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Fifty Ways to Leave Your Country / Eine Flucht

Sonntag, 12. August 2018 17:50

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Vom Obolus entrichten, früher oder später und zu spät

“Stellen wir uns vor, lieber Budnikowski, wir hätten es geschafft, kurz vor dem Tor zum Hades links abzubiegen, an Land zu klettern, die enge kleine Straße hinaufzusteigen Richtung bewohntes Felsenland!“

„Bei der Hitze? Mahler! Hinaufsteigen?“

„Wir haben die Querung des Meeres überlebt!“

„Wirklich?“

„Natürlich nicht, wir wollen lediglich versuchen ein bißchen was zu begreifen. Eine kleine blöde Übung in Sachen Empathie, um den inneren Kompaß mal wieder zu justieren.“

„Ist der Hades eigentlich genauso übertrieben beheizt wie die Hölle?“

„Eher nicht! Man glaubte damals an keinen Himmel, der für was auch immer belohnt. Der Hades war für alle da. Deshalb vermute ich, dort ist es angenehm temperiert. Gleichbleibende Temperaturen sommers wie winters, wie dies eben bei Höhlen der Fall ist.“

„Und warum kostet der Hades Eintritt?“

„Budnikowski, der Fährmann will ja auch nicht leben wie ein Kerberos. Irgendwann muß ein jeder seinen Obolus entrichten. Oder wollen Sie am Ufer des Totenflußes hundert Jahre lang als Schatten hin – und herspazieren?“

„Sie ham’s ja mit der Unterwelt, Herr Mahler!“

„Nun, wenn einem ein Bein vom lebendigen Leibe gerupft wurde, dieses anschließend lieblos oder im Zorn gar auf den Boden gepfeffert und der Rest gleich hinterher? Was meinen Sie, worum meine Gedanken kreisten in den langen Minuten oder Stunden bis der Ehrenwerte Ernst Albert mich fand?“

„Wahrscheinlich haben Sie Ihr Kleingeld gezählt!“

„Ihr Wort in Charons Ohr!“

„Wo sitzen wir eigentlich?“

„Auf Resten ehemaligen Wohlstands, vielleicht sollen wir hier ankern, aber auf alle Fälle darauf warten anzukommen.“

„Aber ich dachte – jetzt mal nur angenommen – wir sind nicht ganz-  aber halbtot – an Land geklettert, also angekommen.“

„Das scheinen viele etwas anders zu sehen. Von uns wird jetzt erstmal erwartet, daß wir hier sitzen bleiben und uns dafür bedanken warten zu dürfen!“

„Gibt es eine Belohnung?“

„Vielleicht, wenn hinter den sieben Bergen die Ängste schlafen gehen. Aber morgen haben wir ein vorläufiges Dach über dem Kopf.“

„Das da unten? Weia!“

„Eben, das ist das Scheißspiel! Hinter den sieben Bergen geht man davon aus, daß die hier unten, die vor kurzem pleite waren und es weiterhin sind, das wenige, was sie haben, schon teilen werden.“

„Mannomann, wenn man so Denkspiele macht, beginnt man zu frösteln. Trotzdem ist hier verdammt heiß!“

„Ach. Pustekuchen. Hinter den sieben Bergen werden sie bald an Ihrem Reichtum verdursten. Schon in Ordnung hier. Denk ich mal!“

Und so weit wir das noch vernehmen konnten, stimmte der Ehrenwerte Ernst Albert seinem Bären zu, auch wenn dieser manchmal zur Überspitzung neigt und man gewährte den beiden Denkspielern Mitfahrt ins nahe Vathia. Und während die Göttliche Pelagia das Lenkrad bediente, erzählte der Co – Pilot von einem seiner Lehrmeister – nennen wir ihn Panagiotis Krassi – welcher schon in den frühen 70ern, da man noch seine Käseigel und Bausparverträge gegen den Iwan verteidigen mußte – zu seinen Lümmeln in der letzten Bank folgende Worte sprach:

„Meine Herren, der Osten, der Osten, vergessen Sie das, das ist nicht der Punkt. Die Kampflinien verlaufen durch das Mittelmeer. Eines Tages werden sie kommen die Armen, Verzweifelten und zurückfordern, was man Ihnen seit Jahrhunderten stiehlt, abpresst, aus den hervorstehenden Rippen schneidet, sie abspeist mit Pfennigbeträgen für all ihre unermeßlichen Schätze. Richten Sie den Blick nach Süden, meine Herren!“

Und da dachte der Mahler so, warum so viele Aufrechtgeher den Blick nicht mal früher und freiwillig in die rechte Richtung recken mögen. Und daß Kassandra doch eigentlich keine Beschimpfung, sondern ein Ehrenname sein dürfte. Und was das alles mit Verantwortung zu tun hat. Und warum, wer zu lange wartet, nicht mehr in der Lage sein wird seine Rechnungen zu begleichen. Weia!

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Fifty Ways to Leave Your Country / Muß i denn

Donnerstag, 2. August 2018 17:13

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… muß i denn aus Afrika hinaus, Afrika hinaus, aber Du mein Schatz …

„Schmerzt Ihr Hirn, Mahler?“

„Peripher!“

„Das heißt, ich darf sprechen?“

„Lieber Sie, Budnikowski, Teurer vor den Gedanken, als wer auch immer!“

„Das ist schon ein seltsames Ding mit der Gastfreundschaft, mein bester Herr Bär. Täusche ich mich, daß dort, wo weniger im Kühlschrank liegt, mit größerer Selbstverständlichkeit der Fremde aka Gast empfangen und bewirtet wird?“

„Man sitzt, wenige Zeit und ein Glas Wasser oder gar eine Karaffe gekühlten Labsals steht auf dem Tisch. Dort in Allemännerda verlangt man inzwischen – nicht immer, aber immer öfter – fünfzig Cent für zusätzliches Leitungswasser. Und bitten muß man auch noch.“

„Vielleicht erste Auswirkungen eines Klimaumschwungs!“

„Das Klima in den Hirnen derer die haben, das ist schon lange umgeschwungen, dort herrscht in Sachen Empathie extremste Trockenheit, wird gerne als Vernunft verkauft und ist nichts als kleinlicher Schiß vor dem Verlust. Der Blick nach außen sieht nur noch Gefahr im Verzug, wendet sich ins vermeintlich heimelige Innen und suhlt sich in Geborgenheit und blöd wie Mesut Grindel und Karl Heinz Erdogan und derer lauteste Kritiker nun mal sind, glauben sie auch noch an die Existenz vermeintlicher Heimata!“

„Zurück zum Thema und These zwei: der wohlhabende Xenos erwartet gerne vom Einheimischen fröhlich flotte Bedienung inklusive Seelen – und Schuhpolishing? Motto: Danke, mein Kostas. Klammer auf: Was bin ich doch ein gewitzter Kosmopole!“

„So ähnlich. Anständig gekleidet, Reste von Höflichkeit und Manieren am Leib, dem legt man gerne ein Zubrot auf dem Tisch. Doch Horden kurzbehoster, verbrannter, stets eine Tick zu laut parlierender Langnasen, generell grenzenlos von sich …“

„Verzeihen Sie, daß ich reingrätsche: liege ich falsch, behaupte ich, daß der Wohlhabibi gleich welcher Prominienz Grenzen eher als eine Art semipermeabler Membran betrachtet. Raus ich immer gerne, rein lassen dich nee!“

„Hase! Strike! Ihr da draußen kauft mein Glücksversprechen, bezahlt was ich verlange und dann schön zu Hause bleiben. Gelle! Übrigens: ist das nicht gnadenlos heiß hier?“

„Man munkelt zu Hause sei es noch gnadenloser!“

„Und da ist kein Meer!“

„Ich glaub das Mittelmeer wollen die auch gar nicht vor der Haustür haben!“

„Na, dann kommt die Rechnung eben auf dem Luftweg!“

Wo befinden sich die zwei Herren, dieses – hier stark verknappte – Gespräch führend? Wie gelangten sie an diesen fernen Ort? Wie stets eben, die göttergleiche Eva Pelagia und der Ehrenwerte Ernst Albert haben nachgeholfen. Üzelchenverbot und ab in die Heia und in aller Früh ab zum Kap Tenaro, dem südlichsten Punkt Griechenlands  und abgesehen von Gibraltar sogar der südlichste Punkt Europas. Die zwei Reisenden (ähem: every traveller is just a tourist!) wurden darauf hingewiesen, vor ihnen nun nichts als Meer und dahinter vor allem Afrika. Und drehten sie sich um, so sähen sie eine herrlich idyllische Bucht, wenige Meter daneben aber der Eingang zum Hades, Charon dort sein schwarzes Khaki von den Hinterlassenschaften der letzten Passagiere reinigend.

„Budnikowski, führen Sie eine Münze mit sich?“

„Zufälligerweise einen Sloty!“

„Großartig!“

„Warum, Meister Mahler?“

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Fifty Ways to Leave Your Country / Dazwischen

Montag, 30. Juli 2018 17:48

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Zwei Seelen, ach in meinem Frust!

Als eine Taverne erreicht war, die Pöter Ruhe fanden auf geflochtenem Sitz, rannte ein flinker Mexikaner an lustlosem Teutonenbein vorbei und die anwesenden Germanenmundwinkel merkelten merkellich nach unten. Dann fiel auch noch der Strom aus, wie unsere zwei Reisenden tagsdrauf erfuhren in dieser Gegend keine Seltenheit und daher kein Grund für Gejammer, Leitartikel und Haschtage oder wie das so heißt. Als der Strom wieder in die Leitung gehüpft war, aber nicht in die Gebeine der Botschafter deutscher Überlegenheit und der Bilderguckapparat grünen Rasen und grün anlaufende Nationalkickgesichter zeigte, näherte sich bescheidenen und schuldbewußten Fußes die Wirtin und wies darauf hin, daß baldigst ein Umschalten erfolgen würde, da hier in Hellas der Hellenen Lieblingsballspiel Basketball ein wesentliches Endspiel erfahren werde, aber auf der anderen Seite der Straße gewiß noch Gepöhle! Darf die das? Murren auf den Tavernenplätzen. Ohne unsere DM – Mark tätet selle doch noch der Zeus oabete.

„Mahler, darf die das? Wegen der vielbesungenen Philoxenia und so?“

„Und ob, bester Budnikowski, alles ist freiwillig. Gastfreundschaft ist eine Gabe, ein Geschenk, also nicht einforderbar. Und auch dem Gast ist es möglich freundlich zu nicken und die Straßenseite zu wechseln, schmunzelnd by the way! Doch der Tourist: er ist nun mal kein Gast, auch wenn er’s gerne wäre!“

„Mahler, als sie eben, ich erwähne es ungern, in der sanitären Anlage weilten, standen die anwesenden Germanen auf und haben geklatscht, als der kleine Gelsenkirchner aus Ankara mit den großen Augen die Nationalhymne mitdachte!“

„Budnikowski, heißer Boden. Darum geht es weder den Sängern noch den Schweigern. Seit ein paar Jahren gibt es leider wieder vermehrt diese Wimpelreflexe!“

„Hä?“

„Nun: Vorrundenausfälle, Stromausfälle, Gewißheitsausfälle, Flugausfälle, da wird der Aufrechtgeher nervös und wühlt in den alten Schränken rum, findet die alten Wimpel und schwenkt sie!“

„Aber die verbrennen die Wimpel doch auch gerne in den Pöhlerbuden!“

„Na ja, Niederlagen ertragen ist nicht so in den Genen verankert! Wichtig ist die Suche nach den Schuldigen. Das vertreibt die Langeweile an sich selbst!“

„Darf man dann noch zwei Üzelchen bestellen, bevor wir die Straßenseite wechseln?“

„Dürfen? Müssen!“

Vier oder sechs Üzelchen später. Auch kein Basketball, weil schon wieder Regen und kein Strom. Man wankt gen Unterkunft.

„Mahler, aber der Hellaswimpel hier, der ist doch schön? Farblich auch.“

„Budnikowski, wissen Sie, daß ein bayrischer König das Bier nach Athen trug einst?“

„Besser als Eulen nach München!“

„Ich hätte gern noch ein Özilchen! Oder zwei!“

„Weia! Der Kalif wird sie enterben!“

„Sind die so schnell beleidigt?“

„Niki i Thanatos!“

„Was ist eigentlich ein Grieche?“

„Der wo hier läben tut!“

„Ich will auch so eine blauweiße Fahne!“

„Reicht Ihnen die eine nicht schon? Schweigen Sie still und bleiben Sie Gast!“

„Sind wir doch eh auf diesem Planet! Sie schwanken!“

„Stets und stolz! Kamschatka oder Wyoming? Wer bin ich? Weia!“

„Dort vorne scheint man noch Getränke zu servieren!“

„Na dann!“

Manchmal naht Rettung nicht nur, sondern sie wartet. Selten leider, aber dann!

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Fifty Ways to Leave Your Country / Rückseite

Montag, 23. Juli 2018 16:50

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It isch not over til its over!

Dieses Land mit der Seele suchend, es gelegentlich finden, falls die Seele nicht grad eben unter einem riesigen Haufen ungewaschener Belanglosigkeiten, Alltagsplackereien, Pflichten und schrecklich Schlichtem unauffindbar verborgen liegt. Man berichtet – dies sogar häufig – von Reisenden, welche nach ein oder etlichen Aufenthalten in diesem gesegneten (Ne!!!) Land sich in der Lage fühlten der zuvor arg ramponierten Seele wieder einen Ehrenplatz in der Erzählung ihrer selbst zu gewähren. Doch dies mag nicht immer und jedem gelingen. Gefahr in Verzuge lauert bei denen, welche im Ticken fremder Uhren, bei der Betrachtung fremder Ordnungsprinzipien und beim Kauen fremder Brote Panik befällt. Dürfen die das ohne daß ich ähem wir? Gerade der teutonische Aufrechtgeher – selbst wenn sein Erbgut schon längst nicht mehr einbahnfrei in Richtung deutschtugendlicher Abstammung zu entschlüsseln ist – neigt zu einer gewissen Anfälligkeit diese Angst betreffend. (Nun gut, nur wer hat, viel hat, weiß was es heißt dies viele zu verlieren!) Paart sich jedoch diese Grundnervosität mit alemannischer Besserwisserei und daran gekoppelten Ordnungswahn, isch es subber schnell over mit dem Spaß. So geschehen vor einigen Jahren als die Apolegeten einer gnadenlosen Austeritätspolitik das Land der Griechen mit Massenarbeitslosigkeit, wirtschaftlichen Niedergang, radikalen Rentenkürzugen und einem absurden Neuwahlkarussel beglückten. Klar ist allen, daß im Seelensuchland Hellas viel Scheiße gebaut wurde, brauch man nicht den Zeigefinger auszufahren. Jedoch setzt sich bei den damals Handelnden langsam die Erkenntnis durch, daß brutale und – auf die Formulierung besteht Archibald Mahler – aufrechtgeherverachtende Sparmaßnahmen ein Land nicht wieder auf die Beine bringt, zumal ein sogenanntes Land weder die Regierung, der Etat und die Nationalbank sind, sondern die darin wohnenden Aufrechtgeher (siehe oben) und ihre Lieder, Erzählungen, Bücher, Kochrezepte und überlebten Katastrophen.

Dies nur als ein knapper Abriß der noch lange nicht zu Ende angerissenen, assoziierten und angeleckten Gedanken unserer zwei Reisenden, welche denen in ihre Köppe fielen, da sie sich umdrehten, um diese zerfallende Fabrik, die hoch über einem der Strände in Kardamili thronte, zu erblicken und zu besuchen.

„Budnikowski, mir gefällt das!“

„Wie, Mahler? Das ist doch kaputt! Und wir kommen nicht rein!“

„Wir sind unwissende Betrachter. Reicht doch!“

„Das sieht aber nicht toll aus!“

„Ochi, der Anblick ist schmerzvoll. Aber ich halte es für angebracht eine offene Wunde, die Dokumente des Niedergangs, hinterlassene Ruinen lange und ohne Eile zu betrachten. Das schamhafte aka aggressive Verhüllen und Leugnen bringt eh nichts!“

„Aber das hier ist keine Katastrophia neueren Datums, oder?“

„Eher nicht! Als Romantiker vermute ich „The Full Katastrophy“! Im Nachbarort lebte der Zorbas. Und der Nikos, der von ihm berichtete!“

„Aber spielt diese Geschichte nicht auf Kreta?“

„Dichterische Freiheit braucht keine Gründe!“

„Mahler, was haben die hier früher produziert? Fischkonserven? Olivenöl? Marmelade? Lammkoteletts?“

„Mein Gott Budnikowski, habe ich einen Hunger!“

Und eben als die Gedanken der zwei Herren vom Hehren hinab in den Ranzen rutschten, zog ein gewaltiges Gewitter auf. Ursprünglich hätte es sich in diesen Tagen eher in Schweden austoben sollen, aber so wirr wie die Aufrechtgeher dieser Tage über ihren Planeten und den angeschlossenen Rasen stolpern, whatever. Mahler lobte trotz grummelnden Ranzens das Dramatische des Anblicks, Budnikowski jedoch mopperte und forderte die Nähe eines TV – Apparats. Alte Gewohnheit. Teutonenbeine und Bälle. Und – zack – fiel der Strom aus.

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Fifty Ways to Leave Your Country / Ein Anfang

Freitag, 20. Juli 2018 15:17

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Yassu! Ti kanis? Kala?

Dieser Moment des Ankommens, genauer des Angekommenseins, jetzt, hier. Man – oder besser – es erinnert sich. Diese Erinnerungen, welche auf und unter der Haut, der Netzhaut, der Hauthaut, der Herzhaut schliefen, ruhten, gelegentlich rumorten. Zwischenlager. Das Licht. Die Farben. Meer. Steine. Oleander. Opuntien. Die Gerüche. Die salzhaltige Brise. Salbei. Erhitzte Steine. Tamarisken. Das Ankommen scheint hier leichtzufallen. Es ist, als ob die dieser Gegend innewohnende und – davon später – auch in den Hirnen der meisten Anwohner tief verankerte Gastfreundschaft und Freundlichkeit (Was kommt von was?) den Reisenden beim Betreten des hellenischen Bodens sanft die Hand auf die Schulter legt. „Yassu! Ti kanis? Kala? Iss gut. Steig von Deinem hohen Heimatross herab. Sei nur da! Setz Dich! Üzelchen?” Und es geht so schnell. Jedesmal und wieder!

Die zwei Reisenden erinnern sich davon wissend und bleiben nichtsdestotrotz erstaunt ob der Tatsache, daß man am heimischen Haderherd davon träumte, doch die Erinnerung stellt sich heraus als kein Hirngespinst. Tiefe Ruhe fällt herab wie ein kräftiger Regen. Man mag nicht sprechen. Schwafeln. Guck und Sieh und Ach und Nee und wie toll aber auch!

Kurz nur angemerkt: wie sind die Herren Mahler und Budnikowski angereist? Landweg? Seeweg? Luftweg? Gedankenpfade? Was geschah auf ihrer Reise? Beginnt sie erst hier und jetzt? Sollte man sich umdrehen, Rückschau? Sein lassen? Wohin geht es? Nach vorn, nach hinten, oben, unten? Oder verharren die zwei Herren hier am jenem Strand ein Kilometerchen westlich von Kardamili, gelegen auf dem mittleren Finger des Peloponnes, südlich von Kalamata, hinter den Bergen des Taygetos, jenseits von Sparta und Lakonien und versuchen den eben so wonnigen Augenblick als Ewigkeit auszuhalten? Dann dreht sich der Mahler, Bär vom ohne ihn auskommen müssenden Brandplatz, um. Weia! Man entkommt ihr nicht der Welt. Gut so! (Dies bemerkte Budnikowski, der lütte Has`)

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Von Fiesen Männern ohne Bällchen + isch over

Mittwoch, 4. Juli 2018 15:18

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Wie nun gestern einige leitende Damen und Herren Angestellte dieses Landes – man mußte es leider so erwarten – beschlossen hatten den Mülleimer, welcher im wesentlichen sie zum Inhalt hat, nicht zu entleeren, sondern es sich wohldotiert und alternativlos darinnen weiterhin einzurichten und eventuelle Eindringlinge in Transitzentren oder in Watuniki einzulagern, legten sich die Pfoten des lieben Kuno von und zu Budnikowski, der für kurze Zeit in seine wichtigste Nebenpersönlichkeit der Welt aka Lütten Stan zurückgekehrt war, auf die Tastatur, als ihn mit elementarer Wucht Krämpfe, Würgereize, Bauchgrimmen und unter Flüchen und Tränen herausgeschleudertes Bereuen anfielen. Wie konnte er nur der Versuchung unterliegen in der Hochzeit germanisch zelebrierter Lächerlichkeit in den Pool eitler Selbstbespiegelung und Gescheithuberei zu springen und der Unzahl zeittötender Flatulenzen seine eigenen unmaßgeblichen Winde beizusteuern? Und da – singen wir das Lied der Freundschaft – spürte er den deftigen Hieb der Mahler’schen Pranke im zarten Kreuz.

„Freund Kuno, wenn ich heute so formlos Ihro Kummrigkeit ansprechen darf. Ihr Hadern und Wüten ist der edelsten Stimmung des Denkenden geschuldet, der enttäuschten Liebe. Seien Sie nachsichtig mit sich und all den anderen Hysterikern im Land der rudernden Arme.“

(Der Hase versucht zu antworten, man vernimmt lediglich Schniefen, Stammeln, Lallen, Flüche, namensfetzenhaltige Verwünschungen bis in die dritte Halbzeit hinein, Stöhnen, aber auch befreites Kichern. Und ein Lied. Dieses oder Jenes? Also schiebt Mahler den Häretiker der rollenden Kugeln zur Seite und übernimmt die Tastatur. Offensichtlich reimt der Bär.)


Die Pattexe

Oder

Ich lasse mich nicht von Einem entlassen, der nur wegen mir Einer ischt


Kleb Kleb nicht mehr Streb

Heb Heb nicht den Arsch

Fett Fett weiter Marsch

Rechts Recht immer ham’

Smile Smile ich bin geil

Grins Grins in die Lins’

Oben Oben weil ich bin’s

Ruder Ruder ohne Ruh’

Kratz Kratz Spiegeleier

Nix Nix koi Idee

Weia Weia Schwarzer Schnee

Feig Teich Helmut Kohl

ForeVer?

NeVer!

Lächerlich

(Und dann nimmt auch der Bär, vom tiefen inneren Erschrecken ob seiner vom ihm selbst verursachten Lächerlichkeit gepeinigt, die Tasten von der Tatzatur. Doch Rettung naht im Sauseschritt herbei. Der Ehrenwerte Musentempler Ernst Albert und die strahlende Eva Pelagia fordern die beiden Grübilanten auf mit ihnen in jenes Land zu reisen, welches leitende Damen und Herren aus dem Lande der Großkotze vor einigen Jahren im Mülleimer der Geschichte versenken wollten. Es ist ihnen fast gelungen. Fast! Aber nix isch over! Auf nach Hellas! Unten ein kleiner Blick voraus.)


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Thema: Hömma, wat ich grad am Denken bin | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Von Fiesen Männern mit und ohne Bällchen Drei

Freitag, 29. Juni 2018 11:55

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Offener Brief an Matze Bienlein (Binnenverteidiger, Stoßstürmer, Pressesprecher, Chefkritiker un interne Übungsleiter vonne vonne WM – Befreiten)

Hömma hier Matze, Dein Lütten Stan iss an Dich am Anschreiben wegen die Reste vonne alte Verbindung zu legendären Zeiten in Sachen vadiente Maisterschaften schwatt – gelb. Also erstmal Glückwunsch fürre klare politische Haltung. Wo et mit die Aufarbeitung vonne bescheuerte Fototapete mit dem Kalif von Ankara nich so recht klappen tun wollte, aber getz hier: nach zwei Wochen ab inne Heimat und Meister Putin den demokratischen Stinkefinger zeigen? Respekt! Vorschlag: Kannse dann als neuer Yogi gleich den Scheichs mitteilen tun, dat Ihr in vier Jahren schön inne Heimat Weihnachten feiern tut. Kannse dann auch nicht gegen Andorra oder Liechtenstein rausfliegen tun.

Anne sportliche Leistung will ich getz nich weiter rummäkeln. Et gitt eben keine kleine Mannschaften mehr und also auch nich mehr die Großen Hosen. Weisse doch, Gavrinovic un so. Und der Dino un seine kaputte Uhr und der Pep auffe Insel un watt nich alles. Und getz iss mal endlich Hämepause in Richtung vonne Holländers und Inselbewohner un so. Schauße mal innen Spiegel rein, Schlandilein. Aber ein Vorschlag fürre mentale und innere Reinigung kannse – falls Ihr Euch noch wat zum Sagen habt – an Deine Zsemme – Titanicer weiterleiten tun. Vorre Schlüsse ziehen ersma ordentlich trauern tun. Also Kopfhörer auffe Nüschel drauf und Myrologia hören. Dabei könnt Ihr Euch anne Laterne vor Eure Urlaubshotels  lehnen und schauen, wie die Sonne wieder aufgehen wird, wenn et Ritual zu Ende gesungen iss. Und nich vergessen: kein Selfie dabei machen und dat auch noch posten, woll. Dann sind die Schmetterlinge des Glücks ganz schnell wieder wech. Und vor allem nich anne Leiche rumfummeln. Hin iss hin.

In Herzlichkeit grüßt Ihren alten Lütten Stan

PS: Kannse bitte – siehe unten – Dich und Deine Mitpöhler beie nächste Kampagne nicht mehr von Leni Riefenstahl porträtieren lassen. Und bei Eure tausendjährigen Frisuren würde ich dringenst fürre Änderung appellieren.

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Thema: Hömma, wat ich grad am Denken bin | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Von Fiesen Männern mit und ohne Bällchen Zwei

Donnerstag, 28. Juni 2018 10:38

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Kurz bevor Herr Mahler gestern abend (vor Lachen?) vom Sofa fiel, konnten wir folgendes Geplänkel belauschen und stellen es hier unkommentiert  ins Netz.

„Budnikowski, da hat der Bello Rettich aber was Nettes gesagt!“

„Jau! Das ist keine Zeitlupe, sondern das Spiel!“

„Nimmt der Ötzi eigentlich noch regelmäßig seine Antidepressiva?“

„Freund Mahler, die Großkotze sollten alle mal Eierentschwellungspillen einnehmen, soviel Bedeutungshuberei und Selbstüberschätzung im Vorfeld läßt die Testikel schon mal zu ungeheurer Größe anschwellen. Das hindert dann gerne mal beim Rennen!“

„Und der Yogi Merkel, hat der verdickte Synapsen im Kopf? Der scheint das Denken komplett in der Duschkabine gelassen zu haben!“

„Nee, der übt wahrscheinlich wieder mentales übers Wasser laufen. Oder macht imaginäre Selfies. Achtung, der Kroos schießt. Ach du grüne Neune!“

„Genau! Neunter Stock!“

Und da begann der gesamte Leib des Bären zu beben und so fiel Mahler hinunter vom roten Sofa, fast wie ein Schmetterling. Morgen dazu mehr von den zwei Chefkritikern Matze Bienchen und Lütten Stan.

Thema: Hömma, wat ich grad am Denken bin | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Von Fiesen Männern mit und ohne Bällchen Eins

Freitag, 8. Juni 2018 14:26

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„Herr Budnikowski. Sie haben gebeten. Wo befinden wir uns?“

„Im Mülleimer der Geschichte!“

„Wer liegt da zwischen uns?“

„Ein fieser Mann!“

„Der sieht doch so nett aus!“

„Das sind die Schlimmsten!“

„Und wer von uns ist der Ösilanti?“

„Zu Günters Gans, Mahler und Laie, fehlt mir der amtliche Mantabalken unter der Nase!“

„Sie echauffieren sich ob der Pöhlerei in der Sprache der Dichter und Denker, jenseits aller regionaler Färbe!“

„Nun, da seit heute auch der Geheimrat auf Großbriefe geklebt werden kann. Ernst beiseite, ich rede von der selbstgerechten Abfeierei der Doppelmoral“

„Budnikowski, ziehen Sie den Stopfen, enthemmen Sie sich und fluten mich mit Ihrer Suada!“

„Der Monologe etliche, die nicht anderes besingen als enttäuschte Befremdung, liegen mir quer im Darmbereich verkeilt! Kurz und knapp: Kontoauszugschecker allenthalben und da sind die Unterschiede zwischen badischen Schalknotern und Rotzbremsenausstellern amtlich minimal. Oh Vaterland! Oh Vaterland! Geh mich fott! Wennet Pathos sich die Bundesbahn bricht.“

„Hallo! Rückfall!“

„Verzeihen Sie. Man ist nicht gefeit dagegen. Aber Entschuldigung und falls noch Platz auf Ihrer Zunge ist, bitte dortselbst langsam zergehen lassen: Best Never Rest!”

„Weia! Pervers?“

„Obszön!“

„Freuen Sie sich im Rahmen Ihrer alten Passion noch gelegentlich!“

„Gacinovic! Streich! Sergio Ramos! Kloppos Gebiß! Götze muß heiraten! Bleibt nicht viel!“

„Prognosen?“

„Ein rumpelndes Vorrundenaus wird lediglich Wunschtraum bleiben! Aber die Videobeweise, die uns aus den alten Moskauer KGB – Kellern ins internationale Haus stehen, das wird ein Spaß, den nur einer toppen wird!“

„Sagen Sie an!“

„Manuel Karius!”

Thema: Hömma, wat ich grad am Denken bin | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth

Anleihen. Ansinnen. Anleid(t)ungen. Ende?

Montag, 23. April 2018 10:47

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„two riders werde approaching and the wind began to howl!“

Obige Photographie wurde uns vor wenigen Tagen zugesandt. Es zeigt die zwei Reisenden in offensichtlicher Harmonie und von tiefer Ruhe umspielt auf einer Bank vor dem alten Gotteshaus auf der Insel der letzten Wochen und Monate. Wenig später – wir hatten berichtet – brach der Sturm der Uneinigkeit über die Beiden herein. Das vermeldeten uns unbekannte Informanten. Sagt man so.

Ein Schiff schaukelt auf hoher See. Hält Kurs. Welchen? Mit Wucht und allzu hysterisch willkommen geheißen vom Aufrechtgeher war in diesen Tagen ein Sommer – einer der vielen unentschiedenen – durch die Tür gestürmt, als könne das gehetzte Überspringen der Schwelle den Lenz obsolet machen. In den Zeiten, da das Warten und die Vorfreude aus dem Repertoire verbannt und durch vermeintliche Befriedigung und Lösung ad hoc ersetzt werden, kein Wunder. Hoch im Norden jedoch sammelten schon die zornigen Kohorten des Väterchen Frost die letzten Kaltluftblasen ein, um sie in den nächsten Tagen und Stunden gen Süden zu werfen. Das Schiff auf hoher See nun war gewappnet, die zwei Postboxen gut vertäut, der Kapitän weitgesegelt.

Doch wohin ging die neue Reise? Gut informierte Kreise vermuten das Eiland der Angel und Sachsen sei das Ziel, da noch eine alte Geschichte herumläge, die es zu Ende zu erzählen gilt und zudem müssten die zwei Reisenden mal – getrennt? – austreten. Doch wie eben angemerkt, all dies pure Spekulation.

Wir wollen sehen und uns solange gedulden. Zwei wilde Reiter tanzen auf dem Kamm einer anrauschenden Welle gigantischen Ausmaßes heran und ein stürmischer Wind beginnt zu heulen. Weia!

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(text / fotos: christian lugerth)

Thema: Ansinnungen 2018 | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth