Beiträge vom August, 2011

BEI PÖHLERS UNTERM SOFA (TEIL 3)

Mittwoch, 31. August 2011 8:29

k_a_nebelstochern

„Merken die eigentlich nichts, die Pöhlers?“

„Wie sollen Sie auch, Herr von Lippstadt-Budnikowski? Das Pinocchio-Gen stirbt aus.“

„Keine Lügen mehr? Das wüßte ich aber!“

„Mehr Lügen. Aber weil die Lüge unter Durchsetzungsvermögen abgeheftet wird, wachsen die Nasen nicht mehr. Besser so wahrscheinlich. Man käme überhaupt nicht mehr voran auf den überfüllten Strassen. Ständig bliebe man hängen.“

„Passiert uns doch auch, bester Herr Mahler!“

„Das Schicksal prähistorischer Moraltiere!“

„Aber warum schlingern dann die kleinen flachen Leitwölfe so in der Gegend rum?“

„Wer die eine Hand ständig auf dem eigenen Glied ruhen hat, dem fehlt es an Aufmerksamkeit für die Straße, die vor ihm liegt! Herzlich willkommen zurück in Mittelhessen, by the way, wie man heute sagen würde!“

„Sie bemerken den Nebel?“

„Konsequenz!“

„Hä!“

„Wer bei Pöhlers unter dem Sofa rumstochert, braucht sich über aufsteigenden Nebel nicht zu wundern!“

„Aber alle sind doch so laut!“

„Konsequenz ebenso. Brüllen im Nebel. Pfeiffen stehen im Wald. Pinocchio auf dritten Plätzen. Sie seufzen, bester Stan?“

„Hömma, die ganze Pöhlereichose tut mich ziemlich nervieren tun. Wennse dann noch siehst, wie der Herr Bundesschalträger oben seine eregierte Zeigefinger ausfahren tut, um untenherum dem Leitdackel anne mutige Knie rumzuschrauben, dann kann et schon mal passieren, datte Deinen Mageninhalt auffe Morgenzeitung platzieren tust. Also nee!“

„Konsequenz?“

„Päusken. Ich fahr nach Litauen. Zu die langen Kerle. Tschökes.“

„Nehmen Sie dies mit. Reiselektüre. Mag es Sie aufbauen. Sie sind nicht allein!“

„Und Sie, Mahler?“

„Ich gehe auch!“

„Irgendwohin?“

„Irgendwohin!“

Ein Möbelwagen bremst im Nebel. Möbelpacker in kurzen Hosen. Sie laden das Sofa der Familie Pöhler auf. Familie Pöhler bleibt im Nebel liegen. Und wenn sie nicht die Fresse halten, dann liegen sie noch morgen. Und übermorgen auch.

Thema: Draußen vor der Tür, Öffentliche Leibesübungen | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth

BEI PÖHLERS UNTERM SOFA (TEIL 2)

Dienstag, 30. August 2011 14:10

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Herr „Lütten Stan“ von Lippstadt-Budniskowski hat Herrn Archibald Mahler eine E-Mail geschrieben. Hä? Wie soll das bitte angehen? Ganz einfach, Archibald Mahler hat ein Mobiltelefon mit Netzflachratte! Mahler hat ein Mobiltelefon mit Netzflachratte? Wenn Mahler ein Mobiltelefon mit Netzflachratte braucht oder sich vorstellt, er könne eins benötigen, dann hat er eben eins. Mahlers Mobiltelefon mit Netzflachratte piepst. Ei schau! Archibald Mahler liest eine E-Mail.

„Hömma Kumpel, ich tu hier aussem Fenster schauen auffe Hauptstadt und denken tu ich woll auch über dat Gestrige und Ihre wohlfeilen Rügen von wegen die BILD – Zeitung un dergleichen. Dat mit die Verkürzung vonne literarische Texte iss ein Unding. Da haben sie Recht inne Gänze von Ihre Behauptungen des Denkens. Und Lesen iss ja wie Synapsen wässern, quasi. Also bin ich inne Bahnhofsbuchhandlung am Zoo inne Hauptstadt und bin getz stolzer Besitzer von zwei literarisch hochwertige Büchkes. Da iss einmal dat Werk „Schoßgebelle“ von einem Herrn Philipp Roche und dat andere tut „Das feine Kleine (unten)“ heißen tun und iss von einer Dame Charlotte zu Lahm verfaßt worden oder gelassen worden. Weißt Du dat? Egal! Innem ersten Buch spricht ein junger Pöhler anne nachwachsende Pöhlerjugend, wie er auffe Schöße von seine Onkels und Lehrers und wat weiß ich wat alles gesessen iss und immer gebellt hat, dat man ihn erhören möge und für immer und ewig zum besten Pöhler unter die Ligasonne machen möge. Und dat er aber immer schon vonne Vorsehung geküßt war, dat er sonne Art von Inkarnation vonne Pöhlerzukunft darstellen tut und deshalb die Onkels und so eh Heiopeis und Dösbattel sind und dat dat ganze Gebelle nur Zeitverschwendung iss für dat originäre Pöhlergenie wie er und nur einer Capitano anne Stelle vonnem Capitano und so weiter im Schoßgebell. Und dat er heute nur noch innem Schoß vom Bundesjogi bellen tut. Für wat und warum, dat tut er allerdings nich hinschreiben lassen tun. Ich sach mal, iss sone Art von Kochbuch, wo die Pöhlerjugend sich ein Ei drüber braten kann. Dat Werk von Frau Charlotte von Lahm wiederum iss eine Art Roadtrip annen eigene Körper hin. Und die tut schreiben, dat, weil ihre böse Tante Käthe früher nie mit ihr Sigmund Freud gelesen hat, sondern nur immer anne Playstation rumgedaddelt hat und vonne Keksfresserei voll und völler wurde, sie, Charlotte die Hellsichtige, einfach die Werke vonnem Herrn ausse Wiener Berggasse selber aussem Regal gefischt und ratzfatz gelesen hat und dabei feststellen mußte, dat sie gar keinen Schniepel inne Buchse, sondern eben wat auch immer und dat dat dann dat feine Kleine iss oder so. Jedenfalls geht et in beiden Werken umme Freiheit. Die Freiheit von wat? Dat konnte ich noch nich feststellen tun. Irgendwat da draußen iss gerade am Untergehen. So getz hau ich mich innen Schnellzuch nach Mittelhessen. Und morgen können wir konferenzieren tun. Generell glaub ich, ich muß mich vonne Pöhlerei lossagen. Bin ich zu alt für woll für diesen Kokolores. Bis die Tage Ihren Stan.“

Archibald Mahler grinst und pfeift ein Lied vor sich hin. Ein sehr altes Lied. Ein Lied ganz ohne Worte. Wie schön. Aber eigentlich wollte er doch irgendwohin gehen.

Thema: Anregende Buchstaben, Draußen vor der Tür, Öffentliche Leibesübungen | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth

BEI PÖHLERS UNTERM SOFA (TEIL 1)

Montag, 29. August 2011 17:27

kuno_berlin2

Archibald Mahler war aufgestanden. Nun geht er irgendwohin. Da klingelt sein Mobiltelefon. Mahler hat ein Mobiltelefon? Wenn Mahler ein Mobiltelefon braucht oder sich vorstellt, er könne eins benötigen, dann hat er eben eins. Mahlers Mobiltelefon klingelt demnach. Von Lippstadt – Budnikowski ist dran.

„Bitte?“

„Hallo, Mahlerken, hömma, hier inne Hauptstadt dat iss voll der Hammer!“

„Wie meinen? Wird regiert!“

„Kannse getz nich so sagen!“

„Ja nun, was treiben Sie so?“

„Ich sitze hier beie Füße vom ehrenwerten Herrn Geheimrat von und zu Goethe!“

„Wo das denn?“

„Na, inne Anlage namens Tiergarten!“

„Ach, stellt man Aufrechtgeher, die ihrer Heimatsprache mächtig sind, nun im Zoo aus?“

„Quatschkopp! Dat iss eine Denkmalsstatuette vonnem Reimeschmied! Und davor tut einer auffe Bank sitzen und lesen tun!“

„Wahlverwandschaften? Faust? Über die Farbenlehre? Werther? Iphigenie?“

„Nee! BILD!“

„Deshalb stören Sie mich in meiner Verwirrung?“

„Dat kann unsere Wenichkeit gerne steigern tun mit die Verwirrung. Ich les mal vor, was ich erspähen kann auffe Printmedie vis a vis: Herr Lahm ist nicht schwul!“

„Und wenn interessiert dies, außer vielleicht seine Frau?“

„Ja, aber darunter kannse stehen sehn– ich hau mich wech – dat dem Herrn Ballack seine Frau von zu Hause ausgezogen iss mit die ganze Kinderschar un die komplette Möbelage.“

„Was darunter? Niveaulimbo?“

„Nein allet auf eine Seite. Oben iss die eine Verlautbarung mit die sexuelle Orientierung, direkt darunter steht dat andere vonne Auflösung von eine ehemals sexuelle Gemeinschaftlichkeit. Und noch mehr! Dat glaub ich woll nich! Nee! Unfaßbar!“

„Jetzt haben wir damit angefangen! Raus damit!“

„Da steht inne Vertiefung vonne Thema, dat anne Wohnungsklingel bei Lahmens öfters ein Mann am klingeln war, mit schwarzem Haupthaar unnem Liebesgeständnis auffem Zettel für den Hausherrn und dat der Lahm immer nach Köln am fliegen sei wegen einem Kerl, wat aber nich stimmen tut. Dat wird angeprangert vom Linkverteidiger. Wegen die Schlechtigkeit vonne Menschheit un die üble Nachrede! Aber hömma, Mahler: Köln, Leverkusen, Klingeln, schwatte Haare, Frau wech! Dat isset doch. Also nee! Dat hätt ich getz von dem Michael nich gedacht. Also da isset ja am stauben bei Großfamilie Pöhlers unterm Sofa. Aber wissen Sie wat mich noch am umtreiben iss nach diese Neuigkeitentsunami von weltbewegender Intensiosität?“

„Trägt man beim DFB Echthaar oder Toupet?“

„Ja, hömma Mahler, pöhlitical korrekt iss dat nich, hömma. Dat iss ein Thema vonne höchste Delikatosität und Intimerei. Dat iss anne Diskriminationslinie angesiedelt. Da musse vollste Vorsicht walten lassen tun in alle Äußerlichkeiten!“

„Wer sich auf diese Titelseite begibt, kommt darin um!“

„Also Sie meinen, dat wenn wer ungefragt sein Dingens inne Öffentlichkeit hängen tut, dem kannse auch an seine Hosennaht strullen!“

„Sie haben mich angerufen, bester Fremdleser!“

„Nee, also nee. Schwattet Toupet? Getz? Ja lüch ich denn? Eine Menage a trois. Getz verstehe ich dat mit dem ganze Capitanogedönse. Dat iss eine stinknormale Eifersuchtsgeschichte. Ja glaub ich dat? Da fällste vonne Pöhlerei ab. Heiliger Bimbam!“

„Legen Sie auf, bevor der Wahn Sie packt und meiden Sie Bänke mit solchen Lesern! Hallo? Haaaalloooo? Na so was!“

Archibald Mahler hält ein Mobiltelefon in seinen Händen. Man kann den Hasen in der Hauptstadt singen hören. Ein ganz altes Lied. Gott sei Dank ist Herr Archibald Mahler im wesentlichen Autoerotiker. Ähem: war. Mehr sei aber hier noch nicht verraten. Da machen wir dann eine Fortsetzungsgeschichte draus. Hihihi!

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AUFFEM PLATZ BLEIBEN! SONST FRESSE!

Sonntag, 28. August 2011 10:54

kuno_berlin

Herr von Lippstadt-Budnikowski, Großer Pöhlerator und Fachhase, hat aus der Hauptstadt eine Grußkarte gesandt. Er hat sich kurz gefaßt und hat dabei das Gefühl – dies vermerkt er in einem Postscriptum – daß schon diese Kurzfassung ein entschieden zu langer Kommentar ist. Aber jetzt isse halt schon unterwegs, die Karte. Und Kleingötze hat ja jetzt auch eine Karte an der Backe. Also bitte und Hoppsasa:

Der mutige Herr L. läßt ein Buch schreiben

In der ersten Schulbankreihe

Klein Philipp hört man eifrig schnipsen

Rotohrig, kieksend, besserwissend.

Braucht ein Löwe solche Tippsen?

Lustig! Der Bär freut sich über das Lebenszeichen. Heute ist Sonntag. Ruhen wir. Denkt der Bär sich. Auch im Kopp. Kalt ist es geworden über Nacht. Zeit sich zu bewegen. Archibald Mahler steht auf. Dann klappt er den Schirm zu. Vorerst. Bis der ehrenwerte Herr von Lippstadt-Budnikowski zurückkehrt. Denn alleine dichten ist doof. Dann geht er los. Irgendwohin. Oder vielleicht etwas Met trinken. Das wärmt.

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WOCHE ENDET, HERBST UND POSTKARTE

Samstag, 27. August 2011 22:55

poesie92

Samstage sind was Schönes. Für Bären. Für Bären unter Schirmen. Für Bären, die schauen. Für Archibald Mahler sowieso. Wie es dem gemeinen Aufrechtgeher an Samstagen geht? Man weiß es nicht so recht. Offiziell freut er sich auf das Ende der Woche, diesen ersten freien Tag, auf den er seit dem vergangenen Montag konzentriert hingelebt – gut sagen wir hingeüberlebt – hat. Das Heilige Wochenende. Heilig, heilig, frei nun und am Puls des wahren Lebens, dem lang erträumten. Endlich ein Ich, ein Ich welches ich sein darf. Außer Busfahrer, Gurkenverkäufer, Bierbringer und Streifenpolizisten natürlich. Die dürfen auch mal am Montag oder Donnerstag ein Ich sein. Was wiederum sieht der Bär? Eher eine nicht ganz so gelungene Amateurdarstellung von Freude aka Freiheit aka Lebensziel aka Ich. Heiliges Wochenende halt. Huschen von Kaufbude zu Kaufbude, ständig vergißt wer was oder muß noch was müssen. Junge Aufrechtgehermägdelein verteilen in den Straßen ein kostenloses Getränk in Blechbüchsen. Es heißt „Zero“. Null. Nichts. Wahrscheinlich ist das auch drin. Und dann regnet es auch noch. Und ist kälter. Kälter als gestern. Als noch die Arbeit quälte! Menno! Unverschämheit! Wo ist Gott! Gibt es ja nicht mehr! Grummeln und leises Klagen. Kaum Flüche. Trostkäufe, Mußkäufe, Keinkäufe, Rundläufe und wieder hin und her. Reifenrollen. Ein Parkplatz sei mir auf der Stelle: das noch nicht notierte Grundrecht. Wimmelbilder. Samstage sind was Schönes. Für Bären. Verregnete Samstage sind noch schöner. Der Schirm hängt und pendelt im Botanischen Garten, der leer, weil der gemeine Aufrechtgeher vor Regalen meditiert. „Zweite Kasse, bitte!“ Quatsch! „Zehnte Kasse, kein bitte!“ Besser kein Geld auszugeben, als kein Geld zu haben. Und dieses Wetter wieder! Scheißregierung! Archibald Mahler möchte helfen. Nur wie? Er kann nur reimen.

Protestsong günstig abzugeben

Da weht er, der Wind, da bin ich dagegen

Von vorne schlägt er mir ins Gesicht

Wolke graublau bricht auf, sendet Regen

Für diese Jahreszeit entschieden zu dicht

Frau auf dem Rücksitz, Einkaufsliste vergessen

Telefon klingelt, Mutter ist dran

Hast Du denn heut schon richtig gegessen?

Keiner, nur ich, hier einparken kann.

Da drüben der Chef, Straßenseite gewechselt

Klein ist die Stadt, Halli und Hallo

Die blöde Trulle an der Kasse immer noch sächselt

Drei Nutellas für zwei, das macht mich froh.

Die Henkel der Tüten war’n früher stabiler

Joghurt und Wein und ein wenig Shampoo

Ordnungsamtcowboys belästigen Dealer

Gleich Bundesliga. Vielleicht Sowieso?

Aufschwung, oh Aufschwung verlasse uns nicht

Sehe mein strahlendes Kundengesicht

Oh halte immer den Parkplatz mir leer

Und wenn Du nicht kommst

Kauf ich einfach noch mehr.

Mag es regnen, mag’s schnei’n

Doch eins werd ich nie tun,  richtig laut schrei’n.

Das machen andre und da bin ich dagegen.

Denn Feinde sind nur: der Wind und der Regen.

Und wieder ist es dunkel geworden und die Kaufbuden haben geschlossen. Gott sei Dank mag man sagen. Als Bär. Die armen Aufrechtgeher. Aber morgen ist bestimmt wieder irgendwo ein Event. Weia! Wäre ja schade, wenn man mal einfach so lebt. Denkt der Bär. Was ist das? Sieh an! Der Bär hat eine Postkarte bekommen. Aus der Hauptstadt. Das wird die ganze Nacht kosten, die zu lesen. Sehr schön.

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VOM PREUSSEN IM BÄREN UND DER PFLICHTFLUCHT

Freitag, 26. August 2011 23:14

poesie91

Wieder ein Gewitter. Der Schirm über dem Kopf sorgt nicht für trockene Füße. Aber der Tag ist ein neuerlicher. Der Blick nach unten, auf der Suche nach Abgründen, bleibt wiederum derselbe. Schließlich haben wir mal wieder ein Kleistjahr. Es regnet. Heftig. Man könnte zurück in die Höhle. Man bleibt aber draußen. Weil man nicht aus Zucker ist. Ist man aus Zucker, möchte man nicht aus Zucker sein. Archibald Mahler spricht sein Mantra: „Ich bin doch nicht aus Zpunkt Upunkt Cpunkt Kpunkt Epunkt Rpunkt.“ Dem Gewitter ist das Wurscht mit oder ohne Brot. Kleist legte die Hände an seine soldatische Hosennaht. Das schmerzte. Man tat es trotzdem. Denn vom Leid gilt es zu singen. Der Pflicht. Dem Fluch der Pflicht. Der Pflichtflucht. Der Rückkehr. Zur einer anderen Pflicht. Wenn schon nicht die von außen auferlegte Pflicht, dann die von innen. Die Zensoldaten. Die PreuZen! Der Preuße lebt im Warten vor einer roten Ampel, einem Warten, welches ein Ego nicht beschädigt, sondern stärkt und erweitert. Sonst? Das Wüten gegen die Väter führt gerne mal ins Kloster. Der Blick nach oben bleibt ein ewig wütender. Das Gewitter kommt von draußen her und der Regen auch. Ausharren oder aus mit harren? Der Bär hätte. Ja, was hätte er denn? Schlafen, Bauch und Pöter kratzen können, Honig saugen und so tun als sei dieses Gewitter nicht vorhanden. Wäre aber blöd. Sagt sich Archibald Mahler, Bär vom Brandplatz, welcher nicht in PreuZen liegt. Ist ein Hauch von Restpreußen auf der DNS sehr verwerflich? Was man sich so unter vorüberziehenden Gewitterfronten fragt. Das Wasser steigt Richtung Bärenknöchel. Und der Preuße in Archibald Mahler entscheidet sich gegen die Pflichtflucht und flucht einen letzten Reim vor der Matratze.

An die Tiefs Luise und Klotilde

Ein Donner grollt und bebt von prominenter Stelle

Erschreckt das Volk durch Gassen heimwärts irrt

Ein Blitz in Ferne zündet Lampenhelle

Ein lichter Streif den platinblauen Himmel ziert.

Es hebt das Haupt der trunken stille Zecher

Den finstre Reue und viel zu hohe Rechnung quält

In seiner Hand vibriert ein leerer Becher

Als er vom Donner an nun die Sekunden zählt.

Den alten Baum, der drunten steht am Ufer

Zerteilt ein Blitz bevor der Trinker „zwei“ gedacht

Das Feuer lodert und „Zu Hülf“, es flieht der Rufer

Und leise schleicht hinab zum Fluß die Nacht.

Kalt streicht die Luft heran, es heben sich die Lungen

Ein schwankend Mann an einer klammen Mauer lehnt

Ein leises Lied zum Fenster hoch gesungen

Wo er die Liebste einst gewähnt.

Es trennt vom Donner sich ein Blitz.

Man löscht das Licht.

Der Trinker aus der Hand legt seine Leier.

„Scheibenkleister!“ Vor lauter Reimerei hat der Bär nicht mitbekommen, daß seine Füße jetzt richtig naß geworden sind. Ob man vielleicht einen neuen Schirm? Heute nacht noch hier! Entschluß! Entscheidung! Man ist ja nicht aus…! Schnauze und Gute Nacht!

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LICHER, LAHMENTO UND NICHT NEUES VOR DER NASE ALS DER NÄCHSTE TAG

Donnerstag, 25. August 2011 23:14

poesie9

Archibald Mahler sitzt unter seinem Schirm. Weiterhin. Der Schirm hängt da rum. Im Botanischen Garten. An einen Baum. Über dem Buch. In der schwülen Luft, die Fräulein Else Sommer in einer Art letztem und reumütigem Gefecht angesichts ihrer doch recht dürftigen Tätigkeit in den letzten Monaten über Mittelhessen rauschen läßt. Im Norden jedoch sammelt der Freiherr Gottfried von Herbst schon seine Truppen, Luftmassen prallen aufeinander, es knallt und scheppert und Bäume lassen Äste fallen und der Schirm tut gute Dienste. Archibald Mahler – und darauf möchte er hinweisen – hatte diesen Schirm nicht eingefordert. Kein Rettungsschirm. Das ist ihm gänzlich fremd: sich in selbstverschuldete Unmündigkeit begeben, das Vergessen feiern und nach Hilfe rufen, wenn der geplante große Wurf müde ins Seitenaus hoppelt. Ist ein Schirm aber aufgespannt, warum nicht runter und drunter kriechen? Heute sowieso. Das Gewitter rasselt aufs gespannte Textil und überhaupt, wie will man da neue Reime basteln? Außer vielleicht: ein gelassenes Dadada? Doch das hatte man schon. Wie man überhaupt immer und immer und wieder alles schon hatte und sich wieder und wieder und nochmals aufregt und aufplustert und lahmentiert und es ist alles unwahrscheinlich lahm und lahmer und dumm und wadenbeißig und beleidigt beleidigend, aber da macht der Herr von Lippstadt-Budnikowski sich gewiß einen Reim drauf, auf dessen Rückkehr der Bär sich freut heut’ und es ruckelt das erhitzte Hirn und hirnt weiter und wieder zurück und verharrt, verharrt beim letzten Wochenende, als die Kleine Häßliche Stadt ihr alljährliches “Fest” feierte, freudig erregt ihre Strassen und Plätze vermüllte und – und das hat der Bär immer noch nicht begriffen – auf den Turm einer Kirche Werbung für ein lokales Biergetränk projizierte. Das mußte Archibald Mahler sich noch mal durchs Hirn strömen lassen. Man hat drei Tage lang Werbung für das gar nicht mal schlecht schmeckende Licher – Bier auf den übriggebliebenen Turm einer im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche gebombten Kirche projiziert. Glaubst Du das, Bär? Nochmal: Man hat drei Tage lang Werbung für das gar nicht mal schlecht schmeckende Licher – Bier auf den übriggebliebenen Turm einer im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche gebombten Kirche projiziert. Archibald Mahler hätte gerne die Augen geschlossen angesichts dieser unendlichen Geschmacklosigkeit, aber wer den Bären kennt weiß, daß dies leider nicht möglich ist. Was war da noch mal? Man hat drei Tage lang Werbung für das gar nicht mal schlecht schmeckende Licher – Bier auf den übriggebliebenen Turm einer im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche gebombten Kirche projiziert. In einer zivilisierten Aufrechtgehergesellschaft müßte das eigentlich als Rücktrittsgrund für das Stadtoberhaupt ausreichen! Würg! Und dann auch noch der Lahm! Aber das erledigt dann Lippstadt – Budnikowski. Und was ist mit dem Reim? Weia! Nun, vielleicht ist die Welt heute einfach nur eine Wespe.

Sommer der Wespen Oder Denken bei Tiefdruck

O Ausgeburt des berstenden Schlamms ausgetrockneter Lenztümpel

Plage unablässige forderst Du Gelassenheit

Auf der letzten Seite der Zeitungen die Wetterkarten

Isobaren schlingernd vor dem brennenden Auge

Nichts als das Echo einer verglühten Erwartung

Fuchtiges Wedeln und im Limonadenglas summt sich

Eine Wespe ins Jenseits

Das Glas verschüttet auf dem glühenden Asphalt

Wie schnell es plötzlich dunkel wird

Rechts und links der Stirn

Übers Denken des Herrn Mahler ist es dunkel geworden und der Bär faßt sich an den Pöter und zusammen: Der eine Elfmeter wird gepfiffen und der andere Elfmeter nicht. Dann ist er auch keiner. Aber der morgige Tag, der ist neu.

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WENN WER UM DIE ECKE MACHT, DANN WIRD AUFGEREIMT ODER ES VERSUCHT

Dienstag, 23. August 2011 23:45

poesie8

Bär möchte ja gerne ab und an seine Ruhe haben. Und dann hat er sie. Gegenüber hat sich um die Ecke gemacht. Oder vom Acker. Gestern. Ein letzter Reim ward hinterher gesandt. Mit Scham. Reimscham. Manchmal reimt sich was im Kopf. Man spricht es aus. Im geschlossenen Raum. Möge keiner mitgehört haben. Wanzensuche? Nicht nötig. Die wahre Wanze ist im eigenen Kopf. Zurück zum Anlaß. Archibald Mahler schaut unter seinen Schirm hervor. Er schaut einen Weg entlang. Auf diesem Wege hat sich gerade Herr von Lippstadt-Budnikowski von hinnen gehoppelt. Soll er doch. Ein Bär will ja ab und zu seine Ruhe haben. Jetzt hat er sie. Und sonst. Da wo die Ruhe ist, ist es ruhig. Na ja. Wer plappert jetzt rum? Wen plappert man an? Belehrung ins Leere? Beleerung? Reimen, wenn keiner zuhört? Das hehre Indiwiesodumm? Was hatte man sich gestern vorgenommen? Heute werde aufgereimt. Plan und Plan und schon Sylvester? Und was soll nun aufgereimt? Weichen, Leichen, Fragezeichen? Archibald Mahler, heute nur eine Hälfte, schaukelt vor sich hin. Die Nacht schleicht heran. Es ist schwül. Die Luft verdichtet sich und schwitzt. Und nichts gereimt. Geschweige denn aufgereimt. Der Bär hätte eigentlich die Ruh. Wozu die Ruh? Iss hin, die Ruh! Könnte der Bär seine Faust ballen, ballte er seinen Faust. Hihi! Aufgereimt!

Habe nun, ach, Schypsologie,

Pöhlerei und Musentempel

Und leider auch Grübelei

Durchaus studiert mit Pöterglühn!

Da sitz ich nun, ich armer Bär,

Bin weiterhin gedankenschwer!

Überall auf den Tannenspitzen

Sah ich weiße Hasen sitzen.

Heiße Mahlerius, heiße Bär vom Brandplatz gar

Und ziehe weit über ein und ein halbes Jahr

Herauf, herab und quer und krumm

Mich selber an der Nase rum –

Und sehe, daß wir nichts wissen können!

Doch ein Gefühl will ich mir gönnen,

heute eine lange Nacht,

bis es endlich sei vollbracht,

daß mich kein Zweifel oder Skrupel plagt,

kein Aufrechtgeher meinen Schlaf benagt

Und falls die Welt ausnander fällt,

dann, weil sie nichts zusammenhält

Und dies sei Wurst mir ohne Brot

Ruf nicht den Geist, denn er ist tot

Schon lang

Sei nicht bang

Ein Gedanke keimt:

Bärenherz aufgereimt!

Der Mond verbirgt sein Licht –

Die Lampe schwindet.

Wenn einer um die Ecke macht,

wird halt nur halb soviel gelacht.

Ab ins Bett.

Allein iss nett.

Gelegentlich.

Inzwischen ist Archibald eingeschlafen. Etwas tippt noch vor sich hin. Sinn und Verstand. Halt den Rand! Gute Nacht.

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HÖMMA, VON LIPPSTADT – BUDNIKOWSKI TUT SICH AUSSEM FENSTER LEHNEN TUN

Montag, 22. August 2011 18:12

poesie7

„War Ihre Nacht fruchtbar, Herr von Lippstadt – Budnikowski?“

„Von Spasmen geplagt, lieber Herr Mahler!“

„So schlimm!“

„Über erste Reihe reden und dann selbst! Sie hatten es schon erwähnt!“

„Ich weiß, jeder ist ein Künstler. Lassen wir es dabei und beginnen Sie einfach!“

„Prayer!“

„Hä?“

„Gestern, der letzte Reim auf Aufrechtgeher!“

„Aufschieben macht nur schlechte Haut! Losgelegt!

„Sauhund!“

„Saubär, bitte!“

„Saubär also und Hoppla und so:

Vom sich aussem Fenster lehnen ohne dat ein Sprungtuch inne Umgebung

Hömma wieder rollt (ganz ohne Ischen)

Gepflecht auffem Rasen, geflecht wie ein Pilsken

Die Kiersche nach Regeln der pöhlenden Kunst

In Bayern gibt Uli et Rumpelstilzken

Auch der Rest vonne Betrachter hat keinen Dunst.

Hömma wieder rollt und dat fast tagtäglich

Getreten von Latschen, genickt mit den Kopp

Die Pille, ihr einziges Ziel iss die Hütte

Et fuchteln der Jupp un der Stani, der Klopp

Et wird hyperventiliert, man verliert seine Mitte.

Doch dat iss der Spaß an diesem Gewerbe

Da jeder der Heiopeis et schon imma gewußt

Die Farben von Deim Leibchen durch Zufall Du erbe

Und wenn et ins Höschen geht, wat herrlicher Frust

Und der Zapfhahn sei Zeug’ und Prophet.

Auffem Forum Kickorum schlachten sie Tauben

Und kleben Tabellien mit Herz, ohn Verstand

Tun Meistatipps (Bayern!) ausse Eingeweide klauben

Dabei iss der Meista schon lange bekannt

Et wird sein der alte, der neue. Watt? Woll!

Et bleibt bei schwatz – gelb, doch die Regierung muß wech

Gezeichnet mit Kenntnis von Lippstadt – Budnikowski

Ich sach et Dich gleich: Widerwort hat kein Zwech.

Hömma!“

„Halt! Sie stehen auf und wollen entfliehen? So schlecht ist das gar nicht. In der Themenwahl etwas speziell, das war uns jedoch bewußt!“

„Nicht was Sie vermuten. Kein hasenhaftes Fliehen in Verantwortungsfurcht und Reimscham, sondern Pflicht. Frau Eva Pelagia braucht mich. Sie fährt in die Hauptstadt. Ich muß!“

„Rollentausch!“

„Sie können ja solange ein wenig aufräumen!“

„Ja lüg ich denn! Man mache sich vom Acker!“

„Tschöckes, Mahlerius!“

„Sauhas! Hab er Spaß! Weia! Reimscham! Gehe ich lieber aufreimen!“

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RÜCKKEHR DES NIEDERSCHLAGS UND ZEHN REIME AUF RECHTGEHER

Sonntag, 21. August 2011 14:36

poesie6

„Bitte, mein Herr: der Schirm!“

„Ja, paßt scho, Herr Mahler!“

„Ich habe keine Einwände gegen die neuerliche Feuchtigkeit. Sie hält den Aufrechtgeher etwas flacher. Brennt der gelbe Planet hasten sie lemminggleich hinaus, drängen sich, schwitzen und hopsen zu lyrischem Liedgut!“

„Textbeispiel!“

„Eben vernahm ich: ‚Hey, was geht ab! Wir feiern die ganze Nacht.’ Da neige ich das Bärenhaupt in Schmerz und Pein! Und dann baden sie ihre kaum nachweisbaren Denkorgane in Alkohol und verschmutzen den öffentlichen Raum!“

„Es wird aber auch behauptet, der Eine oder Andere habe solch groß und viele Gedanken, daß er sein Hirnding schlechterdings in Alkohol baden muß!“

„Ja, wenn er denn meint!“

„Aber, bester Mahlerius, man drückt sich!“

„Ich? Iwoh! Niemals! Kann dieses treue braune Aug’ sich der Lüge hingeben!“

„Sehr wohl! Zehnmal auf Aufrechtgeher! Hoppsa und!“

„Wohlan!

Wer die Morgenstund zu spät

Das Alter macht zum Frühaufsteher

So manchen.

Tag dräut frisch

Und dadurch jäher

Und unvermittelt rast die Zeit

Dahin.

Die frühe Scholle ruft den Säer

Und breitet nackt zu seinen Füßen sich.

Den Sinn

Sucht in der Tat selbst der Versteher

Morgendlicher Hast.

In Eingeweide blickt der Seher.

Wo führt ein neuer Tag mich hin?

Gedankenmus und Zeigerdreher

Nur nach vorn und nie zurück.

In ferner Jugend teure Zeit

Stück für Stück verschwendet

Und zerronnen. Unaufmerksamkeit.

Durchs Feld senst sich der Alte Mäher

Hier und da ein Aufrechtgeher

Fällt. Und keiner findet Gnadenzeit.

Dem langen Tag folgt lange Nacht

Und nah und nah

Und nochmals näher

Bleibt man nun liegen oder nicht

Rollt sie heran mit aller Macht.

Ein Reim noch fehlt ein Letzter.

Gebet (auf englisch.)

„Hä?“

„Hidden track, verborgenes Lied, letzter Reim!“

„Aber er steht da gar nicht!“

„Doch! In ihrem Denkapparat steht er bereit, dort kann er sich vervollständigen. Nehmen Sie – Vielleicht! – dies!“

„Herr Mahler, Herr Mahler!“

„Morgen Sie!“

„Pöhlerei?“

„Pöhlerreime, yep!“

„Hey, was geht ab? Wir reimen die ganze Nacht!“

„Weia!“

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