cher, B&#252;cher, B&#252;cher, Amiga–Schallplatten, Nu&#223;knacker und Pyramiden aus dem Erzgebirge, Trabireifen, Fernseher Marke Chromalux,  Radios aus Stassfurt, Plaste und Elaste, sogar ganze Batterien von Einweckgl&#228;sern mit Spreewaldgurken. &#8220;Nee! Sglaubsch jetz nich!&#8221;  Da lehnte sie an einem Laternenpfahl – Nein, nicht de Tsch&#228;ki! &#8211;  eine Schwalbe, eine Simson KR 51/2, Baujahr 1984 in saharabraun. &#8220;Zu verschenken!&#8221;</p>
<p>Die Schwalbe war, nach einigen Handgriffen, vollkommen fahrt&#252;chtig. Zwei wesentliche Erg&#228;nzungen erfuhr das Gef&#228;hrt. Am Gep&#228;cktr&#228;ger hatte Tankred Florsch&#252;tz eine Art Anh&#228;ngerkupplung angeschwei&#223;t sowie einen kleinen Sitz plus Kissen. Und dort thronte, mit einer Gummispinne festgezurrt: Erich Schlackerbein. „Mensch, der Kleene Kerle, der hats een ganzes Johr mit mir ausgehalten! Und hat sich nich davon gemocht!“ Und so kurvten die Zwei auf ihrer Schwalbe – Kurvte die Schakkeline noch im Jaguar? &#8211; durch Sonneberg, sammelten, was so rumlag und luden es in den Anhanger, den ihre Schwalbe geduldig hinter sich herzog. Erstmal <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitreisen/746625/" target="_blank">Blaue B&#228;nde ohne Ende</a>, nat&#252;rlich auch den kompletten Engels, den ein oder anderen Lenin (auch komplett) und auf manchem Speicher lagen sogar noch die vollst&#228;ndigen Hinterlassenschaften des Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili herum. Fragte man Tankred Florsch&#252;tz, was er denn mit diesem Schrott wolle, antwortete er, er habe Buchh&#228;ndler gelernt, er habe sogar die Abschlu&#223;pr&#252;fung bestanden und irgendwie m&#252;sse man ja anfangen mit dem eigenen Gesch&#228;ft und dem Kapitalismus und wer wei&#223;, ob nicht irgendwann in zehn oder zwanzig Jahren Menschen wieder ab und an in diesen B&#252;chern rumst&#246;bern wollten. Weggeworfen sei schnell! Und dann hat man vergessen, wo und wie und wann! Und er vergewisserte sich, ob Genosse Herr Erich Schlackerbein noch an seinen Platz sa&#223;, denn den wollte er nicht verlieren. Auf gar keinen Fall!</p>
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		<title>Und dann wollte auch die Liebe keine Paraden und Parteitage mehr (Walden Twelve)</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 15:48:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walden]]></category>

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Da sa&#223; er also vor dem laufenden Fernseher in einem Pausenraum des ‚VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg’, kurz: SONNI. Das Testbild fiepte von der Mattscheibe. Tankred Florsch&#252;tz war eingenickt. Auf dem gr&#252;nbr&#228;unlichen Linoleum-Fu&#223;boden lag ein kleiner B&#228;r. Er war dem Schl&#228;fer aus den H&#228;nden geglitten. Es roch intensiv nach Wofasept, dem allgegenw&#228;rtigen Putzmittel. Der B&#228;r mu&#223;te [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2346" title="schauen1_sepia" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2010/07/schauen1_sepia.jpg" alt="schauen1_sepia" width="515" height="209" /></p>
<p>Da sa&#223; er also vor dem laufenden Fernseher in einem Pausenraum des ‚VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg’, kurz: SONNI. Das Testbild fiepte von der Mattscheibe. Tankred Florsch&#252;tz war eingenickt. Auf dem gr&#252;nbr&#228;unlichen Linoleum-Fu&#223;boden lag ein kleiner B&#228;r. Er war dem Schl&#228;fer aus den H&#228;nden geglitten. Es roch intensiv nach Wofasept, dem allgegenw&#228;rtigen Putzmittel. Der B&#228;r mu&#223;te niesen. Das erste Mal in seinem Leben. Herr Florsch&#252;tz bemerkte dies nicht und schnarchte