Beitrags-Archiv für die Kategory 'Küchenschypsologie'

Der Fado machte Pause. Erklärt Budnikowski.

Montag, 11. Juli 2016 21:06

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Es war einmal. Schneewittchen lag im Sarg und weinte und so trug man sie vom Rasen herunter. Männer umschwirrten sie und die Motten das Licht. In meiner Seele drehte sich ein ermüdendes Karussell. Nicht wieder eine Niederlage diesen Aposteln der Großen Schönen Traurigkeit an das Herz kleben, ihr Götter. Nicht wieder den Fado feiern müssen dürfen. Erklärt Budnikowski. Dann geschah, was in den letzten vier Wochen ständig geschehen war. Müde und trotzdem willige junge Burschen, getrieben von Narziß, Scheichs, Lippstädtern, Knastbrüdern und unglaublich viel sinnloser Kohle, sie rannten. Man riecht Verzweiflung. Und ich begann die Fußballverächter, welche ich einst verachtete, zu beneiden wegen des einen Zitats von den zweiundzwanzig dumpfen Kurzbehosten und dem einen Ball. Erklärt Budnikowski. Manche behaupten die Frisuren der Rasenrenner seien heute kreativer oder einfach nur geiler. Viele davon sind Mädchen und dreizehn Jahre alt. So schön wie Schneewittchen können sie aber nicht weinen. Und sie können nicht – transgender hin oder her – als Prinz wieder auferstehen, das Knie bandagiert, mit heiligem Wollen und großer Liebe für die Kollegen und ein bißchen auch für das eigene Zipfelchen, dann noch den eigenen Trainer glücklich über den Haufen rennen. Und siegen. Prophezeiung inklusive. Das kann nur er. Erklärt Budnikowski. Und wenn er nicht gestorben ist, so jubelt er noch heute und hömma hier, dat tu ich dem von ganzem Hasenherze gönnen tun und dat die getz inne schönsten Stadt vonne ganze Welt feiern dürfen, dat iss gut. Und morgen kann dann Wolli „The Rolli“ Schäuble schön die Strafbescheide nach Lisboa schicken wegen die Schuldenmacherei. Wie wäret, wenn Germanien dat mit die Zuchtmeisterei mal wat runterfährt? Dann klappt et wieder mit die Nachbarn. Gilt gerne auch für Sri Yogi. Bißchen wat an Hauch von selbstkritischer inne Analfurche Kratzerei könnte nicht schaden. Dem Rest der Sippe und ihren Bejubelhubern auch. Getz isch over.

Thema: Küchenschypsologie, Wieder ein Jahr / Jetzt schon 2016 | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth

Die Andere Reise / Ein Bär beginnt zu wachsen

Montag, 30. Mai 2016 11:30

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Ich bin größer als ein Baum. Zugegeben, der Baum ist ein kleiner Baum. Aber ich bin andererseits auch ein kleiner Bär. Das erste Mal in meinem Leben, von dem ich gar nicht weiß, wie lange es schon währt, bin ich größer als ein Baum. Dazu mußte ich nicht einmal wachsen. Wobei ich noch nie gewachsen bin. (Innen vielleicht. Aber da sind andere Geschichten verborgen.) Ich war so. Von Beginn an war ich, der ich bin, dieser Bär. Auch wenn ich mich nicht daran erinnern kann, wie ich wurde zu sein. Selbst als ich das Abbe Bein hatte, war ich weder größer noch kleiner. Wenn man mit dem noch Drannen Bein eine Messung gemacht hätte von unten bis zum Kopp, wäre da die nämliche Größe gewesen. Kein Vertun! (Innerlich war ich da bestimmt geschrumpft, das schon. Aber lies oben noch mal.) Und leichter war ich ohne Abbes Bein gewiß. Nein. Eigentlich auch nicht. Weil das zwar in Entfernung auf der Straße, genauer dem Brandplatz in der Kleinen Häßlichen Stadt in Mittelhessen, lag, jedoch rechtsmäßig weiterhin zu mir gehörte, auch in Sachen Gesamtgewicht eines kleinen Bären. Jetzt mag ich etwas schwerer sein, wegen der neuen Fäden, die mein Abbes Bein wieder dran halten am restlichen Bären. Jedenfalls blicke ich nun über die Wipfeln eines Baumes hinweg, spüre kaum einen Hauch, obwohl die Fenster im Treppenhaus offen gekippt sind und draußen singen die Vögel im Hinterhof. Man kann also auch als kleiner Bär so einiges erreichen. Selbst wenn der Weg nach unten führt. Ich werde das Gefühl nicht los, daß man mich beobachtet. Nein, nicht Du bist das, Herr oder Frau Leser. Da ist noch etwas. Was? Egal doch. Wenn man größer ist als ein Baum, kann man dann auch fliegen?

Zack Pack Dummer Sack

Nase hoch

Tatze krumm

Eben noch gescheit

Schon dumm

Zuviel Himmel übern Kopf

Stolper Holper

Armer Tropf

Tränen Schneuz

Rotes Kreuz

Tatü

Thema: Archibalds Geschichte, Küchenschypsologie, Wieder ein Jahr / Jetzt schon 2016 | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth

Budnikowski schreibt dem Mahler einen Brief und beschließt Marmeladenbrote anzubeten

Sonntag, 22. November 2015 21:10

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Budnikowski hatte eine alte Schreibmaschine auf der Straße gefunden. Falsch. Er hat die Ehrenwerte Pelagia eine alte Schreibmaschine auf der Straße finden lassen. Falsch. Das hat die Ehrenwerte Pelagia wohl selber gemacht, also gefunden. Falsch? Falsch. Ein uns nicht näher bekanntes Wesen hat die alte Schreibmaschine der Pelagia zu dahineilenden Füßen an den Straßenrand gelegt und der blieb nichts anderes übrig als die alte Schreibmaschine zu finden. Falsch. Wäre sie da nicht lang gelaufen, dann hätte sie die alte Schreibmaschine gar nicht sehen können, dort am Straßenrande rechts. Falsch. Links. Falsch. Mittags. Falsch. Hätte, wäre und hätte man gewußt, hätte man die alte Schreibmaschine woanders deponiert. Falsch. Das ist doch ausgemachter Blödsinn. Falsch? Falsch. Das ist ausgedachter Blödsinn. Richtig. Nein. Nein! Falsch. Die Schreibmaschine war schon immer da gewesen und man hatte sie nicht bemerkt. Falsch. Erst wenn man etwas bemerkt, ist es auch vorhanden. Falsch! Man muß über das Bemerkte schreiben, dann erst existiert es. Falsch. Die Worte verbergen das wahre Wesen des Gegenstandes. Falsch. Der Schreiber verbirgt mit den Worten sich selbst. Falsch. Die Schreibmaschine kann doch nichts dafür. Falsch. Wer A sagt, muß sich auch aufs B tippen lassen. Falsch. Aber die Werte. Falsch. Unsere Werte. Falsch. Unser aller Wertekanon. Falsch. Schreibmaschinen singen nicht falsch. Falsch. Der Letzte knipst die Lichtgestalt aus. Falsch? Falsch. Budnikowski behauptet, er habe eine alte Schreibmaschine auf der Straße gefunden, die die Ehrenwerte Pelagia fast übersehen hätte, weil wenn etwas nicht existiert, kann man kein B tippen, geschweige denn über das Wesentliche schweigen. Leider falsch. Budnikowski hebt die linke Pfote, auf dem obigen Foto verdeckt. Da ist doch was verborgen. Falsch? Wir werden es wissen, wenn es zu spät gewesen sein wird. Falsch. Das ist die einfachste Übung, also falsch, aber richtig. Schreibt Budnikowski dem ihm einen Brief diktierenden Mahler einen Brief? Er tut es scheinbar. Falsch? Er kauft sich keine neue Karotte.

Hömma Mahler,

mir isset, als ob et angebracht wäre, dat ich ab morgen Marmeladenbrote anbeten tu.

Herzlichst

Ihren Budnikowski (Exbärte)

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Mit den Augen des befreundeten Fremd / Fünf

Freitag, 22. Mai 2015 21:36

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Alle reden vom Wettern, Budnikowski aber blickt weiter. Es besteht immer die Möglichkeit ein Gemeines Blutströpfchen zu erspähen, eine Gammaeule, einen Admiral. Eventuell und gerade heute fällt ein Mönchs – Kotkäfer, eine Blattschneiderbiene oder gar ein Trauerrosenkäfer ins Auge. Malt sich da ein Pinselkäfer ins Bild? Die Möglichkeit besteht. Jedoch besteht ebenfalls die Möglichkeit, daß alles Getier heute streikt und die Leinwand vor des Betrachters Auge öd und leer. Diese Möglichkeit besteht durchaus. Dann mag der Blick schweifen gen Innerei. Das tut der Mahler eben, wobei die Innerei in diesem Fall kein seelisches oder anderweitiges Gekröse darstellt, sondern den Raum hinter dem Fenster, durch welches Budnikowski hinausblickt. In diesem Raum, am anderen Ende des Raums, unter dem gegenüberliegenden Fenster zum Hinterhof hin, da steht ein Schreibtisch. Es ist der Schreibtisch des Herrn Ernst Albert. Auf dem Schreibtisch liegt ein aufgeschlagenes Buch. Mahler räuspert sich. Budnikowski erschrickt, kippt nach vorn und berührt die Fensterscheibe. Leichtes Scheppern. Vibration.

„Aua und verdammt! Mahler, elender! Jetzt ist der Pinselkäfer verschreckt davon.“

„Oh! Verzeihen Sie bitte! Aber dieses Gedicht da!“

„Ich weiß! ‘Krulls!’ Das Gedicht von Herrn Robert Schindel in diesen aufgeschlagenen Buch auf Ernst Alberts Schreibtisch. Ich kann es aufsagen, wenn gewünscht.“

„Haben Sie auch hinten Augen?“

„Das nicht, aber Sie haben mich gebeten für Sie zu schauen und ich pflege die mir gestellten Aufgaben ernst zu nehmen. Also hören Sie:

Krulls

1

Manche werfen zu viel ihrer Wörter

Aus der Seelengehirnfalte raus in den Schlund

Ohne fünf Texte ist der Tag gar nicht fertig

Stehn am Muskel und schleudern

Das Echo des Eignen auf den Marktplatz

Stapeln die Empfindlichkeit hoch die überwächst

Das genickgerechte Schauen. Durchfall

Des Wortdirigats und Winde. Sonnen

Fallen aufs Wortwerk, die Schatten im Ton

2

Nichtmal im Ton, die Wortscheißerei

Lässt zurück das lautlose widerristliche Harren

Zu viel schreiben viele. Die Krulls. Zu wenig

Noch mehr

Das war’s.“

„Weia! Und wer sind wir?“

„Tja, wenn ich das wüßte. Wir finden es aber raus!“

„Eine Idee, Herr Budnikowski?“

„Wir verabschieden uns und lassen nur mehr schauen.“

„Für uns?“

„Quatsch! Auf uns!“

„Na dann!“

„Darf ich jetzt weiter blicken! Der Pinselkäfer tunkt sich eben in den Farbtopf!“

„Gerne!“

„Danke, Herr Mahler.“

(Fortsetzung folgt)

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Mit den Augen des befreundeten Fremd / Vier

Montag, 18. Mai 2015 21:08

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Budnikowski brauche immer soooo lange. Es läge vielleicht an seinem kleineren Kopp. Bis der mal Gesehenes verarbeitet und eingeordnet habe! Weia! Und welche Menge an Gedanken soll in dieser Nußschale schon Platz finden? Potzrembel! Du bleibst, was Du bist! Genau! Man murmelt so einiges. Doch Vorsicht, schnell ist das Urteil gefällt, welches am nächsten Tag dir auf die ungewaschenen Füße fällt. Mahler bekämpft seine Ungeduld. Eine fundamental unbärige Eigenschaft, die ihn aber befällt seit jenem Tage, da er seinen Blick dem Freund und so dem Fremd zur Verfügung gestellt hatte. Das Beifahrersyndrom! Demnach weiterhin Ruhe zwischen Bär und Hase. Und sonst? Budnikowskis Blicken hatte in den letzten Stunden oder Tagen die Straße gequert, ist zweimal rechts und einmal links abgebogen, trat durchs offene Eisentor und befand sich im Botanischen Garten. Und siehe da: durch die liebenswert milde Lenzluft taumeln und schwirren Dornröschen – Bläuling, Nierenfleck, Taubenschwänzchen, Großer Kohlweißling und der Wasserlinsenzünsler.  In den Beeten und Rabatten kriechen und krabbeln Rothalsbock, Weißpunktiger Schertlilienrüssler, Rothalsiges Getreidehähnchen, 12 – Punkt – Spargelhähnchen und mancher Gemeine Rosenkäfer. Pardauz, fiel dort nicht ein Stolperkäfer über eines seiner Beine?  Zwischen Ästen und Blattwerk weben und gestalten ihre Netze und Stuben  Streckerspinne, Gewächshaus – Springspinne, Zebraspringspinne, Gemeine Baldachin – Springspinne und die Veränderliche Krabbenspinne. Es summen und tönen zwischen Wegen und Büschen Späte Großstirnschwebfliege, Gemeine Narzissenfliege, Scheinbauch – Keilfleckschwebfliege, Gemeine Trauerbiene und einige Gemeine Stubenfliegen, die wohl Ausgang haben. Den Teich durchquert ein Gemeiner Rückenschwimmer und dem Budnikowski juckt das Fell. Ist es die Beifuß – Weichwanze? Die Grüne Stinkwanze gar? Oder nur eine gemeine Gemeine Feuerwanze? Und da ein Vierzehnpunkt – Marienkäfer. Der muß wohl nächstes Wochenende absteigen? Der Glückliche! Und Budnikowski sieht noch viel mehr an Gekreuch und Gefleuch, da aber stellt Mahler seine Frage.

„Budnikowski? Und das alles sehen Sie und wissen sogar die Namen und Bezeichnungen?“

„Ja, Mahler, ja! Aber erst las ich, dann sah ich, was ich sah!“

„Ihr Fremd bediente sich bei einem weiteren Fremd?“

„So ähnlich. Der Wahrheit die Ehre! Kaum etwas von dem, was ward beschrieben, ich sah es denn. Aber seit ich von der Existenz all dieser Wesen las und so weiß, habe ich Hoffnung, diese zu erblicken. Ist das nicht toll?“

„Ja, das gefällt mir gut. Und verzeihen Sie bitte meine an ihr Ufer schwappende Ungeduld.“

„Warten wir! Soll ich sagen, was es noch alles gibt?“

„Heute nicht mehr. Sehen Sie dort den Totenkopfschwertflieger?“

„Ich pfeif das alte lustige Liedlein.“

(Fortsetzung folgt)

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Mit den Augen des befreundeten Fremd / Drei

Mittwoch, 13. Mai 2015 21:09

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Budnikowski tut so als ob. Was bleibt ihm anderes übrig. „Am abben Bein vorbei gucken!“ Der Mahler kommt aber auch auf Ideen. Die Not wird es wohl sein. Nun gut, der Mahler ist dem Budnikowski ans Hasenherz gewachsen, aber zaubern oder Wunder vollbringen kann er deshalb noch lange nicht. Das abbe Bein rechts liegen lassen! Oder links! Hömma, iss man Lionel, der argentinische Rasenrastelli? Also simuliert Budnikowski lediglich ein Schauen. Den Blick stier gerichtet durchs Fenster auf eine Welt, die stündlich auf die Resettaste zu drücken scheint und sich dabei doch nichts Neues einfallen lässt als Wiederholung auf Wiederholung grinsekatziger Nichtigkeiten. Schlimm ist dies weiter nicht, schlimm allein ist die Erwartung, die Erwartung ein Drücken solcher Taste ändere irgendetwas am gnadenlosen Gleichmaß der Ein – und Ausatmerei des Großen Geistes. Geben. Nehmen. Erschaffen. Zerstören. So nun die Scheibe Welt plan und matt vor des Hasen gefurchter Stirn und dem Aug’ gegenüber nüscht als Huschen, Bewegung ziellos, manisch, verzweifelt und fröhlich, tapfer und blind, jeglichen Sinn verleugnend, als sich selber als vorhanden und so als gewichtig zu feiern. Gut so. Das Hirn des Schausimulierers, wohltuend leer fühlt es sich an, der Blick ruht aus pupillenstill und schweift mal nicht gen Innereien. Aber da wäre noch das abbe Bein. Der Auftrag. Die Bitte. Ein Einfall fasst den Budnikowski an. Er spricht also.

„Mahler?“

„Ja? Was sieht das Medium?“

„Ich denke, also blind ich!“

„Budnikowski, bester! Hunderte mal blickte ich aus dem Fenster hinaus und sie nach dem dritten oder vierten Male hauen mir erkenntnisschwangere Wortbasteleien ums Ohr!“

„Es ist lediglich das Fremd!“

„Ich lausche!“

„Sie müssen alles umdrehen!”

„Was bedeutet dies? Wir sitzen hinter dem Fenster als säßen wir davor?“

„So ähnlich! Stellen wir uns vor, ich blicke am abben Bein vorbei und es ist gar nicht das ihrige!“

„Das ist Blödsinn! Hier! Sehen Sie! Fassen Sie an!“

„Das geht schon nicht ab von ihrem Leib oder ihrer Seele ihr heiliges abbes Bein, wenn Sie es mal jemanden anderen überantworten, zeitweilig!“

„Budnikowski, Mann! Sie überfordern mich! Jetzt schauen Sie bitte aus dem Fenster und morgen will ich von Ihnen lediglich erfahren, was die Blumen tun!“

„Wie bär es wünscht! Ihr Auftrag, mein Blick!“

Und Budnikowski sieht ein abbes Bein da unten auf der Straße liegen, das legendäre abbe Bein des Archibald Mahler. Um das Bein herum schwellen Pfützen und Hagelkorn trommelt auf das Pflaster. Und wo gestern oder vorgestern noch Fäden – Zeugen einer noch nicht begriffenen Tat – aus dem oberen Teil des Beines ragten, da wachsen heute blaßrote Tulpen und recken ihre Köpfe in den Gewittersturm. Und Budnikowski summt ein altes Lied. Und Mahler nickt dazu, rhythmisch. Hat er schon lange nicht mehr gemacht.

(Fortsetzung folgt)

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Mit den Augen des befreundeten Fremd / Zwei

Dienstag, 12. Mai 2015 19:56

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Mahler beginnt zu zweifeln. Budnikowski schaut und sacht nüscht. Schaut der dann überhaupt? Hömma, dat iss ebend dat Problem. Budnikowski schaut hin und her und schaut und findet und verwirft und ist gewissenhaft und schaut. Wer sagt, daß man Mitteilung machen muß, wenn man schaut? Mahler täte aber gerne was wissen wollen und ob hinter seinem Rücken Welt noch stattfindet ist ihm durchaus von Interesse. Hömma, dat iss ebend dat Problem. Die Welt tut dat nich mal mitkriegen tun mit des Mahlers sein haarigen Rückenteil und dat mit die ganze Versuchsanordnung am hessischen Fensterbrett. Das ist dem Mahler vollkommen klar, aber der Unruhe, welche im Bären steppt, offensichtlich nicht. Der Stolz nun, welcher auch in Mahler ruht und sich dort mit manchem moralischen Axiom das durchwühlte Lager teilt, lässt ungeduldige Nachfrage nicht zu. Was tun? Zu spät jedoch die falsche Bescheidenheit des Mahler, denn Budnikowski spürt trotz aller eigner Aufgeregtheit und angespannter Pflichtbewußtheit der neuen Aufgabe gegenüber, wie hinter seinem Rücken ein Bärenkosmos unruhig vibriert. Ein erster Satz mag sich so bilden, dann formen im Bereich der Sprechmuskulatur. Doch er wird noch gebremst von Onkel Kleinhirn und anderen Prinzipienreitern. Spürt Budnikowski da, nachschmeckend noch was ihm eben fast auf der Zunge gelegen wäre, einen Bärenellenbogen in den dürren Rippen? Der sinnende Hase räuspert sich, spannt Gaumensegel und Zungenboden, sucht nach neuen Textbausteinen, um seiner Empörung angesichts unangemessener Ungeduld und egomaner Drängelei Ausdruck zu verleihen, als er einen tiefen Bärenseufzer vernimmt und – zeitgleich fast – ein hingehauchter Bärensatz seine Löffel vibrieren lässt.

„Budnikowski? Ist das abbe Bein noch da?“

„Mahler! Das abbe Bein ist immer da!“

„Ich meinte, liegt das abbe Bein noch auf der Straße? Vor Ihrem wachen Aug’?“

„Das kann ich nicht sehen!“

„Ja schauen Sie denn nicht?“

„Ob das abbe Bein jetzt da liegt oder nicht, es ist immer da! Das sehe ich.“

„Das können Sie sehen?“

„Das ist der Vorteil des Fremd!“

„Das verstehe ich nicht.“

„Mahler! Auch wenn Ihr abbes Bein an Ihnen dran ist, liegt es da unten rum. Selbst wenn es da nicht rumliegt. Sie haben mich gebeten für Sie zu schauen und also sehe ich nur abbes Bein!“

„Habe ich immer nur abbes Bein gesehen, als ich schaute?“

„Geht gar nicht anders. So ist die Welt!“

„Sie sagen, mein abbes Bein ist die Welt, die mein?“

„Oft ist das so!“

„Budnikowski? Könnten Sie für mich das abbe Bein wegschauen?“

„Kaum! Ich könnte versuchen daran vorbei zu blicken.“

„Und das abbe Bein links liegen lassen?“

„Oder rechts!“

„Wollen Sie das mal versuchen!“

„Gerne. Und jetzt bitte Ruhe im Bärenfell! Hören Sie?

(Fortsetzung folgt)

Thema: Das Fremd, Küchenschypsologie, Letzte Fragen | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth

Mit den Augen des befreundeten Fremd / Eins

Donnerstag, 7. Mai 2015 17:57

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Vom Regelwerk heute und der Tat

Archibald Mahler lässt schauen. Aha! Der Herr von A PUNKT Mahler lassen ab sofort schauen. Hört hört! Ach? Ach! Gründe wird er wohl haben. Ob er nun müde oder angeschlagen oder angewidert oder ein arroganter Schnösel oder einfach nur einfach ist, was er eben ist, es ändert nichts an der Tat, der Vorgang bleibt der, welchen er darstellt und zwar selbiger: Archibald Mahler lässt schauen und der Herr von und zu Lippstadt – Budnikowski übernimmt dies für ihn. Der wiederum weiß warum er diese Aufgabe übernommen hat, denn auch er hat gründlich Gründe. Welcher Natur diese sind, ob er vom Helfersyndrom angefasst ist, von der Selbstsucht gar, der Hase lediglich eine Selbstverständlichkeit leistet, man ihn überrumpelt hat, er Größe findet in tätiger Naivität, er sich an etwas zu erinnern sucht, was sich wie eine Freundschaft anfühlen möge, wir wissen es nicht. Wir sehen lediglich ein Handeln. Das möge uns reichen. Nennen wir den Vorgang vorläufig eine Versuchsanordnung.

Im folgenden werden die zwei Teilnehmer, Laboranten, Versuchskaninchen und – bären versuchen ein grobes Regelwerk zu erstellen. Wer mal Kind war, mag sich daran erinnern, daß der Erstellung eines dem Spiel vorauseilenden Regelwerks oft mehr Reiz innewohnt als dem Spiele selbst. Auch wurde schon oft festgestellt, daß der Energieaufwand, der beim Finden und Festsetzen von Regeln betrieben wird, ein dermaßen gewaltiger ist, daß für den Vollzug eines angestrebten Spiels nicht mehr allzu viel übrig bleibt an Kraft. Hören wir rein.

„Was sehen Sie, Budnikowski?“

„Allerhand!“

„Genauer!“

„Tja, Mahler, da geht es schon los. Spielen wir mit oder ohne Filter?“

„Reden wir hier über Kaffee aufbrühen?“

„In gewisser Weise. Was ich sehe, in dem Moment da Sie mich fragen, was ich eben dann sehe, ist schon kalter Kaffee in dem Moment, da ich eine Antwort versuche!“

„Das heißt? Für Sie? Für mich?“

„Ad eins: was soll ich Ihnen mitteilen? Moment? Bewertung? Soll ich sammeln, zusammenrechnen, abwarten? Eine Art Quersumme übermitteln? Ad zwo: wünschen Sie Live – Berichterstattung, detailverliebt? Dürfen Emotionen meinerseits einfließen in die Schilderung? Geben Sie sich vorbehaltlos zufrieden? Darf ich die Kommentarfunktion deaktivieren? Prokura ohne Vetorecht?“

„Tja! Bedenkenswert. Gut, erster Versuch wäre: wenn da draußen etwas, was länger liegen bleibt, rumliegt oder steht, selbst wenn Sie bei einen zweiten Blick keine Veränderung feststellen, also Sie nach einer geflissentlichen Beschreibung mir kalt und nicht wertend Mitteilung machten, ginge das?“

„Sie treffen also eine Vorauswahl?“

„Lässt sich das vermeiden?“

„Vertrauen ist ein hartes Geschäft!“

„Neigen Sie zur Lüge?“

„Ich finde eine gewisse Ausschmückung bei der Weiterleitung von Wahrnehmungen durchaus legitim!“

„Recht so! Wir sind keine Wissenschaftler, Herr Budnikowski! Und wenn Sie länger schauen und mir gelegentlich ein Destillat – reichlich ausgeschmückt und garniert mit allen Arabesken tausend und mancher Nächte – rüber reichen?“

„Was halten Sie davon, wenn Sie mich fragen, was ich gerade erblicke?“

„Was erblicken Sie eben?“

„Mahler, ich erblicke das abbe Bein!“

„Aber…!?!“

„Was aber?“

„Das ist unmöglich! Das ist doch an mir dran!“

„Ja, das denken Sie, lieber Mahler! Da denken Sie nur! Soll ich also nochmals genauer hinschauen? Ausnahmsweise?“

„Bitte!“

(Lange Pause. Etliche Einatmer. Diverse Ausatmer. An Intensität zunehmend. In Archies scheppsen Kopp viele Töne.)

„Da unten auf der Straße liegt ein etwa dreizehn Zentimeter langes, im Umfang elf Zentimeter dickes, braunes Fellding, welches sich – momentane Lage – nach rechts hin zu einer sieben Zentimeter breiten und vier Zentimeter dicken Tatze oder Pranke verbreitert, die mit drei drei Zentimeter langen Nähten abgenäht ist, welche wohl zur Darstellung der Klauen dienen sollen. Nach links hin dringt Holzwolle aus dem Etwas und einzelne Fäden lugen heraus. Die Außentemperatur misst sich – eben um sieben Uhr fünfundvierzig – auf windige neun Grad hoch. Eventuell zu kühl, also gefährlich für frisch gesetzte Tomaten. Mögen Bären eigentlich Tomaten? Übrigens, soll ich die Amsel verscheuchen?“

(Fortsetzung folgt.)

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Archibald Mahler kehrt heim / Thesen / Aussicht

Mittwoch, 29. April 2015 16:38

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Da saß sie die SIE, schwenkte Bein, starrte blond, plastikpuppte monoton, aber sehr freundlich, zahngrinste hübschgesichtig vom Küchenschrank hinab in die nächtliche Leere, drunten auf dem Küchentisch zog seit Stunden ein Tee vor sich hin, den wer vor der Bettruhe aufgegossen, dann ihn aber von Hypnos vorzeitig in die Laken gesandt vergessen hatte, der Herr Budnikowski zeigte Schulter und schwieg wohlgelaunt, Herr Archibald Mahler, der Bär vom Brandplatz, heimgekehrt und mit einer ihm schwer unter dem Herzen dräuenden Frage belastet, wunderte sich, aber auch er schwieg, wohlgelaunt kaum, dennoch nicht gänzlich missmutig, eher besorgt auf Grund der unerwarteten Neuerung. Dazu sollte man wissen, daß ein Bär, dessen Leben schon einen radikalen Einschnitt (Das abbe Bein!) bereit gehalten hatte, kein großer Freund unliebsamer und (vor allem dies!) nicht angekündigter Neuerungen ist, sondern ein gewisses, vorrangig stabiles Gleichmaß und gesittete Alltäglichkeit bevorzugt. Dennoch schwieg er, genoß – beinahe – das Schweigen und die Absurdität der neuen Sitzsituation. Wie nun vor dem Küchenfenster Eos ihr Haupt erhob den neuen Tag zu grüßen und der Spatzen Chor die ersten Strahlen des Lichts begrüßte, hob der Herr Budnikowski an zu sprechen.

„Das Dasein eines Bären, der zum Intellektuellen sich hin neigt, besteht darin, daß er Grundfragen nach der Existenz stellt, daß er die Welt problematisiert und Unruhe stiftet – in anderen und in sich selbst. So schafft er keine Geborgenheit – zumindest nicht primär – und er ist nicht geborgen! Ein solcher Bär zu sein, heißt eigentlich allein, einsam zu sein!“

„Da sprechen Sie recht. Woher aber dies? Haben Sie in meinem Kopp Urlaub gemacht!“

„Angesammelte Zeit verbracht in einer gewissen Nähe – auch wenn vom Solitär nicht unbedingt gewünscht – gebiert manch sinnangereicherte Erkenntnis, lieber Herr Mahler!“

„Dann weiter im Text!“

„Der Zustand des Ungeborgenseins ist, auch weil der intellektuelle Bär, allen Anfechtungen einer sich ändernden Realität zum Trotz, wie ein Zinnsoldat, der nicht schmelzen mag, in der Hölle seines Denksystems verharrt, weil er will und muß (These!), also ein schmerzhafter und auf Dauer den schon vorhandenen Leidensdruck potenzierender Zustand. So mag es geschehen, daß bär, um einmal Geborgenheit zu erleben, den Intellekt verrät…“

„Meinen Sie sich über alle Maßen über die gestrigen Ausrutscher zu amüsieren, hömma?

„… vielleicht auch dies, also bär sich also einer Oberflächlichkeit hingibt, ja, also dies auch sollte, weil also… und deshalb… Kapierste?“

„Wie deshalb?“

„SIE! Genau! Angenommen mal die Welt wäre blondiert, überpinselt, weil man es auch so will, friedlicher, koloriert, das Häßliche könnte man nurmehr mit dem eigenen Rücken betrachten, Fluchtreflex und Selbsterhalt, und es zieht einen hinan und hinweg, das Ewige, Schöne, Weib, also…“

„Kann es sein, Sie verlaufen sich gerade im Dschungel Ihrer Theorie?”

„Therapie! Und Metapferd! Quatsch! Metapher! Metapheromene! Sie, Herr Mahler, nehmen Sie die SIE als Metapferd und also reiten Sie auf dem Rücken der Schönheit SIE – als Metapher – hinaus aus der Schmorhölle Denksystem Mahler und atmen ein frische Metapheromene und so weiter!“

„Ich will aber keine Freundin, Budnikowski!“

„Meine ich doch auch nicht, ich dachte nur an eine Antwort auf die Frage, die unter Ihrem Herzen dräut! Alles kein Problem.“

„Wie?“

„Ich mache es für Sie. Kein Problem!“

„Woher wissen Sie?“

„Sagten Sie nicht, ich hätte in Ihrem Kopp Urlaub gemacht?“

„Ja, ich sagte dies!“

„Eben!“

(Fortsetzung folgt)

Thema: Archibalds Geschichte, Back in Town, Hömma, wat ich grad am Denken bin, Küchenschypsologie | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth

Sechster Brief an den Ehrenwerten Herrn Albert

Freitag, 24. April 2015 12:59

lahn3

Sehr geehrter Herr Ernst Albert,

das mit dem Steuern wird bei mir wohl nix. Nach reifender Überlegung. Quatsch. Wenige Sekunden nur der Vorstellung: Archibald Mahler vor oder hinter einem Lenkrad: Angstperlen auf der Bärenstirn am Bärenkopp. „Was hast Du im Schädel? Dreck oder Stroh? Bist Du so dumm? Oder tust Du nur so?“ Nein, bester Herr Ernst Albert, nicht Sie meine ich mit diesem uralten Reim von Wolf B – mann, keine Beschimpfung ob meiner Verpflanzung aus der Anonymität in das karge Licht der beschauten Welt sei dies, nein dies ist lediglich Selbstbeschimpfung des Bären und geschuldet einer allgegenwärtigen Traurigkeit, die beim Schauen auf Dinge entsteht und wuchert, wenn man nicht aufpasst. Zurück zum Lenkrad. Wie gelingt dies den Aufrechtgehern – den meisten (Die Freiheit soll es ja sein, die Freiheit des Bürgers!) – vor und hinter den Lenkrädern auf den Betonbahnen, die Wald, Flur, Stadt und Wege zerschneiden, durchfurchen, schreddern, daß einem schlendernden Bären ganz bange werden mag: das Gas anbeten und alle Bremsen verachten? Und dann (Bummelant! Verkehrshindernis! Macht das weg, das Störding, das lahme!) auch noch: der Überholvorgang. Zahn auf Zahn knirschend, kiefermahlend selbstgerecht. Da möchte ich kein Hinderlichbär sein. Mein Tempolimit wäre fünfzehn Kilometer in der Stunde. Man darf nur so schnell fahren, wie der Liter Treibsaft kostet, das heißt eigentlich wirklich wert sein müßte. Aber das macht mal mit Euch selbst aus, die ihr Leib und Kopp in Blech geschneidert, von Licht, Luft und Verantwortung abgenabelt, die sagenumwobene Zeit zu sparen. Da denke ich ja gerne mal drüber nach zwischen Hölzchen und Schaltstöckchen: wie macht man das: Zeit sparen? Gibt es da Büchsen für? Zinsen? Spart man da eher im Fond? Oder im Heck? Teufel aber auch! Ein Boot vielleicht würde ich wohl lenken wollen. Wer über Bord geht, darf zumindest versuchen, an Land zu schwimmen. Aber braucht man da nicht einen Schein? Überall sind Scheine. Und ich habe keine. Ich mag auch keine haben wollen. Und machen schon gar nicht. Machen tu ich braune Haufen oder Wortberge. Und die sehen sich manchmal verflucht ähnlich. Aber es muß raus. So ein geplatzter Bär sieht auch Scheiße aus. Ich schweife weg. Und deshalb ist das auch mit dem Lenken nichts für mich. Der geschlagene Haken ist mir wichtiger als der eilige Hintermann. Apropos Haken: vielleicht mach ich jetzt einfach heeme und frag den Budnikowski, ob er sich mal für mich ans Steuer setzt und für mich aus dem Fester schaut und mir sagt, was er so sieht. Kommentieren kann ich das dann schlaubärenhaft immer noch. Selbstversuch. Gefilterte Ahnung. Fremde Sicht. Weniger Worte. Den Zweifel fressen. Ob ich dem Hasen auch glauben will? Kann? Solitärer Monobär, der ich am liebsten am eigenen Pöter rumkratze? Bevor das sich jetzt zur Selbstgeißelung auswächst, will ich den Schritt gen Heimat lenken. Morgen soll es ja auch regnen und winterschlaflos, wie ich dieses Jahr in den Lenz tapere, fröstelt mich schnell und ausdauernd. Ist das eine gute Idee. Sie könnten mir eigentlich auch mal schreiben, Herr Albert. Oder?

Bis dahin mit allerherzlichstem Bärengruß. Und nicht vergessen: Ein Leben ohne Führerschein besänftigt.

Ihr Herr Archibald Mahler

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