Archibald schaut Welt


Ein Mittwoch im Juni am Ufer des Flußes
2. Juni 2010, 06:20
Filed under: Wassertage

lahn_stille

Ein stiller Spiegel.

Tief bohrt sich in das rastende Herz -

das Raschelns eines Blattes.

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Hömma, wat ich grad am denken bin (Unterbrechende Nachricht / Högschte Aktualität)
1. Juni 2010, 14:10
Filed under: Hömma, wat ich grad am Denken bin

wm_sieg

Ich sach mal so: ich machet kurz. Nich ganz so kurz wie der ollen Knöterich und Kumpan Archibald, der getz seine Betrachtung vonne Welt inne japanische Verse giessen tut und nur noch inne freie Natur am rumstromern is. Aber dat Bemühen um die würzende Kürze in meine Folgeworte is sichtbar, tu ich mal hoffen.

Dat erste: Herr Köhler, ich Danke Sie! Nicht fürre Entscheidung den Bettel inne politische Ecke zu knallen. Dat war unnötich wie der berühmte Kropf. Ganz nebenbei frach ich mal: hat et jemals eine Kriech oder dat übliche Säbelgerassel gegeben, wo et nich im wesentlich umme Interessenschaft vonne Wirtschaft am gehen war? (Man nannte das mal den militärisch-industriellen Komplex! Gruß der Setzer) Genau! Da bisse doch am Nachsinnieren, ob die Polit-Herthaners inne Hauptstadt noch alle Pickel auffe Rauhfaser haben! Aber dat nur nebenbei. Nein dat Wesentliche is: getz bin ich wieder fest am dran glauben, dat der Titel nur über unsere Nationale Elf zu verteilen is, weil wegen Ihre Handtuchschmeißerei, werter Herr Köhler, is dat Merkel Angela mal schön in Berlin geblieben und da kann die Nationale Elf drei Kreuze über den Jabulani schlagen, soviel Pech wie die Frau zur Zeit anne knallgrüne Jackett hängen hat. Oder soll ich saren: Unvermögen? Wat immer, dat is im Generellen ein gefährliches Bakterium. Nicht daß der Herr Bundesspielleiter den Lafontaine machen tut? Und der Bierhoff den Koch? Sollnse besser dat Lena inne Kabine setzen! Aber schön die Griffels am eigenen Laib halten, meine Herren!

Dat zweite, wo dat Wort Unvermögen gerade inne Diskurs gerutscht is: Ich danke die spoatliche Weltpresse aus Nordösterreich für die komplette Übernahme von meine Gedankengänge, die ich nach die Testpöhlerei gegen die Magyaren bezüglich die Leistung von unsere (Alp)Traumsturm an diese Ort am verlautbaren war. Deshalb oben Bildkes vom Siech!

Dat dritte: Dem neuen Torwächter Numero 1 A is sein Darm am rumoren und et is nicht gewiß, ob et bis Donnerstach allet gehalten werden kann. Ob der Wiese dann darf? Dat weisse nich, da is die Kacke auch wieder am Dampfen, wegen seine Anmahnung von Begründungen in Sachen Numero 1 B. Irgendwie kriegen die dat mitte anständige Kommunikation nich geregelt. Ich sach mal so: Kann sich wer noch anne Suppenkasperzitat vom Herrn Uli Stein erinnern tun? Sach ich nur mal so!

Also: Schicht im Schacht und ich danke Sie für heute. Et grüßt Euren „Lütten Stan“

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Ein Dienstag im Juni am Ufer des Flußes
1. Juni 2010, 06:32
Filed under: Wassertage

lahn_bootshaus1

Der kleine Fluß.

Eine Dampfwalze fällt hinein.

Oh! Das Geräusch des Wassers.

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Archibald sagt heute: “Ich bin dann mal weg und auf breiten Walzen hinunter zum Fluß!”
31. Mai 2010, 15:48
Filed under: Anregende Buchstaben, Archibalds Geschichte