weiter. Das Bellen eines Sch&#228;ferhundes weckte ihn. Der Wachdienst drehte seine Runde und machte die Lichter aus. Tankred Florsch&#252;tz sprang auf, griff nach dem Teddy. Im T&#252;rrahmen stand der Wachmann. Na wunderbar! Nachts unerlaubterweise in die Produktionsr&#228;ume des ‚VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg’, kurz: SONNI, eingedrungen und sich auch noch am Volkseigentum vergriffen. „Ei gugge da, da is ja noch eener. Dachte schon, alle ham heut Nacht ribergemacht. Na, och n kleines Andenken an unseren alten Saustall organisiert? Der iss aber Nscheener! Jetzt aber schnell hehme, Genosse! Dann will ich n&#252;scht gesehn homm!“ Der Sch&#228;ferhund knurrte und zeigte Zahn. „Na biste ruhisch, Walter!“ Der kleine B&#228;r in der Hand des schlaftrunkenen jungen Mannes wu&#223;te von diesem Moment an, da&#223; diese vierbeinigen Kl&#228;ffer ihm wohl nie besonders symphatisch werden w&#252;rden.</p>
<p>Hatte es gestern noch fast den ganzen Tag genieselt, so zeigte sich heute die Sonne und es war f&#252;r die Jahreszeit au&#223;erordentlich mild. Tankred Florsch&#252;tz stand vor der Pforte des ‚VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg’, kurz: SONNI, und wartete. Er war kurz bei sich zu Hause gewesen, hatte  sein neues Fahrrad Marke Diamant bestiegen und war in die Rosa-Luxemburgstrasse 5 in Sonneberg-Bettelhecken gefahren, hatte dort sturmgel&#228;utet, doch keiner hatte ge&#246;ffnet. Eine Nachbarin hatte ihre Haust&#252;re ge&#246;ffnet und Herrn Tankred Florsch&#252;tz mitgeteilt, da&#223; Fr&#228;ulein Jacqueline Kraushaar–Dorst heute Nacht nicht nach Hause gekommen sei. Man w&#228;re selber erst morgens um vier ins Bett und bis dahin sei die Dame nicht zur&#252;ckgekehrt und die Vorh&#228;nge w&#228;ren immer noch zugezogen. Keine Ver&#228;nderung. Zumindest hier. Also wartete er vor der Pforte auf das Eintreffen der Sp&#228;tschicht, in seiner Hand ein Einkaufsbeutel aus  dem guten Stoffe Dederon, in diesem Beutel ein kleiner B&#228;r, der etwas verwirrt. Verschlafene, &#252;berm&#252;dete, noch trunkene Werkt&#228;tige schlurften durch das Werkstor. Erstmal in die Kantine, ein Kaffee, vielleicht ein Schn&#228;pschen. Wer war denn schon alles dr&#252;ben gewesen? Einige nickten Tankred Florsch&#252;tz zu. Da stand er ja wieder, der langhaarige Kater. Mensch, mu&#223; Liebe sch&#246;n sein! Dann war die Stra&#223;e vor der kleinen Spielwarenfabrik leer. Der Pf&#246;rtner, zu dem er sich umgedreht hatte, zog die Schultern hoch und neigte den Kopf bedauernd nach rechts. Nein, die geliebte Schakkeline ist heute nicht zur Arbeit erschienen.</p>
<p>Seit zwei Wochen hatte der B&#228;r nun einen Ehrenplatz in des Tankred Florsch&#252;tz Einraumwohnung mit Kochnische im sechsten Stock eines Plattenbaus in Sonneberg-Wolkenrasen mit Blick auf die wenige hundert Meter entfernte innerdeutsche Grenze, die seit vierzehn Tagen nun keine semipermeable Membran mehr war, sondern nach beiden Seiten offen. Der B&#228;r sa&#223; oben auf dem kleinen Schr&#228;nkchen, in dem sich der sorgsam geh&#252;tete Schatz des Tankred Florsch&#252;tz befand. Sieben Westschallplatten!</p>
<p style="text-align: center"><strong>The Rolling Stones: Beggars Banquet / Emerson, Lake &amp; Palmer: Pictures At An Exhibition / Neil Young: Time Fades Away / Deep Purple: Machine Head / The Clash: London Calling / Udo Lindenberg: Ball Pomp&#246;s / Bob Dylan: Blood on the Tracks (heilig, heilig!) </strong></p>
<p>Ein Schatz, der innert weniger Tage einen rasanten Wertverlust erlitten hatte. Doch der B&#228;r hatte  seit einigen Tagen einen Namen. „Mensch Erich Schlackerbein, da sitzen mir zwee Beede und warten auf de Tsch&#228;ki. Geteiltes Leid, mein Scheener. Du hast ja och mitgekriecht, was f&#252;r z&#228;rtliche H&#228;nde die Tsch&#228;ki. Ne? Och, Schei&#223;e!“ Und dann weinte der verlassene Mann oder trank Schnaps oder beides zugleich. Und h&#246;rte traurige Lieder. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lxhC094nFew" target="_blank">Love in Mind.</a></p>
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		<title>Wer zu sp&#228;t kommt! Wenn es so einfach gewesen w&#228;re einst im November! (Walden Eleven)</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Jul 2010 15:10:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walden]]></category>

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Tankred Florsch&#252;tz war jemand, der meist zu sp&#228;t kam. Nicht da&#223; wir uns falsch verstehen, er war kein unp&#252;nktlicher Mensch, ganz im Gegenteil. Auf Tankred Florsch&#252;tz war Verla&#223;, aber eilig hatte er es nie. Wenn Gleichaltrige schon zum zweiten Mal heirateten, um sich den Anspruch auf eine Zweiraumwohnung zu sichern, wuchs auf Tankreds Oberlippe der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2331" title="schauen2_sepia" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2010/07/schauen2_sepia.jpg" alt="schauen2_sepia" width="515" height="208" /></p>
<p>Tankred Florsch&#252;tz war jemand, der meist zu sp&#228;t kam. Nicht da&#223; wir uns falsch verstehen, er war kein unp&#252;nktlicher Mensch, ganz im Gegenteil. Auf Tankred Florsch&#252;tz war Verla&#223;, aber eilig hatte er es nie. Wenn Gleichaltrige schon zum zweiten Mal heirateten, um sich den Anspruch auf eine Zweiraumwohnung zu sichern, wuchs auf Tankreds Oberlippe der erste Flaum. Wenn seine Freunde das erste Kind mit dem neuen Trabi von der Polytechnischen Oberschule abholten, dachte Tankred &#252;ber den Erwerb seines ersten Fahrrads nach. Auf seinem Nachttischlein lag <a href="http://www.youtube.com/watch?v=eokwWeTBdV0&amp;feature=related" target="_blank">Alfons Zitterbacke</a> neben Tschingis Aitmatows &#8216;Dshamilja&#8217; und Franz F&#252;hmanns &#8220;22 Tage&#8221;.  Im Prinzip war er auch an jenem Abend p&#252;nktlich. Wie immer. Er stand vor der Pforte des ‚VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg’, kurz: SONNI. Niemand da, doch alle Lichter brannten. Er betrat das menschenleere Fabrikgel&#228;nde. Aus einem der Pausenr&#228;ume drang lautes Rufen und Johlen. Ein Fernseher lief dort alleine vor sich hin. Sah Tankred Florsch&#252;tz die Ausstrahlung eines Science–Fiction-Filmes? Welchem abgedrehten Regisseur war das denn eingefallen? Menschen tanzten auf dem ‚Antifaschistischen Schutzwall!’ herum, sangen, lachten, lagen sich in den Armen und schlugen mit H&#228;mmern und &#196;xten auf das Mauerwerk ein. Die Ordnung schaute tatenlos zu. Spinner! Er betrat die Fertigungsabteilung.</p>
<p>Auf dem finalen Produktionstisch der „N&#228;hstube Endfertigung“ lag ein kleiner namenloser B&#228;r, der gerade im Begriff war zu erfassen, da&#223; es ihn &#252;berhaupt gibt. Flackerndes Neonlicht Marke Narva erhellte den Raum. Die frisch eingesetzten Glasaugen schmerzten. Wer, wo, was und wie bin ich? Die &#252;blichen Fragen beim Hineingleiten in eine neue Existenz. Die Welt geh&#246;rte ihm, denn war da sonst wer? Nein! Nein? Doch! Ein freundlich grinsender Langhaariger beugte sich &#252;ber ihn. Nietenjacke, Nietenhose, b&#252;gelfreies Campinghemd, Chapka auf dem Kopf. „Mensch guck aber och, Du bist vielleicht Nscheener! Sachemol, Du wee&#223;st och nich, wo meine Tsch&#228;ki iss?“ Tankred Florsch&#252;tz wollte eigentlich, wie jeden Abend seit nun etwa drei Monaten, seine geliebte Schakkeline von der Schicht abholen. Sie, schon dreimal geschieden, doch er – Wir wissen, es dauert alles etwas l&#228;nger bei ihm! – zum ersten Mal in seinem Leben in Flammen stehend. Ein j&#228;hes und bitteres Gef&#252;hl von pl&#246;tzlich eintretender Einsamkeit jagte Tankred die Wirbels&#228;ule entlang. Seltsam! Er hob den kleinen B&#228;ren vom Tisch. „Mensch Kerle, das doarf doch nich woahr sein! Dein eenes Bein schlackert!“ <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KqEwhrQZAmI" target="_blank">Ambulance Blues.</a></p>
