Beiträge vom September, 2018

Fifty Ways to Leave Your Country / Versenkung

Montag, 24. September 2018 13:18

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You never walk alone, when you’re skin is thin

Auf alten Pfaden wandelt man nicht allein. Alte Geschichten, Sagen, Überlieferungen, Wiedergänger, Dämonen und andere Gespinste begleiten dich, wenn Du Dir Zeit nimmst, Herz und Poren öffnest und die Suche beginnen läßt. Wer sogar über die Gabe verfügt aus sich herauszutreten und in fremde Häute zu gleiten, wird reich beschenkt werden. Die Gespenster machen ihn zum Gefährten.

So steigen unsere zwei Reisenden von Kardamilli hinauf zum Plateau von dem die alte Kirche Agia Sofia hinabblickt auf den Golf von Messenien, um mitzublicken und dies in den Häuten des alten Popen der Agia Sofia sowie seines Maulesels Spirgos von Petrovouni. Und da sie vorbeikamen an zwei vergitterten kleinen Felshöhlen, in denen der Sage nach die zwei Zeussöhne Castor und Pollux ihre Grabstätte gefunden haben sollen, hatte sich die Zahl der Bergersteiger verdoppelt, da den zwei Brüdern das Liegen in der Höhle etwas langweilig geworden war und auch die Toten ab und an Bewegung brauchen und der Blick aufs Meer schadet verstorbenen Seelen nicht.

(Ein nicht unwesentlicher Hinweis muß hier seitens des anonymen Erzählers platziert werden. Die kleine Wanderung, von der wir berichten, fand statt am Vierzehnten Juno des Jahres 2018, am Firmament regierte das Zeichen des Zwillings, dem die zwei Geminis Namensgeber waren. Später mehr davon.)

An der nächsten Ecke wieder, gepeinigt von arthritischem Stechen im maladen Knie, rastete auf einem Steine die Heilige Sophie. Sie hatte Charon becirct und dieser sie ins Diesseits gerudert, ihr aber den heiligen Schwur der Rückkehr abgenommen gegen die Androhung ewiger Verdammnis an der Seite des Fliegenden Holländers, Arien singend. Die ihr geweihte Kirche ward zum Schauplatz einer kleinen Feier auserkoren worden und da wollte sie nicht fehlen da oben, doch dieses morsche vermaledeite Gelenk, es hinderte stärker als erwartet. Man beschloß sie kurzerhand auf den Rücken des Maulesels zu setzen. Da aber der in der Mauleselhaut atmende Wanderer von Natur aus eher etwas leptosom gebaut war und ist, eilten – Oh Empathie, oh Solidarität, die Du noch beheimatet bist in den Gebüschen am Rande eines alten Monopathi hoch über Kardamilli! – ein Dutzend wuseliger Eidechsen herbei, bereit die kleine Truppen ziehend, schiebend, anfeuernd den Berg hinan zu begleiten. Es schien zu gelingen, auch wenn der Schweiß aus allen Poren der Truppe schoß. Man behauptet sogar, der Geist eines der letzten an den Hängen des Taygetos erlegten Bären habe sich in Sachen Transport der Heiligen Sophia beteiligt, maßgeblich gar.

Klären wir noch das Geheimnis der Wasserflasche. Auf den Treppen der Alten Kirche feierte – im Zeichen von Castor und Pollux geboren – die Wunderbare Eva Pelagia ihr Wiegenfest mit Wasser, Nektarinen und Keksen. Sie hatte sich gewünscht, dies einmal im Land der mit der Seele Gesuchten tun zu können. Da konnte der Ehrenwerte Ernst Albert nicht nein sagen. So geschah es. Die Gespenster tanzten mit und sangen und man nahm die Erfrischungen, welche gereicht wurden dankend entgegen.

Lesen wir zum Schluß von dem, was wir im allgemeinen Stimmengewirr den Herren Makrelios und Budnijakos zuordnen können.

„Makrelios, auf dem Abstieg aber sind Sie der Maulesel!“

„Selbstredend, Freund Budnijakos! Doch hetzen wir nicht. Dieser Moment mag länger verweilen!“

„Nichts lieber tun, als diesen Blick hinab!“

„So ist es!“

„Wohin mag jenes Seil führen?“

„Blicken wir hinan!“

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Fifty Ways to Leave Your Country / Hinan

Samstag, 22. September 2018 21:56

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Alte Wege oder Ankunft ist wichtiger als Herkunft

Auf uralten Steinen hinan. Wer sich erinnern mag, erzählt davon, daß noch vor hundert oder wenig weniger Jahren der Pope seinen Esel hinaufzog zur Kirche, geweiht dem heiligen Stefan. Wenn der Pope sich erinnern mag, erzählt er von den Vätern, die die Steine den Berg, der wohlgefällig hinab blickt auf Kardamilli, hinauf schleppten, in die ausgetrocknete Erde schlugen, einen Pfad zu schaffen. Wenn der Steineschlepper zurückblickt, wendet sich sein Erinnern in jene tosende Nacht, da ihn etwas anfaßte und sprach: Yannis, die Götter zürnen, es ist an der Zeit sie zu beruhigen. Errichte ein Gotteshaus und beuge das Knie. Da nun die Götter sich umdrehten der Zeit vor ihnen nachzusinnen, war es an ihnen zu zweifeln. „Wer von uns warf den Menschen auf diesen friedlichen Planeten?“ Doch jene bemühten sich weiterhin. Man stieg hinan. Ein jeder für sich.