weg1Er stand vor seinem Gedankenschrank. Er dachte nach. Er versuchte dies zumindest. Die Nachwirkungen der letzten Feierlichkeiten waren nicht mehr zu spüren. Kaum noch, um präzise zu bleiben. Was war zu tun? Die Expedition „Angstmuzak“ fortsetzen? Oder ein Resümee ziehen? Draußen vor dem Fenster roch es seit gestern nach Euphorie. Ein kleines, lustiges Mädchen hatte sie herbeigesungen. Eigentlich schön, wenn ein zutiefst verängstigtes Land sich freut. Und es roch nach Regen. Archibald kratzte sich am Hintern. Die Reise in den Osten vorletzte Woche, sie ging ihm nicht aus dem Sinn. Die Gespenster, die alten Pfade, auf denen Ernst Albert mit ihm dort drüben gewandelt war. Selten hatte er seinen Herrn und Meister so aus der Zeit gefallen gesehen. Archibald mochte das, den forschenden Blick, das konzentrierte Erinnern, das Danebengreifen und im selben Moment das Weitersuchen. Sollte er sich doch mit seiner Geschichte vor der Geschichte befassen? Abbes Bein? Anoperation? Vielleicht! Sein Kumpan Der Lütten Stan war beschäftigt und kaum mehr ansprechbar. „Große Pöhlerei Festspielwochen!“ Ernst Albert und Eva Pelagia hatten damit zu tun, das zur Zeit etwas bockige Eselchen Alltag wieder zum Laufen zu bringen. Die kleine häßliche Stadt war voller schreiender kleiner Aufrechtgeher, die auf fürchterlich häßlichen Plastiksauropoden herumkletterten. Archibald war heute, als wäre die Welt der Aufrechtgeher eine Dampfwalze, die sich von hinten an einen unschuldigen Bären herangeschlichen hatte. Wissen die Zweibeiner eigentlich, wie man bremst? Einatmen. Ausatmen. Das tat er nun, der Bär. Zweimal und kräftig.

weg2Ganz anders! Alles anders! Archibald reckte seine Nase in die Luft und er roch den nahen kleinen Fluß, der die kleine häßliche Stadt bisweilen entscheidend erträglicher macht. Und er wußte im selben Moment, daß ein einfacher Potzrembel-Tag ihm nicht helfen würde. Er benötigte ein stärkeres Mittelchen. Er benötige dringend zehn bis vierzehn Wassertage, hochdosiert. Bären, wie auch die entfernt verwandten Aufrechtgeher bestehen nun mal in der Blüte ihrer Jahre zu über sechzig Prozent aus Wasser. Und offensichtlich wirkt die Nähe von Wasser auf einen etwas verwirrten, extrem wasserhaltigen Organismus defragmentierend, also beruhigend, ordnend und reinigend. Nach einer intensiven Wasserkur fließt der Strom des Denkens mit neuer Kraft und betrachtet im Flußbett der Gedanken Herumliegendes nicht mehr nur als Hindernis, sondern als herausfordernde Garnitur und vertraut wieder auf die Zeit und die Kraft des steten Tropfens. Ein altehrwürdiger japanischer Dichter hatte einst auf seinen Wanderungen herausgefunden, daß die Wirkung einer Flußschaukur durch das tägliche Verfassen eines Haikus in freier Natur immens gesteigert werden kann. Zwei alte Bücher aus Ernst Alberts Bücherschrank riefen Archibald zu: “So ist es! Höre, Bär: Und ich bewarb mich beim US-Landwirtschaftsministerium um einen Job als Brandwache im Mount-Baker-Nationalforst im Kaskadengebirge im grandiosen Nordwesten. Ja, Bär, ja!” Und: “Laß schwellen Deine Brust, oh Bär! Der heilige Ti Jean hat Dich gesegnet! Heilig, heilig, heilig! Alles heilig! Töte den Moloch, der in Deine Seele eingedrungen.“ Archibald wußte zwar nicht, daß ihm soeben zwei alte Beatnikgespenster zur Erfindung des „Große Bären Zen“ gratuliert hatten und auch schienen ihm die Rufe, welche er aus dem Bücherregal vernommen hatte, etwas arg verstaubt und pathetisch, aber er spürte, daß es  höchste Zeit war das Steuer der Dampfwalze Welt in die eigenen Hände zu nehmen.

weg3Der Aufbruch erfolgte schnell, aber ohne Hektik. Archibald bat Ernst Albert um einen alten Schal. Dieser sollte ihm als Decke, Schlafsack oder Regenmantel dienen. Eigentlich eines richtigen Bären nicht würdig, aber Herr Lenz ist dieses Jahr nun mal eine kalte und nasse Drecksau und als Hausbär ist in Sachen Abhärtung doch noch einiges zu tun. Eva Pelagia steckte ihm zwei Büchsen mit Thunfisch sowie ein angebrochenes Glas mit Heidelbeermarmelade zu und bat den Bären inständig auf seine neuen Anoperationsnarben achtzugeben. Dem Lütten Stan versprach Archibald pünktlich zum Beginn der „Großen Pöhlerei Festspielwochen“ wieder in der gemeinsamen Höhle aufzutauchen. High five und Abmarsch! Und dann gab Archibald Gas. Die Dampfwalze Welt rumpelte langsam Richtung Fluß. Archibald hielt das Steuer fest in seiner Hand, anfangs etwas unsicher, doch jeder Meter brachte ihn ein Stück weiter. Er pfiff ein Lied vor sich hin. Nein, nein: nicht das Lied des lustigen Mädchens vom Samstagabend. Etwas von Dauer. Leider fiel Archibald im entscheidenden Moment nicht ein, wo sich die Bremse befand. Unaufhaltsam rollte die Dampfwalze auf den kleinen Fluß zu.

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Hömma, wat ich grad am denken bin (Folge 4)
30. Mai 2010, 11:11
Filed under: Anregende Buchstaben, Hömma, wat ich grad am Denken bin

wm_sieg

Ich sach mal so: mit die Unterstützung für die Nationale Elf is dat mal wieder eine Angelegenheit von die „högschte“ Ambivalenz. Jeder der Teile von sein Herzeken anne Pöhlerei verliert, entscheidet sich zwischen die Einschulung und die Pubertät für seine Club. Oft isset eine Art von Schlüsselerlebnis, dat die Waage in eine Richtung drücken tut, zum Bleistift wennze Libuda gegen Liverpool die Bogenlampe versenken sehen tust in Deine jugendliche Offenheit, oder Netzer mit die Selbsteinwechslung oder die Eleganz inne Bewegung von Herrn Allofs Klaus. Aber et is auch eine gewisse Vorprägung inne genetischen Bereiche zu konstatieren. Da gibbet die, die et sich einfach machen, weil sie immer auffe Seite von die Gewinners rumjubeln wollen und dat sind seit Jahrzehnten die Fans von FC Pommes Schranke aus Nordösterreich. Dann gibbet die, wo die masoschistische Prägung inne Gene sehr prominent is und die entscheiden sich dann fürre Klub vom Werbeprinz Podolski oder fürre Eintracht von Frankfurt oder wenn et richtich schmerzen soll für die Blauen von Vfl Bochum. Apropos „Tief im Westen“: In diese Zusammenhang liegt mich eine Empfehlung am Herzen. Wer inne nächsten Wochen kompetent und inne gut vorbereitete Zustand sein will: dat muß Du lesen. Zurück zu die Nationale Mannschaff. Die krieze ja praktisch mit Deine Geburtsland anne Backe geklebt, so wie die Personalausweise und Deine Lohnsteuerkarten. Gut, getz gibbet Ischen oder Sandalenträger oder andere Abstinenzler, die für die Portugiesen oder Brasilianers oder Kameruners am Daumen drücken sind, weil die so „süüüüß“ inne optische Erscheinung aussehen tun. Da sach ich mal: sofort raus ausse Fernsehzimmer und runter von die öffentliche Guckwiese und Pöhlereikommentarverbot bis annet Ende ihrer Tage. Nä: bei die „Großen Pöhlerei Festspielwochen“ musse Stellung beziehen und Schönheit macht keine Kiste. Kurz und knapp: Pöhlerei und Fairneß inne Betrachtung derselben, dat is neben die FDP und die Besiedlung vonne Planet Mars eines von die größten Probleme, dat die Menschheit noch lösen muß. Dat is die Wahrheit, auch wenn et Dich manchmal inne tiefste Herzen die Nerven zertrampeln tut: die Nationale Elf klebt an Deine Backe. Ruhe getz! Anpfiff!

Ich sach mal so: Siech und abgehakt. Aber die Erkenntnisse diee aussem Spiel ziehen können tust, haben in etwa die Tiefe von dem Balaton, der inne ungarische Ebene platt vor sich hintümpeln tut. Zehn Minuten flottes Offensivspiel, der Khedira mit Selbstbewußtsein und Spaß beim Pöhlen, die Zwergencombo Özil, Trochowski und Marin entdeckt in ihre Verspielheit, die gefallen tut, die alte Tugend von die Doppelpasspielerei wieder und Podolski is nach die Verwandlung vonne Elfmeterpräsent komplett erschöpft, so dat der Herr Bundestrainer ihn inne Halbzeit zwei auf die eine Postion von die Doppelsechs stellen tut, wat auch immer dat bewirken soll. Klose? Da sach ich gar nichts mehr, dat is Elend pur und Gomez kann froh sein, dat der Marin die Faxen dicke hatte und nache Pause dat Motto „Man kann sich auch Bewegen beim Pöhlen“ ausgegeben hatte. Den Magayren war jeder Körperkontakt mit ihre Gegenspielers zutiefst zuwider, keine neuen Zerrungen und Abrisse inne Hiobskartei konnten also verzeichnet werden und der Kiraly hat dat Höschen ausse alte Herthazeiten immer noch am Knie  schlabbern, während et den neuen Einser immer mal wieder magisch in Richtung Mittellinie ziehen tut. Dat sollte er in Südafrika mal besser nich tun, nä? Und wat dat soll, dat sechsmal dat Auswechslungstäfelchen hochgehalten wurde, da ist alle Erkenntnis meinerseits weit hinter dem Horizont versunken wie die Abendsonne hinter dem Ferensz Puskas sein Stadion. Jeder darf mal allet versuchen? Kannze machen, musse nicht. Und warum die zwei neue Chefs Lahm und Schweinsteiger in Südtirol die frustrierten Beine am Hochlegen waren? Erzähl dat mal „Tanne“ Fichtel!

Ich sach mal so und dat is kein Fatalismus: eine Erkenntnis is dann doch gezochen worden: wennze schon die Jugendnationalmannschaft auffen Platz schicken tust, dann kannze auch gleich dat alte, von mir hochgeschätzte Kopfballungeheuer Hotte Hrubesch anne Seitenlinie stellen. Der hat gezeigt, dat er et kann. Und wie!

Also: Schicht im Schacht und ich danke Sie für heute. Et grüßt Euren „Lütten Stan“



Man läuft nicht alleine, wenn man schaut wie der Fluß vorbeifließt (Auerbachs Keller revisited)
28. Mai 2010, 15:37
Filed under: Archibalds Geschichte

hundert_tage2

„Herr Mahler, kann ich Sie etwas fragen? Auch hier und jetzt?“

„Können Sie? Dann tun Sie es!“

„Kurz und bündig: Haben Sie eine Vorstellung davon, wie wir beide in diese Lage gekommen, gerutscht oder gefallen sind? Haben Sie eine konkrete Erinnerung daran, zu welchem Zeitpunkt die Änderung unserer Lage in dieser Radikalität eintrat? Oder ist ihnen der Ablauf der letzten Stunden noch so detailliert vor dem inneren Auge, daß Sie mir mitteilen können oder zumindest den ein oder anderen Anhaltspunkt zur Verfügung stellen würden, wann und wie und wo und warum – das sei nicht vergessen – die Änderung unserer Lage eintrat und in der jetzigen Manifestation ihr Ende fand? Ist Schieflage ein angemessener Ausdruck dafür? Was meinen Sie, Herr Archibald Mahler und Bär vom Brandplatz?“

„Dies nun nennen Sie nun kurz und bündig?“

„Gewissermaßen ja, war es doch Ihr leuchtendes Vorbild, welches mich davon überzeugte all meine Äußerungen unter dem von Ihnen oftmals propagierten Banner der Präzision zu formulieren, präzise in Form, Inhalt und Ziel der getätigten Aussage, in hörbarer Abgrenzung vom allseitigen Faul- und Dummsprech der Kaste der Aufrechtgeher. Kritisieren Sie mich nun bitte nicht, wenn meine Wenigkeit tätig Ihrem Ansatz huldigt!“

„Sie übertreiben und ich habe Hirnweh!“

„Nun dennoch, die Antwort!“

„Schwerkraft!“

„Sie meinen lediglich das Phänomen der Gravitation war es, das unsere Körper aus der Vertikalen in die Horizontale beförderte?“

„Schwerkraft und Braukunst, wenn ich präzise sein will!“

„Ein mir bis jetzt unbekanntes Phänomen!“

„Das komm davon, wenn ein bis gestern überzeugter Karottennager sich plötzlich über Frankfurter Würstchen hermacht!“

„Köstlich waren Sie, köstlich, vor allem wenn man sie vor dem Genuß eintaucht in diese schäumende gelbe Flüssigkeit. Fatal köstlich.“

„Allerdings: fatal. Kalte Würstchen in warmes Bier getunkt. Mein Magen protestiert!“

„Ach, man gibt plötzlich das Sensibelchen. Ich zitiere in diesem Zusammenhang lediglich und das vollkommen unauthorisiert: in Honig eingelegtes Aas, Lachs an Heidelbeersoße, überbackenes Bisamrattenschnitzel und mit Thunfischstückchen gefüllter Schafsdarm aus einer Zweibeinermülltonne. Alles ganz oben notiert auf den Bärenspeisekarten dieser Welt und jetzt wehleidiges Rumgemopper, wenn unsereins nichtsahnend totes Tier in Bier stippt.“

„Mir ist schlecht!“

„Mir auch!“

(Eine lange Zeit  wird geschwiegen, sich sortiert, leises bis lauteres Stöhnen im Zweiertakt, Gedärme rumpeln, Gase entweichen, die Fenster werden geöffnet. Das Licht scheint den Anwesenden zu hell.)

„Herr Mahler?“

„Herr von Lippstadt-Budnikowski  auf Datteln?“

„Zu, bitte, zu!“

„Ja, das war man gestern!“

„Zu Datteln! Nicht auf Datteln!“

„Makrele auf Datteln! Das wäre es jetzt!“

„Sie sind überzwerch, Herr Bär!“

„Das macht der Kater im Bären!“

„Schön war sie trotzdem, unsere kleine Feierlichkeit zum hunderttägigen tätigem Weltguckjubiläum!“

„Wissen Sie, Freund Lütten Stan, ich sage immer: feiern Dich nicht andere, feiere Dich selber. Alte Solitärbärweisheit aus Kamschatka bei Wyoming.“

„Da sagen Sie was Wahres. Wird gespeichert!“

„Geht doch. Das war jetzt mal bündig und kurz.“

„Könnten Sie noch einmal dieses Lied singen vom gestrigen Abend?“

„Ach, ich weiß nicht!“

„Und wenn ich Sie ganz fest bitte?“

„Sie sagen es nicht weiter?“

„Hömma: großet Ehrenwort und keine Fingers gekreuzt hinner dem Hasenpöter! Kannse woll glauben, Du alten Brummbär!“

(Herr Mahler beginnt zu singen, bald stimmt Herr von Lippstadt – Budnikowski zu Datteln ein. Im Hintergrund beiläufig lebensfroh eine Flasche Licher Pilsner.)

„Uns ist ganz kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen! Uns ist ganz kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen! Uns ist ganz kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen! Uns ist ganz kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen!“

(Im Hintergrund leicht schwankend der Geheimrat mit erhobenem Zeigefinger. Sein alter Freund Mephistopheles steht neben ihm, grinst wie ein Koch, der gerade die Kelle in den Suppentopf geworfen hat, schwingt sich feixend auf die Bierflasche und reitet auf seinem Glasroß durch das geschlossene Fenster hinaus in die feuchte Frühlingsluft.)

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Hömma, wat ich grad am denken bin (Unterbrechende Nachricht / Högschte Aktualität)
27. Mai 2010, 21:28
Filed under: Hömma, wat ich grad am Denken bin

wm_sieg

Ich sach mal so: obwohl der Herr Mahler und ich gerade innet Zentrum von die Feierlichkeiten wegen die hundert Tage am voranpreschen sind und die Pilsken schäumen und die Gehirnwindungen desgleichen, dat wat ich gerade am lesen bin, kann ich in meine Verantwortung wegen die Chronistenpflicht nicht unkommentiert lassen. Hier is dat Zitat vonne Deutsche Presse Agentur, wobei ich mich am fragen bin, ob die dat ernst am meinen sind, wenn die dat in die versammelten Tickers vonne Pressewald rauschicken tun. Also: „In Torlaune hat sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in einem Trainingsspiel präsentiert. Gegen eine U20-Auswahl der vier Vereine der Gemeinde Eppan siegte das Team von Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch mit 24:0 (11:0). Die erfolgreichsten Torschützen waren mit jeweils fünf Treffern Miroslav Klose und Mario Gomez, die jeweils eine der auf 30 Minuten angesetzten Halbzeiten spielten. Die weiteren Treffer erzielten Piotr Trochowski (3), Cacau (2), Stefan Kießling (2), Andreas Beck (2), Toni Kroos (2), Arne Friedrich (1), Sami Khedira (1) und Lukas Podolski (1). Insgesamt wurden 20 Spieler eingesetzt.“

Un dat lädierte Kinn vom Bergradfahrer Müller? Gib mich die Nachricht! Aber Spaß anne Seitenlinie, wo ich gerade dat nächste Feierpilsken am versenken bin, is die Frage die mich bewegen tut: nur eine Kiste von Herrn Werbeprinz Podolski? Sorgenfalten anne Stirn, sach ich mal. Trost is dann die Treffsicherheit von Herrn Arne Friedrich! Trotzdem singt dat Pöhlerherz: Siech! Siech! Siech! Getz geh ich in den Keller, hol dat schwarzrotgelbe Fähnchen aus die Umzugskiste und morgen is et am Fensterbrett am hängen! Und dann kann der Ungar sich mal ordentlich warm anziehen am nächsten Samstach! Fritzwalterwetter is uns allen durch den ehrenwerten Herrn Lenz garantiert. Stößchen!

Also: Schicht im Schacht und ich danke Sie für heute. Et grüßt Euren „Lütten Stan“

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Man läuft nicht alleine, wenn man schaut wie der Fluß vorbeifließt (Vorspiel auf dem Fensterbrett)
27. Mai 2010, 15:48
Filed under: Archibalds Geschichte, Draußen vor der Tür

hundert_tage1

Die Herren und Damen Aufrechtgeher bewerten ja gerne. Häkchen dran und so. Etikett und Label. Branding. Die Realität formatieren. Punkt. Und dazu gehören auch die ersten hundert Tage einer neu aufgenommenen Tätigkeit, Aufgabe, Arbeit, Beziehung oder was auch immer. Gebt mir hundert Tage Zeit und ihr werdet sehen, was ich nicht sehe. Haben Sie, was wollten Sie, was versprachen Sie und wo laufen wir denn jetzt, Herr Archibald Mahler? Warm. Wärmer. Kalt. Lauwarm. Kalt. Puuh und Winnie! Da saß er wieder der Bär, auf der Fensterbank, wo alles begann, einst am Aschermittwoch dieses Jahres  und schaute. Heute in Cinemascope. Was sah er? Die Zweibeiner rasten weiterhin in die Kaufbuden, ließen ihre vierrädrigen Blechmilben aufheulen und grämten sich oder auch nicht. Die Luft war nur unwesentlich wärmer als im Februar, aber es regnete nicht. Draußen zumindest. In des Bären aufgeregten und hibbeligen Synapsen jedoch regnete Unausgegorenes und Unvollendetes in die Fächer und Regale seines Gedankenschrankes. Sein Kleinhirn rauschte wie der Rheinfall zu Schaffhausen bei Hochwasser. Hundert lange, kurze, schöne und manchmal grausige Tage lagen hinter ihm. Bilder, Düfte, Anekdötchen, Querverweise, Kreuzerinnerungen und schon wieder vergessen. Soll ich jetzt ein Resümee ziehen oder nicht und wenn, dann wie und wo und warum und wo sitzen wir gerade? Das Telefon klingelte unentwegt. Gratulanten. Der Herr Geheimrat ließ anrufen. Aus der Stadt mit den Türmen der Gier übernahm es die Frau Mama und schickte ein Tupperware-Döschen mit „Grie Soß“. Aus der schönen Stadt im Osten tat es Frau Vulpius und schickte  zwei handgeflochtene Thüringer Klöße. Herr Hoeneß Ulrich war immer noch extrem gut gelaunt und verzieh alte Beschimpfungen bezüglich des Ersten FC Pommes Schranke und sprach auf den AB. Herr van Gaal, das Feierbiest, schenkte Archibald via SMS ein Zitat. „Heute morgen glaubte ich, ich sei tot, aber Du bist eine Gladiole.“ Woraufhin Herr S. Beckett anrief, und fragte, wo dieses Zitat käuflich zu erwerben sei zwecks Weiterverwertung. Er beabsichtige das „Endspiel“ zu aktualisieren, posthum und via Himmelsleitung. Er hatte Pech, denn das Zitat wurde heute schon feierlich zu Händen Frau Eva Pelagia weitergereicht. Herr Löw rief an, um zu sagen, daß er nicht anrufe. Herr Hermann Siddharta ließ grüßen als Vorsitzender des Verbandes „Professionelle Wasserbetracher mit Zeit e.V“.  Zwei Bären aus dem Heckerland namens Karamazow und Parkinson hatten eine Postkarte geschickt, Absender  c/o Justizvollzuganstalt Freiburg. Die zwei Genossen hatten wohl eine Horde befreundeter Bären befreit. Die Höhe des dabei verursachten Sachschadens bewege sich im vierstelligen Bereich. Aber es ginge ihnen soweit gut.  Herr Lenz ließ sich zum wiederholten Mal entschuldigen. Er habe Probleme mit der Installation seines Wärmeprogrammes, Herr Wintersen habe ihm da einen veritablen Bug ins Betriebssystem gesetzt. Und Herr Robert Zimmermann? Er dachte an Archibald, solidarisch. Eva Pelagia hatte den Frühstückstisch mit in Heidelbeeren und Honig eingelegten Lachs garniert, Ernst Albert sang „Man gave name to all the animals“ und Herr von Lippstadt – Budnikowski zu Datteln vermachte seinem Kumpan ein Paninisammelalbum aus dem Jahre neunzehnhundertneunundachtzig. „Hömma, dat is von Nobby Dickel höchstpersönlich mit seine Unterschrift signiert. Dann kannse bei Ibäh Dollares ohne Ende für erzielen.“ Im Hinterhof steppte eine Horde Sauropoden den Mittelhessenblues. Volker Bouffier ließ sich entschuldigen. Er müsse heut Abend kochen.  Frau Grobe – Balz auch und sie könne nur kommen, wenn man sie mit Herrn Archibald Mahler pressetauglich ablichtete. Archibald, der Bär,  verzichtete. Hotte “Der Ehrenbürger” Richter seinerseits dachte noch nach. Das dauert. Die Glocken am Kirchplatz gaben alles. Achtzehn Uhr. Volljährig nun ist der heutige Tag. Kein Grund zu klagen.

Draußen vor dem Fenster ein Hauch von Sonne, viel Himmel über Archibalds Kopf und er war sich sicher, daß da erstens noch einiges geht (Vorsicht: keine Nachlässigkeit im Sprachduktus und herzlichen Glückwunsch zu den ersten hundert von tausenden Tagen: Dein Setzer) und er freute sich darauf, weiterhin auf die Welt zu schauen und all diese Geschichten auf sich niederregnen zu lassen. Herr von Lippstadt – Budnikowski hielt sich im Hintergrund, studierte WM – Spielpläne und blies seine Vuvuzela warm. „Hömma, Pilsken is am waamwerden!” Nun denn, ein kleiner Jubiläumsumtrunk wartete wohl. No sleep till Hammersmith! Stößchen!

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Man läuft nicht alleine, wenn man schaut wie der Fluß vorbeifließt (Prolog)

never_walk_alone

Es entspann sich folgendes Gespräch am heutigen Frühstückstisch in Mittelhessen:

„Ist eine Frage erlaubt, Herr von Lippstadt-Budnikowski zu Datteln?“

„Selbstredend, Herr Mahler!“

„Was lesen Sie?“

„Wie lesen Sie!“

„Wie?“

„Wie! Eben! Danke der notwendigen Nachfrage! Antwort ist, ich lese mit den Ohren.“

“Sehr interessant!“

„Sie?“

„Wir können uns auch duzen.“

„Zu früh, zu schnell. Sie lesen wie?“

„Mit der Nase! Buchstabenriechen. Nie gehört?“

„Eher nicht. Schon lange?“

„Seit Aschermittwoch. Gelegentlich. Sonst wird geschaut!“

„Aha! Und was lesen Sie jetzt oder eben Ihre, die Nase, Herr Mahler?“

„Flut. Ölpest. Sturmtief. Sinkende Schneefallgrenze. Bouffier statt Koch. Merkel in Arabien. Westerwelle ohne Halt. Sauropoden werden in Mittelhessen von Kindern unerzogener Mütter geentert.“

„Ermüdend, finden Sie nicht?“

„Gewiß. Sie anderthalben lesen?“

„Sport in Südtirol.“

„Ist Präzision möglich, Herr von Lippstadt-Budnikowski zu Datteln?“

„Hören Sie zu: ‚Damit sind wir genug gestraft, denn wir fahren nicht zur WM, um nur ein paar Spiele zu machen, aber wir müssen mit Verletzungen umgehen können, das ist ein bißchen dünn, doch mehrere Optionen sind da, weil WIR sind als Trainerteam für Gedanken-Strategien bekannt und WIR haben einen Plan, bei dem die Oberschenkel manchmal heftig brannten und einen freien Nachmittag genossen, weil WIR wissen, jeder Tag ist wichtig und gleich wieder hundert Prozent geht nicht, auch gibt es wenige Spieler, die das Erlebnis haben, eine WM spielen zu dürfen. Christian war dicht davor bei der Chancenverwertung und WIR müssen wir uns erheblich verbessern.’ Soweit wurde zitiert.“

„Reinhold Merkel? Angela Meßmer?“

„Nein, die besuchen lediglich das Trainingslager und halten erheiternde Vorträge. Der Freiburger mit dem Schal hat es verbrochen und sein Hansi, der Flickschuster.“

„Ojemine, wage ich zu bemerken. Möchten Sie einen musikalischen Beitrag zu unserem Gespräch beitragen?“

„Tautologie!“

„Trotzdem!“

“Gerne.“

„Danke!“

“Ihr Beitrag?“

“Der Situation geschuldet: jener!”

“Aha! Schreibt man dieses Lied nicht dem Herrn Zimmermann zu?”

“Oho! Gescheit, der Herr. Ein Art Nachklapp! Vorgestern! Sie wissen!”

“Verziehen!”

“Die zweite Frage, wenn erlaubt: Sie sind vorbereitet auf den morgigen Tag?“

„Gewiß!“

„Ich verschweige meine Nervosität nicht.“

„Das habe ich auch nicht getan.“

„Kritik zu üben, wäre mir fremd.“

„Aber?“

„Wo ihre dialektische Einfärbung geblieben ist, darüber darf ich mich doch wundern?“

„Haben Sie noch nie eine Rolle gespielt?“

„Wer hat das letzte Wort?“

„Mein Name ist…“

„Sagen Sie es bitte nicht!“

(Zwei Mobiltelefone klingeln. Van Gaal ruft an und Beckett auch. Zu früh. Zu früh. Einen Tag zu früh.)

“Ich hatte etwas vergessen!”

“Herr von Lippstadt-Budnikowski zu Datteln, man hört zu!”

“Junior Podolski hat zwei Hütten vorbereitet gegen den FC Südtirol.”

“Sie wiederum wissen, was Herr Littbarski – Prinz von Köllen dunnemal – sprach, als einstens 1990 Herr Kohl gratulierend auf ihn zu schwankte in Rom?”

“Nein!”

“Er sprach: Da kommt ein Berg auf mich zu!”

“Und dann?”

“Versteckte er sich hinter Auge. Der Berg entdeckte ihn nicht!”

(Die Mobiltelefone stellen ihr Klingeln ein.)

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Warum heute ein guter Tag ist oder R.Z. wird 69
24. Mai 2010, 00:44
Filed under: Robert Zimmermann

dylan

Archibald erinnert sich. Er lag auf der Strasse. Er war zwei Teile. Ernst Albert hob ihn auf, trug ihn fort, setzte ihn neben sein Bett. Das abbe Bein lag ihn Nähe des Rumpfes. Eine Ahnung von Gesundung am Horizont. Zweifel jedoch auch, denn gerettet zwar, aber nicht gesundet. Das erste, was er vernahm in der neuen Heimstatt war die Stimme. Die Stimme, die man nicht vergißt. Die Stimme, die fröhliche Runden spaltet. Die Stimme, die vereinnahmt wird, zerlegt, belastet, aufgeblasen mit Bedeutung. Das weiß der Bär nicht. Er hört und sonst nichts. Was er hört? Er hört einen aufrechten Aufrechtgeher, der singt, dichtet, Mundharmonika bläst, die Gitarren schlägt. Mehr nicht. Nicht weniger. Vierhundert Lieder. Fast alle hat Archibald schon vernommen. Hat Herr Ernst Albert denn keine anderen Platten? Gewiß. Und? Dann wieder die Stimme. Vierhundert Lieder, die vierhundert Geschichten erzählen und letztlich nur die Eine. Leben. Einatmen. Ausatmen. Gott. Fertig. Der Sänger. Er nennt sich anders, als er heißt. Er ist nicht da. Er ist woanders. Er ist da, wenn man ihn braucht. Er ist verschwunden, wenn man ihn ans Kreuz nageln will. Er ist viele. Er ist keiner. Er ist normal. Er ist kein Genie. Er tröstet. Archibald hat sich an ihn gewöhnt. An die Stimme, die über seinen Pelz rumpelt und knarrt und näselt. Gewöhnt? Mehr. Viel mehr. Die Stimme redet und redet, aber sie quatscht nicht. Die Stimme kann man lesen. Die Stimme muß man lesen. Kaum einer tut das. Andere machen daraus die Bibel. Sollen sie. Archibald riecht gerne die Strassen und die Kaschemmen und die Frauen und die Friedhöfe und die Lügen und die Rügen und die Versprechen und die Versprecher und die leeren Tanks und die vollen Herzen und die zerbrochenen Spiegel und die geflickten Träume, die aus den Gesängen in seine Höhle tröpfeln. Die Welt hörend schauen. Archibald mag es, wenn Ernst Albert seinem Meisterlein huldigt und dessen Lieder auf seinen Gitarren schrammelt und keine Rücksicht nimmt auf Formen, Farben, Vereinbartes und Noten. Der Meister selbst nimmt keine Rücksicht auf sein eigenes Werk. So ehrt er es und hält es am Leben. Man beschwert sich darüber. Es sind seine Lieder. Archibald hat die Vermutung, daß die Stimme begeistert Welt schaut. Die Welt verursacht der Stimme Schmerzen. Davon ist zu berichten. Von der Freude auch. Die Stimme stiehlt. Und verkauft. Was ich sehe und höre, ist mein. Nimm es. Es gehört Dir. Manchmal bin ich der Weihnachtsmann. Die Aufrechtgeher, die Bescheid wissen, sagen: er kann nicht singen. Die Aufrechtgeher, die Bescheid wissen, sagen: er kann nicht Gitarre spielen. Die Aufrechtgeher, die Bescheid wissen, sagen: er kann nicht Mundharmonika spielen. Selbstverständlich haben sie recht. Sie können es ja. Besser! Freeze? Die Aufrechtgeher, die Bescheid wissen, kennen seine Texte nicht, aber zwei seiner Lieder. In den Wind geblasen. Rollende Steine. Aber bitte wenn, dann die eine Fassung. Welche? Müßig diese Diskussionen. Archibald verbindet die Stimme immer mit: das Bein ist wieder dran. Aber ab war es auch. Und das ist gut so! Herzlichen Glückwunsch, lieber Robert Zimmermann. Und vielen Dank! Für alles! Sagt Ernst Albert. Archibald schließt sich an.