<p>In Coburg tanzte der B&#228;r und lange getrennte Br&#252;der und Schwestern miteinander und die Nacht war ein Tag. Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Veste_Coburg" target="_blank">Veste</a> blickte hinunter auf eine nicht endenwollende Schlange stinkender und hupender Trabis und in den Kneipen flossen Bier und Schnaps ohn Unterla&#223;. Jacqueline Kraushaar–Dorst war heiser, lachte, weinte, schrie, schwieg, trank. „Tsch&#228;kki! Komm, mir m&#252;ssen hemme!“ „Die n&#228;chste Runde geht auf mich. Sch&#246;ne Schwester aus dem Osten, bist Du schon mal in einem Jaguar gefahren?“ „Tsch&#228;ki, des kannste nich mochen. Komm, mach hinne!“  Die R&#252;cklichter eines Jaguar XJS Cabrio verschwanden in einer nebligen, kalten, doch &#228;u&#223;erst historischen Novembernacht. In besonderen Momenten kann man auch bei solchen Wetter das Verdeck herunterlassen. Eine trunkene Frau k&#252;&#223;t einen Mann aus dem Westen. Ihre Haare fliegen durch die Nacht. Schnitt. Wald in Mittelhessen. Was man so alles erlebt hat, wovon noch gar nichts wu&#223;te. Archibald kratzte sich am B&#228;renp&#246;ter. „Mehr, liebe Erinnerung, mehr.“ Morgen ist auch noch ein Tag, lautete die Antwort.</p>
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		<title>Geben wir dem Zufall Sinn und Form und nennen es Geschichte! (Walden Ten)</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jul 2010 14:36:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Walden]]></category>

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Selbstredend ist der Erinnerung nicht zu trauen. Sehr gelehrte Aufrechtgeher sprechen von der sogenannten „Quellenamnesie“. Der sich Erinnernde vermengt tats&#228;chlich Erlebtes mit sp&#228;ter Rezipiertem: Berichte, B&#252;cher, Filme, Fremderz&#228;hlungen. Das Hirn r&#252;hrt sich seine eigene Melange zusammen und ernennt diese Wahrnehmung zur Wahrheit. Diese Wahrheit kann also nicht mehr sein als nur ihr eigener Teilaspekt. D&#252;rfen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2317" title="schauen_vergangenheit" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2010/07/schauen_vergangenheit.jpg" alt="schauen_vergangenheit" width="515" height="231" /></p>
<p>Selbstredend ist der Erinnerung nicht zu trauen. Sehr gelehrte Aufrechtgeher sprechen von der sogenannten „Quellenamnesie“. Der sich Erinnernde vermengt tats&#228;chlich Erlebtes mit sp&#228;ter Rezipiertem: Berichte, B&#252;cher, Filme, Fremderz&#228;hlungen. Das Hirn r&#252;hrt sich seine eigene Melange zusammen und ernennt diese Wahrnehmung zur Wahrheit. Diese Wahrheit kann also nicht mehr sein als nur ihr eigener Teilaspekt. D&#252;rfen wir diese Teilwahrheit nun eine L&#252;ge nennen? Nein, denn Erinnerung befindet sich in einem permanenten Proze&#223; der &#220;berarbeitung. Tagt&#228;glich wird umgeschrieben, gel&#246;scht, verworfen, neu formatiert. Das Ged&#228;chtnis ist kein Archiv, auch wenn manche Zeitgenossen dies hartn&#228;ckig behaupten m&#246;gen, das Ged&#228;chtnis ist meist Mittel die Gegenwart zu bearbeiten und lebbar zu machen. Unser Ged&#228;chtnis wird jeden Tag neu geboren! Archibald Mahler, B&#228;r vom Brandplatz und bald mehr, blickte in den Wald hinaus und erinnerte sich:</p>
<p><strong>Weltspielwarenstadt!</strong> So nannte man vor hundert Jahren Sonneberg, eine kleine Stadt in Th&#252;ringen, in der damals zwanzig Prozent aller auf der Welt verkauften Spielwaren hergestellt wurden. Jacqueline Kraushaar–Dorst war das ziemlich gleichg&#252;ltig. Jacqueline, oder wie ihre Kolleginnen und Freunde sie nannten, die Schakkeline oder einfach nur „de Tsch&#228;ki“, arbeitete als N&#228;herin im ‚VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg’, kurz: SONNI. SONNI war das, was von der einst florierenden Spielwarenindustrie in Sonneberg &#252;briggeblieben war. Ein November war ins Land gezogen, in jenes Land, das im Jahre Neunzehnhundertneunundachtzig unbremsbar seinem Untergang entgegensteuern sollte. Tsch&#228;ki sa&#223; vor einem Tisch in der „N&#228;hstube Endfertigung“. Auf dem Tisch lagen – wenn die Versorgungslage es zulie&#223; und so f&#252;r die Produktion ausnahmsweise Holzwolle, Stoff, Garn und Glasaugen <strong>gleichzeitig</strong> zur Verf&#252;gung standen – K&#246;pfe, Arme, R&#252;mpfe und Beine von Stoffb&#228;ren der Marke ‚Teddy Brumm’. Frau Kraushaar–Dorsts Aufgabe war es aus diesen Teilen, die durchaus auch sehr unterschiedliche Qualit&#228;tskriterien aufweisen konnten, einen h&#252;bschen, freundlichen und strapazierf&#228;higen B&#228;ren zusammenzun&#228;hen. Und dies schien ihr heute zu gelingen. Ihre Vorarbeiterinnen hatten ganze Arbeit getan, die Materiallage – Agonie hin, Gorbatschow her – war eine positive. „Ei guck, der wird en Scheener!“ Doch, der Historie sei es geschuldet, die Schakkeline h&#246;rte Radio.</p>
<p><strong><em>„St&#228;ndige Ausreisen k&#246;nnen &#252;ber alle Grenz&#252;bergangsstellen der DDR zur BRD erfolgen […]“ „Wann tritt das in Kraft?“ „Das tritt nach meiner Kenntnis […] ist das sofort, unverz&#252;glich.“ „Gilt das auch f&#252;r Berlin-West?“ „Die st&#228;ndige Ausreise kann &#252;ber alle Grenz&#252;bergangsstellen der DDR zur BRD bzw. zu Berlin-West erfolgen.“</em> </strong>Die T&#252;r zur N&#228;hstube flog auf. „Mensch, mach hinne Tsch&#228;ki! Mer foahrn nieber! Nach Goburgch!“ Die sonst sehr gewissenhafte N&#228;herin war gerade dabei das linke Bein des zuk&#252;nftigen B&#228;ren anzun&#228;hen. Ein, zwei schnelle Stiche und das war es dann auch. „Wahnsinn! Wahnsinn“ <a href="http://www.youtube.com/watch?v=jZdPts3gEjg" target="_blank">Revolution Blues.</a> Auf einem Tisch im von allen guten Geistern verlassenen VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg – kurz: SONNI – lag ein B&#228;r. Ein gelungenes Exemplar. H&#252;bsch, freundlich, doch – Oh Egon! Das linke Bein! – leider nicht allzu strapazierf&#228;hig. War das so? Nat&#252;rlich war das so! Oder eben ganz anders!</p>
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		<title>Keinen Plan zu machen, hei&#223;t noch lange nicht keinen Plan zu haben (Walden Nine)</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 12:03:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Lugerth</dc:creator>
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Gegen Abend hatte leichter Regen eingesetzt. Archibald wollte nicht noch einmal feucht werden und kletterte in seiner luxuri&#246;sen Waldwohnanlage zwei Stockwerke h&#246;her. Zwischen den dicken Wurzeln der m&#228;chtigen Eiche f&#252;hlte er sich sicher. Die Felsen, welche von den Wurzeln eingeschlossen waren, gaben die W&#228;rme des hei&#223;en Tages ab, er legte sein B&#228;renhaupt auf den alten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2307" title="schlimme_nacht" src="http://archibalds-weltde.webtagebuch.net/files/2010/07/schlimme_nacht.jpg" alt="schlimme_nacht" width="515" height="196" /></p>
<p>Gegen Abend hatte leichter Regen eingesetzt. Archibald wollte nicht noch einmal feucht werden und kletterte in seiner luxuri&#246;sen Waldwohnanlage zwei Stockwerke h&#246;her. Zwischen den dicken Wurzeln der m&#228;chtigen Eiche f&#252;hlte er sich sicher. Die Felsen, welche von den Wurzeln eingeschlossen waren, gaben die W&#228;rme des hei&#223;en Tages ab, er legte sein B&#228;renhaupt auf den alten Schal und blickte hinaus in den Wald. Der leichte Wind fuhr raschelnd durchs Ge&#228;st und die Regentropfen trommelten leise auf das Blattwerk, weit &#252;ber ihm. Unten blieb es trocken und warm. So kann es bleiben. Er schlief ein.</p>
<p>Er erwachte von der Stille. Die Stille einer Nacht im Wald, mondlos finster. Die Stille, die entsteht, wenn alles nach einer wochenlangen Hitzeperiode aufatmet, wenn die zur&#252;ckgekehrte K&#252;hle wieder den Schlaf zul&#228;&#223;t. Die Stille, die wirkt, als habe Gott der Herr den Stecker rausgezogen, weil ihm das ganze hektische Getriebe der Zweibeiner auf die Nerven geht. Doch in Archibald fand sie nicht statt, die Stille. Im Gegenteil, in ihm pochte es und vibrierte es, eine ihm g&#228;nzlich unbekannte Unruhe hatte ihn erfa&#223;t. Hatte er getr&#228;umt? Er erinnerte sich nicht.  Hatte er Angst, alleine, hier drau&#223;en? Nein! Seine Anoperationsnarbe juckte und zuckte, was sie immer tut, wenn das Wetter sich &#228;ndert und ein gr&#246;&#223;eres Tief naht. Was war ihm? Was fa&#223;te ihn an? Zartrosa fielen einzelne Finger des Morgenlichts auf den Waldboden. Es d&#228;mmerte. Und irgendwann d&#228;mmerte es auch Archibald Mahler, dem B&#228;ren, dem noch eine Geschichte fehlte.</p>
<p>Nat&#252;rlich, das abbe Bein. Wollte er nicht schon seit Monaten die Geschichte davon erz&#228;hlt haben? Gewi&#223;, ein wenig spekuliert hatte er <a href="http://archibalds-welt.de/2010/03/17/wer-die-eine-haelfte-gefunden-hat-muss-auch-die-andere-suchen-kraechzte-der-rabe/" target="_blank">einst im M&#228;rzen</a>, doch sich dann letztlich aus der Verantwortung der pr&#228;zisen und ordentlichen Erinnerung geschlichen. Und nun, hier in der Stille, die auch einem kleinen B&#228;ren unerbittlich den Spiegel vor die Nase h&#228;lt, besuchten ihn seine Gespenster. Hatte er nicht mit Ernst Albert in den letzten Wochen und Monaten kleine Reisen unternommen, hinab ins Heckerland, an den See und sogar in den untergegangenen Osten und war dort staunend auf den Pfaden der Erinnerung gewandelt? Hatte er nicht mit offenem und interessiertem Ohr all den Geschichten gelauscht, die sein Herr und Meister ihm erz&#228;hlt hatte, sich seiner Urspr&#252;nge vergewissernd? Und er machte einen Plan, obwohl er, als er losgegangen war, sich fest vorgenommen hatte keinen Plan zu machen und sich vertrauensvoll den &#220;berraschungen und Wendungen, die ein Tag so vorweisen kann, zu &#252;berlassen. Doch wenn der Plan w&#228;chst aus der Planlosigkeit, ist es ein guter Plan! Hat wahrscheinlich irgendwann mal der Geheimrat gesagt. Er w&#252;rde schauen, in die Bl&#228;tter und er w&#252;rde warten bis die alte, l&#228;ngst &#252;berf&#228;llige Geschichte vom abben Bein aus den letzten Zipfeln der Erinnerung aufsteige. Und dann w&#252;rde er sie festhalten, ein f&#252;r allemal. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=QT2-fDK-Hcc" target="_blank">A journey through the past.</a> Und das ist das Sch&#246;ne am Urlaub: Man ist fr&#252;h erwacht,  man hat nachgedacht, dar&#252;ber wurde es hell, doch die M&#252;digkeit kehrt nochmals zur&#252;ck und man schl&#228;ft wieder ein, ohne schlechtes Gewissen, bis zum Mittagsmahl. Und so tat es dann auch Archibald.</p>
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