Anleihen. Ansinnen. Anleid(t)ungen. Sieben.

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Man wird der Dinge nicht Herr, aber dennoch kann man sie lesen

Ja. Man kann darüber lesen. Man kann sich davon berichten lassen. Man kann Bilder betrachten, Filme, man kann anklicken, aus Suchmaschinen etwas zusammenklauben. Sogar davon träumen. Doch selbst aus sicherer Entfernung, von noch trockener Düne aus betrachtet, die Wucht mit welcher eine Sturmflut – und diese hier nennt man eine kleine – gegen das Gestade donnert, sie ist nur spürbar aus einer Nähe, welche hier eine sicher entfernte Nähe ist. Das Gurgeln, Röcheln, Zischen, Fauchen, das gegen den Sand schlagen, stampfen, klatschen, dröhnen, eben gestrandete Wellen überrollt vom Nachfolger, zurückgezogen von der Strömung, übereinander stolpernd, rollend, einander brechend brechende Wogen, von Wind die Kämme zerstäubt, zerwirbelt, gepeitscht, zersaust, heranreitende Wasserrösser, Gischtmähnen, tosend im Zorn und nichts anderes als ewige Wiederholung feiernd, kommen müssen, gehen müssen, geben, nehmen. Stets wiederkehrender Gezeitentanz. Mal sanft, mal mit tödlicher Wucht.

„Herr Mahler, müssen wir mit nassen Pfoten rechnen?“

„Na ja, sicher verneinen vermag ich das hier nicht. Meine Erfahrungen mit Sturmfluten sind eher kärglich.“

„Aber das Schauen ist sehr lustvoll, auch wenn der Herzschlag bummert und trommelt.“

„Lieber Budnikowski, da lebt es halt. Nichtsdestotrotz scheint mir ein geordneter Rückzug nicht dumm!“

„Gewiß. Die Insel vermag ein Lied davon singen. Die kann nicht fliehen.“

„Ja. Die wird hinten weggespült und vorne wieder aufgeschwemmt.“

„Man mag es nicht glauben, sogar Inseln können wandern!“

„Mahler, dann sollten wir auch wandern, solang dies noch freiwillig möglich!“

„Auch mir ist nach fester Behausung!“

„Man folgt ja gern den Fährten und findet die Dinge, aber selbst ein zu suchendes Ding zu werden und vor allem, wo man dann rauskommt und landet!“

„Wenn überhaupt. Budnikowski! Passierten wir heute in der Frühe nicht eine Hütte? Dort, hinter dem Sand, an dem wir lehnen!“

„Los! Mein rechter Lauf ist feucht!“

Aufbruch und hinter den Dünen sind sie bald in Sicherheit. Wohlig  im Ohr aber bleibt den Reisenden das Rauschen der wilden See. Diese Hütte aber? Seltsam.

„Mahler! Waren wir hier schon mal?“

„Weiß nicht!“

„Wohnen wir hier? Da, sehen Sie!“

„Das Buch. Ja. Es kommt mir bekannt vor!“

„Dann lesen Sie!“

„Erst muß ich eine Runde schlafen!“

„Dann Gute Nacht, Freund!“

„Gut Nacht!“

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(text / fotos: christian lugerth)

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Autor: Christian Lugerth
Datum: Donnerstag, 15. März 2018 22:51
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