Der Tag war, trotz des frühen Aufbruchs, ein heißer. Der steile Pfad war, trotz fast durchgängiger freundlicher Beschattung, Herausforderung. Das Gespräch der beiden Steiger war, trotz massiven Klärungsbedarfs, eher rudimentär. Mehr als Zitate, Fetzen, Mosaiksteinchen zu übermitteln sehen wir uns heute nicht in der Lage.

„Einfach nichts tun und dafür geachtet zu werden ist verachtenswert!“

„Ankunft ist wichtiger als Herkunft!“

„Die Welt zu ändern ist größenwahnsinnig!“

„Aber man darf die verachten, die nichts tun und nicht die, welche es wenigstens versuchen.“

„Die Welt wartet nicht auf uns!“

„Wir werden es nicht lösen!“

„Was?“

„Das Rätsel unserer Ankunft!“

„Herkunft?“

„Auskünftig werden wir schweigen!“

Auf den Tonbandaufnahmen, die wir in den Händen halten, überlagert schwerer Atem, Keuchen und Knacken der Gelenke die gesprochenen Worte. Was wir vermelden können: Agia Sofia ward glücklich erreicht. Und: Die Wasserflasche trugen andere hinan. Davon später und heute soweit Dankbarkeit.

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth

Fifty Ways to Leave Your Country / Ertrinken

Mittwoch, 19. September 2018 18:26

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Am Gestade wartend Mutter, Tochter, Weib, Sohn und Neffen – weinend

Seit Wochen oder Tagen saßen nun Angelos Makrelios und Kostas Budnijakos, fest umklammernd das erste aller Biere namens ALFA, ihre Taschen zu leer ein letztes, ein OMEGA zu erwerben, am Strand links von Kalamata und blickten gelassen, sorgenvoll, selbstvergessen, froh und müde hinaus auf das Meer, das herrliche, lebensspendende, beglückende, verschlingende, mordende, gnadenlose Meer. Mond fiel, Sonne stieg, Wolken zogen, Sterne einander zuzwinkernd, Kometen jagten – Wünsche fordernd – vorbei. Den Soundtrack fügen hinzu Zikadencombos und einsame Eselschreie.

Warum so lange? Warum so lange sitzen? Warum dies lange Schweigen? Zunge schwer vom geteilten ersten und letzten Biere? Sind halt faule Säcke da unten, wie die Germanenweisheiten badisch sächsisch bundesweit und ziemlich breit verkünden? Zu kurz gesprungen!

Mahler (Angelos Makrelios) und Budnikowski (Kostas Budnijakos) steckten in fremden Häuten und blickten – ALTE MÄNNER – hinaus auf’s Meer.

„Alles leer! Keine Flossen! Kein Zappeln! Schlaffe Netze!“

„Ne! Selber schuld?“

„Auch! Man denkt da sei kein Ende!“

„Die Gäste legten große Scheine auf den Tisch!“

„Und immer kleiner wurden die Fische!“

„Später dann die Tische!“

„Der Hoffnungstank schrumpfte!“

„Die Selbstverständlichkeiten rosteten wie die Leiber verschrotteter Boote.“

„Wir zimmerten unsere Särge aus dem Rümpfen untergegangener Kaiki!“

„Dann können wir auch hier sitzen bleiben und weiter treiben nach den Bieren Beta, Delta, Phi, Rho und so!“

„Schöner Reim, trifft den Keim!“

„Bleiben wir also sitzen!“

„Ne! Man mag kein reicher alter Mann werden, der auf einem Elektro – Fahrrad sein schlechtes Gewissen streichelt!“

„Drehen wir uns um! Der Taigetos!“

„Hinauf! Ohne Tricks!“

„Ach Du grüne Sieben! Wer was oder sich so alles aus dem Fenster hängt!“

„Die Unterwäsche? Ochi! Ab sofort wird geschwitzt!“

„Jetzt?“

„Na ja!“

Der Aufbruch verzögerte sich, da das bis eben noch etwas danebige Gespräch an Abgründen gewann, der Tiefe der See angemessen, jener Tiefe, in der sie alle ruhen, die Fische, die Plastikpartikel, die hoffnungsvoll Geflohenen, gierig Geflohenen, verzweifelt Geflohenen, die Lebenstraurigen, sich selber überhoben Habenden, die selbstverliebten Sportsflinten,  die verbohrten Abenteueridioten und jene, welche denen folgten, die sie vermißten. Und Ernst Hemingway ohne sein Gewehr und ohne einen ersten oder letzten Drink.

Und so stand Budnijakos auf, packte den Makrelios am traurigen Ohr und man stieg hinan. Jeder Schritt bergan pfiff frische Zweifel in die Köppe. Nach ALFA. Und vor OMEGA:

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth