Archibald schaut Welt


Aus der Tiefe des Raumes, weil WM is’ (10.)
10. Juli 2010, 07:06
Filed under: Aus der Tiefe des Raumes

dritter_platz

„Wenn ich Sie was fragen dürfte, Herr Mahler?“

„Ich bitte darum, Herr von Lippstadt-Budnikowski!“

„Die Südfrucht zu unseren Pfoten? Dezenter Hinweis auf die Sinnlosigkeit des heutigen Spieles?“

„Auch – und da stimme ich mit dem von mir immer mehr geschätzten Herrn Kahn überein – unnötig wie eine Einwechslung von Herrn Gomez vor der Neunzigsten Minute.“

„Des weiteren? Sind Sie sauer?“

„Das haben Sie gut erkannt!“

„Weshalb?“

„Der kuriose, von jeder wirklichen Selbstkritik bereinigte Umgang mit dieser Niederlage.”

“Konkret!”

“Ein um sich selbst kreiselndes Spanien, das sich kaum eine wirkliche Torchance erspielte und dann den Sieg durch einen mit teutonischer Kraft eingenickten Kopfball nach Eckstoß erzielt – Randbemerkung: Puyol ist Jahrgang Ballack! Und: Böse mittelalterliche Standardsituation! – wird zur unbesiegbaren Übermannschaft erklärt, in der Hoffnung von eigener Angst und – Verzeihen Sie! – taktischer Dummheit abzulenken. Man frage Ottmar Hitzfeld, was zu tun ist.“

„Übertreiben Sie nicht?“

„Selbstverständlich übertreibe ich, doch sehen Sie nicht auch in der Essenz ein Stück Wahrheit?“

„Gewiß! Wo sehen Sie das Hauptproblem? Medien? Leitung? Spieler?“

„Pubic Viewing!“

„Fehlt da nicht was?“

„Wer des Englischen mächtig ist, sieht im fehlenden Buchstaben den Hinweis. Alle finden alles total geil, um wenig später total traurig sein zu dürfen, während Edelfan Merkel in der Halbzeitpause die Krankenkassenbeiträge kurz mal total in die Höhe schnellen läßt. Und Herr Löw hatte keine Ahnung, wie das alles passieren konnte. Aber die Frisur sitzt.“

„Konsequenzen?“

„Ich befürchte eher nicht. Eher läßt Populist Theo Zehnerle den Sammer  – Merke: U 21! – über die Klinge springen!“

„Interpretiere ich Sie richtig, so sehen wir am morgigen Abend dann doch ein nicht unwesentliches Spiel, was die Zukunft der Leitung betrifft.“

„Gewiß, doch befürchte ich die Nationale Populistencombo ist sich dessen nicht ganz bewußt. Uruguay lahmt nicht!”

“Mehr Sein, weniger Darstellung?”

“Sie sagen es! Zum Finale bitte!“

„Hup Holland?“

„Es würde mich freuen! Wenn ich Sie noch was fragen dürfte, Herr von Lippstadt-Budnikowski?“

„Ich bitte darum, Herr Mahler!“

„Sie planen doch nicht etwa große Abschiedsfeierlichkeiten für den kommenden Montag?“

„Ich bitte Ihnen!“

„Ich danke Sie!”

Kommentare deaktiviert


Hömma, wat ich grad am denken bin (Folge 11)
8. Juli 2010, 07:40
Filed under: Hömma, wat ich grad am Denken bin

wm_niederlage

Ich sach mal so: wat rät der erfahrene Handwerker seinem Stift? „Nach fest kommt lose!“ Wer da getz in unsere Nationale Jugendbande welches Schräubken wat zu heftig am drehen war, dat soll der Herr Bundestrainer mal schön eigenständig selber herausdestillieren tun, ich kann nur saren, wat ich sehen durfte und dat war entschieden zu wenig. Bei alle Anerkennungshymnen und euphorische Veitstänze vonne letzte Woche und bei alle Respekt fürre großartige Ballstafetten von die Spaniakos: dat is dat Halbfinale vonne Große Pöhlerei Festspiele und auch wenne ganze Welt, die uns getz plötzlich so sehr lieben tut, dann wieder dat Näschen rümpfen muß: da musse mal wieder inne Kiste mit die germanische Tugenden greifen und wat kämpfen. Da kannse nich hingehen, bloß weil dat die absolute Lieblingstruppe von dem Herrn Bundestrainer is, und Spalier stehen, als wär dat eine spanische Hochzeitsgesellschaft. Da is ja die FDP näher anne Positionen vonne CSU dran als unsere Jungspunde anne iberische Gegenspielers am gestrigen Abend und dat darf nich sein. Die Herrn Schweinsteiger – zu großen Teilen – und Neuer tu ich mal ausdrücklich ausnehmen vonne kritische Anmerkungen. Ich war am denken inne Halbzeitpause, rufse mal beie FIFA an, dat die die Anzahl von die Roten Furien nachzählen mögen. Dat kann ja sein, dat der alte Schnauzbart von Übungsleiter dat ein oder andere zusätzliche Wuseltierchen auffe Wiese geschickt hat. Aber pass mal auf, dat war gar nich dat Problem, und hätte, wäre Müller auch nich. Dat Grundlagenproblem war, dat unsere Herren nur mit zwischen 25 un 50 Perzent Anwesenheit auffem Acker von Durban zugegen waren. Wat dat heißt? Kannse gucken:

…….

Die Aufstellung der Nationalen Jugendbande

vom 7. Juli 2010

Neuer

L …Mertesa…Fried…Boa

Schweinsteig…Khe

Tro…Ö…Pod

Klo

Später dazu:

Janse…Kroo…Go

Spielbeginn:

20.30 Uhr

(Wobei ich nich weiß, ob dat getz alle wirklich mitgekriecht ham.)

…….

Dat blaue Pullöverken kann getz inne Wäsche geben, obwohl viel an neuen Schweiß is während der gestrigen Vorführung nich in die Fasern geflossen. Da war schon eine gewisse Apathie inne Körperlichkeit von unserem Herrn Löw festzustellen. War dat getz die Anerkennung vonne gegnerischen Fähigkeiten oder hat der dat Buch schon zugeklappt? Kannse getz schön spekulieren die nächsten Tage. Dat beste anne ganze Trauerspiel is, dat unser Herr Netzer zum Abschied noch mal dat Duell umme gelbe Zitrone mit seine Weisheiten garnieren darf. Dat erfreut uns! Und einen Gruß noch innet Fernsehzimmer vonne Rehabilitationsgebäude zu Luxemburg.

Also: Schicht im Schacht und ich danke Sie für heute. Et grüßt Euren „Lütten Stan“

Kommentare deaktiviert


Aus der Tiefe des Raumes, weil WM is’ (9.)
7. Juli 2010, 09:00
Filed under: Aus der Tiefe des Raumes

ballack

„Wenn ich Sie was fragen dürfte, Herr Mahler?“

„Ich bitte darum, Herr von Lippstadt-Budnikowski!“

„Hup Holland?“

„Oranje boven! Absolut verdienter Sieg, wenn auch im altgermanischen Stil mit Einsprengseln alter Spiellust. Ich freue mich für sie. Ewig Zweiter zu sein, ist kein Zuckerschlecken! Und wichtig: alle Beteiligten immer humorvoll und intelligent in ihren Äußerungen nach dem Spiel.”

„Elegante Überleitung zum Thema des gestrigen Tages im Quartier der Nationalen Jugendbande?“

„So war es gedacht!“

„Chapeau! Ihre Einschätzung?“

„Der kleine altkluge Interimskapitän schießt über das Ziel hinaus. Von einem Einzelabiturient oder Einserkind hätte ich nicht erwartet, daß er das Blatt von Doof Dieckmann für Machtspielchen benutzt.“

„Alte Rechnungen, offen noch von der letzten europäischen Meisterschaft?“

„Davon ist auszugehen. Und Herr Löw hält sich vielsagend raus. Wie nach des Werbeprinzen Backpfeife. Eindeutige Signale! Schade!“

„Ich stimme zu. Vielleicht etwas verfrüht, solch eine Haltung. Noch ist alles Spekulation, ob, wie und wann der Alte von Görlitz noch benötigt wird. Wobei, ich bleibe bei meinem Rat, den ich vor Wochen und vor dem geschätzten Herrn Hoeneß an anderer Stelle ausgesprochen hatte. Eine Frage der Würde!“

„Da stimme ich wiederum zu. Zwei Generationen, die nicht mehr zusammenpassen. Wo sich der dreizehnjährige Ballack auf realsozialistischen Bolzwiesen noch den dritten Sehnsuchtsstreifen auf seine Kickschuhe klebte oder malte, wurde Klein-Philipp im selben Alter von Frau Mama Lehrerin (halbes Deputat!) zwischen Reitstunde, Philosophie-Leistungskurs, Tai-Chi für Hochbegabte und Fußballinternat hin- und herchauffiert, das stets frisch geschmierte Nutellabrot im Handschuhfach.“

„Welch blumige Wut!“

„Keine Wut. Lediglich das Nichtverstehen der Respektlosigkeit und des dummen Timings. Philipps Mannschaft? Strebertum praecox!“

„Befürchten Sie Auswirkungen für den heutigen Abend?“

„Sie sehen mich prognoseunfähig! Was ich befürchte: eventuell ist da dann doch dem Einen oder Anderen etwas zu Kopf gestiegen.“

„Wenigstens hat die Dame mit den hängenden Mundwinkeln zu tun und erspart uns öffentliches Gejubel!“

„Gut so. Auch der Alte von Görlitz wäre besser zu Hause geblieben. Man lasse die Mannschaft da unten in Ruhe ihre Arbeit tun.“

„TOI, TOI, TOI?“

„TOI, TOI, TOI!!“



Aus der Tiefe des Raumes, weil WM is’ (8.)
4. Juli 2010, 08:17
Filed under: Aus der Tiefe des Raumes

halbfinale1

„Wenn ich Sie was fragen dürfte, Herr Mahler?“

„Arne Friedrich netzt ein gegen die Albiceleste!“

„Welche Frage wollte ich stellen, mein Bester?“

„Arne Friedrich netzt ein gegen die Albiceleste?“

„Der gestrige Nachmittag hat Folgen?“

„Arne Friedrich netzt ein gegen die Albiceleste?“

„Das neue Mantra? Zu Ehren des Elefantengottes!“

„Auch! Aber vor allem Ausdruck eines vor diesem historischen Ereignis nie auch nur ansatzweise gedachten Gedankens. Schmecken Sie: Arne Friedrich netzt ein gegen die Albiceleste! Unfaßbar!“

„Sie, als Bär beim Äußern eines Superlatives!“

„Ich gestehe, ich bin von mir selber überrascht. Gar nicht die Art der Artgenossen!“

„Das Haar in der Gazpacho?“

„Die regierende Konfirmandin in der Kostümjacke des Grauens legt scheu die gefalteten Hände auf die Knie und sitzt neben Herrn Zuma, als bäte sie um Aufnahme in seinen Harem.“

„Gönnen Sie ihr nicht die einzige Freude in diesen Wochen?“

„Nicht die Bohne. Falsche Bühne!“

„Sonstige Erkenntnisse?“

„Die Zahl vier, ewig verbunden nun mit England, Argentinien und – wie gehabt – Hartz! Kuriose Numeristik! Ihre Zusammenfassung der Ereignisse?“

„Ich wage ihr Arne-Mantra zu toppen!“

„Ich bin gespannt!“

„In der achtundfünfzigsten Minute gelingt Mertesacker ein Hackentrick!“

„Tatsächlich?“

„Können Hasen lügen?“

„Chapeau! Dieser Punkt geht an Sie! Der nächste Gegner?“

„Ich gehe davon aus, daß ihm die Knie schlottern!“

„Yep! Nutzen wir die freien Tage!“

„Hasta miercoles! Venceremos!“

„Bueno! Que te vaya muy bien!“

Kommentare deaktiviert


Hömma, wat ich grad am denken bin (Folge 10)
3. Juli 2010, 21:19
Filed under: Hömma, wat ich grad am Denken bin

wm_sieg

Ich sach mal so:

Die Aufstellung der Nationalen Jugendbande

vom 3. Juli 2010

Neuer

Lahm    Mertesacker    Friedrich    Boateng

Schweinsteiger    Khedira

Müller    Özil    Podolski

Klose

Später dazu:

Jansen   Kroos   Trochowski

Spielbeginn:

16 Uhr

Danke, Herr Handke!

Also: Schicht im Schacht und ich danke Sie für heute. Et grüßt Euren „Lütten Stan“

Kommentare deaktiviert


Aus der Tiefe des Raumes, weil WM is’ (7.)
3. Juli 2010, 15:46
Filed under: Aus der Tiefe des Raumes

viertelfinale3

(Brütende Hitze ist untertrieben. Man schwitzt. Und fröstelt trotzdem. Aufregung.)

„Wenn ich Sie was fragen dürfte, Herr Mahler?“

„Ich bitte darum, Herr von Lippstadt-Budnikowski!“

„Aufgeregt?“

„Darüber spreche ich nicht!“

„Aufreger des Tages?“

„Depp Dieckmann läßt Messi auf Fressi reimen. Vorurteil bestätigt: Deutscher ‚Humor’ und seine nicht auszurottende Tendenz zur Latrinenhaftigkeit.“

„Erfreuliches?“

„Holland schickt am 9. Weltantidiskriminierungstag eine Abordnung von Inter Leverkusen, welches sich in brasilianische Jacken gekleidet hat, nach Hause.“

„Give Persie a chance?“

„Ich bitte darum! Auch wenn ich indigniert feststellen muß, daß die Restwelt zur Zeit versucht den germanischen Fußball des vergangenen Jahrzehnts zu kopieren. Einzelleistung, Standards, effektiv rumpelnd.“

„Der Nationale Ausdruck einer Mannschaft vielleicht doch nur Klischee?“

„Lediglich Futter für den Boulevard!“

„Wer ist der Herr mit den vier Armen, der uns heute Gesellschaft leistet?“

„Ganapati, der ‚Herr der Scharen’, hier meist bekannt als Ganesha. Man bittet ihn um Glück auf dem Weg. Man bittet um die Kraft, sein Ziel weise und intelligent zu erreichen.“

„Vier Arme? Genetisch? Fehlentwicklung?“

„Metapher, mein Bester! Die vier Arme der Virtuosität: Schweinsteiger, Özil, Müller und – Lachen Sie nicht! – der gute alte Zenklose! Die Stellung der Hände  – eine sogenannte Mudra – signalisiert: ’FÜRCHTET EUCH NICHT!’. Ich denke dies ist heute vonnöten.“

„Ist eine Niederlage einkalkuliert!“

„Aber gewiß doch. Triumph macht fett und trunken. Wir erinnern an Herrn Beckenbauer anno 1990: ‚Diese Mannschaft wird auf Jahre unschlagbar sein!’ Vogts und Ribbeck folgten. Trauer wiederum verpflichtet zur Arbeit.“

„So dürfen wir heute nachmittag ernten?“

„Würde mich freuen, auch wenn ich mein Innerstes hier nicht nach außen kehren mag!“

„Verstehe einen Bär, wer will. Mir schlottert das Gebein!“

„Dies, bester Herr von Lippstadt-Budnikowski, höre ich. Glotze an!“

„Eine letzte Frage noch? Stimmt es, daß vor gar nicht allzu langer Zeit Spiele noch durch Münzwurf entschieden wurden? Quasi eine Art Gottesentscheid?“

„Gewiß! Fragen Sie Hannes Löhr!“

„Warum hat man dies abgeschafft?“

„Winnetou ist tot!“

Kommentare deaktiviert


Aus der Tiefe des Raumes, weil WM is’ (6.)
2. Juli 2010, 07:29
Filed under: Aus der Tiefe des Raumes

viertelfinale2

(Brütende Hitze. Man schweigt. Ausdauernd. Nach geraumer Zeit Herr Mahler.)

„Sie sind des Lateinischen mächtig, Herr von Lippstadt-Budnikowski?“

„Grundlagen! Warum?“

„Si tacuisses, Philo und Fuß mansisses!“

„Was habe ich verbrochen?“

„Nicht Sie! Herr Schweinsteigers Äußerungen über den Argentinier an sich, der den armen und anderen Fans die Plätze auf der Tribüne wegnimmt! Ein neuer Handtuchkrieg, da der Engländer die Liegestühle am Pool geräumt hat? Albern!“

„Erfreuliches?“

„Unbedingt und mit weitem Abstand: die Heimreise des Gegelten aus Portugal. Wie bemerkten die Altvorderen gerne? Täte Dummheit weh, müßte der den ganzen Tag schreien. Auf Platz zwei: die Rückkehr des Herrn Lothar Matthäus in den Weltfußball, genauer nach Kamerun. Eine tragikomische Gestalt! Und Sie? Haben Sie sich erholt?“

„In Ansätzen. Sorge treibt mich um. Der dritte Wahlgang.“

„Konkret!“

„Ihr Alptraum wird wahr. Merkel und der Neue Präsident ante arenas. Schlechtes Karma! Drei Wahlgänge. Spiel. Verlängerung. Elfmeterschießen. Meinem von der Hitze leicht lädiertem Nervenkostüm nicht zuträglich!“

„Mich irritiert in diesem Zusammenhang die Taktlosigkeit der Dame. Nach einem innenpolitischen Fiasko Flucht und maßlose Verschwendung von Steuermitteln. Eine Flugstunde kostet über zehntausend Euro. Geschmacklose Truppe. Zum Sport: Sie tippen?“

„Ich befürchte Heimflug am Sonntag! Merkel holt die Buben heim!“

„Zweifel? Das nationale Feuer? Ist es erloschen?“

„Realitätssinn, bester Herr Mahler! Die beiden überzeugenden Siege gelangen gegen Teams, die weitgehend körperlos spielten. Im Herzen jedoch Hoffnung auf den Wundertüteneffekt. Sie?“

„Heute erst mal Holland und der wahnsinnige Herr Robben. Es gilt zu verhindern, daß das Halbfinale zur Copa Latinamericana mutiert.“

„Weshalb?“

„Fragen Sie Herrn Schweinsteiger! Das alte Europa und seine Kultur verteidigen! Spaß beiseite. Holland ist dran. Auch auf Grund einer gewissen Dankbarkeit gegenüber Herrn van Gaal, dessen Grundlagentraining auch unserer Nationalen Jugendtruppe gutgetan hat.“

„Außer Herrn Klose.“

„Klose ist Quartalsspielers. Er muß wohl die heilenden Hände des Herrn Löw spüren. Ein Kuriosum.“

„Man erwartet für den morgigen Tag Temperaturen, die sich in Richtung Vierzig Grad bewegen!“

„Da sage ich, meidet die öffentlichen Schauplätze! Bleibet zu Hause und freut Euch dort redlich! Schließen Sie bitte das Fenster, Herr von Lippstadt-Budnikowski!“

„Ihr Wunsch sei mir Befehl. Bewahren wir kühlen Kopf und schweigen!“

„Yep!“

(Stunden später. Der beste Sportteil der Welt gibt Archibald Mahler recht. Der Bär kratzt sich an seinem Pöter und schnarcht weiter. Es ist mal wieder Sommer, Klärchen!)

Kommentare deaktiviert


Aus der Tiefe des Raumes, weil WM is’ (5.)
29. Juni 2010, 12:48
Filed under: Aus der Tiefe des Raumes

tiefe9

„Wenn ich Sie was fragen dürfte, Herr Mahler?“

„Ich bitte darum, Herr von Lippstadt-Budnikowski!“

„Ich finde Sie hier in kontemplativer Versenkung? Beten Sie? Für unsere Nationale Jugendtruppe?“

„Wieder einmal schießt Ihre Interpretation einer Vermutung weit übers Ziel hinaus. Doch vollkommen falsch liegen Sie nicht. Übers Beten denke ich nach, das Beten auf dem grünen Rasen!“

„Das habe ich auch beobachten dürfen, eine Welle der öffentlichen Frömmelei überschwemmt die Wiesen Südafrikas.“

„Falsch und fragwürdig! Es ist davon auszugehen, daß keiner darum bittet, Gott möge ihm helfen, seine Nerven im Griff zu halten, keinen Gegenspieler zu verletzen, kein vorsätzliches Handspiel zu begehen und falls er ein mehr als eindeutiges Abseitstor geschossen habe, dieses dem Referee  mitzuteilen!“

„Ein bißchen viel verlangt, finden Sie nicht?“

„Gewiß, doch ist Grundzug jeglicher Religiosität nicht die Bitte um das Wohlergehen des Anderen? Man vergißt gerne, daß sowohl Schütze als auch Torhüter – sollte es das Prinzip Gott geben, wovon auszugehen ist – beide unter dessen Schutz stehen. Mir scheint der Gebettext der Herren Kicker ist eher jener der Falschparker und Steuerhinterzieher. ‚Lieber Gott, mach’s Äuglein zu, schieb die Schuld den Andren zu.’ Was meinen Sie?“

„Verlangen Sie von den Aufrechtgehern nicht Erkenntnis, die sie nicht leisten können. Die Balltreter sind lediglich Vertreter der Gattung der nackten Affen, eine Art moderner Hohepriester. Der Zweibeiner spiegelt sich im Ritual mit den Bällen, zieht als Fan im Mensch und vice versa Trost aus der Leistung der Seinigen.“

„Und mehr noch: tiefsten Lustschmerz aus der Niederlage, die beweist, wie schlecht – wieder einmal – die Welt das gepeinigte Ego behandelt hat. Beweisführung quasi der permanent subjektiv empfundenen Benachteiligung. Bringt mir den Schuldigen! Und dann wird gekreuzigt. Zuerst die Trainer.“

„Sie erinnern sich an das Titelbild der taz? Klinsmann auf Golgatha?“

„Gewiß! Besser konnte man das Prinzip ‚Hosianna! Kreuziget ihn!’ im Fußballgeschäft nicht darstellen. In keinem anderen Bereich wird so viel gemunkelt, spekuliert. Verschwörungstheorien. Dunkle Mächte allenthalben!“

„Offensichtlich dieser Glaube  ein tiefes Bedürfnis der Gemeinde  “Pöhler der Ersten Stunde” und Hauptargument gegen alle Arten elektronischer Beweisführung! Der Mythos, der die eigene Niederlage verschleiert und den verdienten Sieg der Anderen kleinredet, über Jahrzehnte hinweg.“

„Dagegen ist nichts einzuwenden. Mich stört lediglich die Argumentation eines Luis Fabiano – und da steht er nicht allein – die da lautet: ‚Beschiß machte dieses Tor erst richtig schön.’ Die stolzgeschwellte Brust des Rasers, der nicht erwischt wurde. Es mangelt mir leider an jeglicher Wertschätzung solchen Tuns. Ewige Pubertät? Ihre Meinung zu Brasilien, in diesem Zusammenhang?“

„Eine Effektivität, ebenso wie bei den Niederländern, von fast schon erschreckendem Ausmaß. Nicht schön anzusehen, ermüdend!“

„Schönes Stichwort. Die Anhäufung ermüdet. Ich freue mich auf die spielfreien Tage.“

„Da sagen Sie was, lieber Herr Mahler! Das Flutlicht aus und alle Tore offen! Morgen ist kein Spiel!“

„Hosianna!“

„Übertreiben Sie es nicht! Bis Freitag dann! Schlafen Sie sich aus!“

„Danke schön, Herr von Lippstadt-Budnikowski, desgleichen. Ach: der Tipp noch!“

„Japan und Spanien!“

(Er gähnt und schläft auf der Stelle ein. Herr Mahler folgt seinem Beispiel. Ruhe kehrt ein. Zwei Stunden später: Herr Mahler erwacht: schreckensbleich.)

„Herr von Lippstadt-Budnikowski, um Himmels Willen, wachen Sie auf!“

„Hier bin ich! Sprechen Sie! Was plagt Sie!“

„Ein Alptraum, ein veritabler! Ein das Wohl der Nation gefährdender Alptraum!“

„So sprechen sie doch, ich bitte!“

„Die Merkelin, Kanzlerin auf Abruf, kündigt Ihre Ankunft für den Samstag zu Kapstadt an.“

„Menetekel! Menetekel! Stümperei ante portas! Bad Vibrations! Hängende Mundwinkel! Unvorteilhafte Kostümjacken! Wie kann man dies verhindern? Haben Sie eine Idee?“

„Gauck wählen!“

(Man schläft wieder ein. Gewitter. Unruhige Nacht. Maradona lacht. Herr Mahler spricht im Schlaf.)

“Breakings News: Herr Blatter entschuldigt sich bei England und Mehicho und denkt über Videobeweis nach! Sic!”

Kommentare deaktiviert


Aus der Tiefe des Raumes, weil WM is’ (4.)
28. Juni 2010, 07:15
Filed under: Aus der Tiefe des Raumes

tiefe4

„Wenn ich Sie was fragen dürfte, Herr Mahler?“

„Ich bitte darum, Herr von Lippstadt-Budnikowski!“

„Sind Sie traurig?“

„Keineswegs, denn ich sehe in der Hochstilisierung eines schönen Spiels zur gewonnenen oder verlorenen Schlacht keinen Gewinn, weder emotional noch intellektuell. Sie finden mich eher nachdenklich.“

„Die Fehlentscheidungen?“

„Jawohl. In beiden Spielen des gestrigen Tages. Menschliche Unpäßlichkleit. Eingriffe schwerster Art in Ablauf und Entwicklung des Spieles. Fatal.“

„Glauben Sie denn es gibt Mittel, dies zu verhindern? Oder ist der Fehler, das Drama, die Ungerechtigkeit nicht wesentlicher Bestandteil der Oper um den runden Ball?“

„Wenn gewisse Grenzen der Blindheit überschritten werden, beginne ich an dieser These zu zweifeln. Ich erinnere mich an meine ersten Bilderapparaterfahrungen im März dieses Jahres. Eishockey ist eine höchst spannende und rasante Gelegenheit und es gibt Torrichter. Man sollte es zumindest ausprobieren. Der gestrige Tag ruft förmlich danach. Davon abgesehen, waren die beide Siege hochverdient, der deutsche mehr, der argentinische weniger, wobei: Herr Maradona ist Rock ’n’ Roll, wenn ich das so sagen darf.“

„Ich wiederum gebe zu, ich spiele mit dem Gedanken mir ein Trikot des Herrn Müller anzuschaffen.“

„Bleiben Sie, wie sie sind!“

„Sie sind und bleiben eine Euphoriebremse! Stichwort: Einschätzung der Leistung der Übertragungsgesellschaften?“

„Der Herr ARD bemüht sich, dem Mann aus der Tiefe des Raumes gebührt mein ganzer Respekt. Der hysterische Twen RTL: unerträglich.“

„Beispiele?“

„Klinsmann und Jauch. Ersterer nach den wütenden Protesten der Mexikaner – in diesem Zusammenhang sei noch mal auf die sportliche Haltung von Albion hingewiesen! – als er sagte: „Ich lääbe ja in Kalifornien. Da sind die Mexikaner in meiner Nachbarschaft. Sie lääben aus dem Bauch heraus!“ Wie meinen? Die ganzen mexikanischen Hungerlöhner, die im “Golden State” Rasen mähen, Toiletten putzen und die Gurken sortieren, immer schön aus dem Bauch heraus, oder was? Und wie kommt Herr „Ich bin schon längst Millionär“ Jauch dazu, sich darüber lustig zu machen, daß Maradona sich immer mal wieder bekreuzigte? Relikte unreflektierten und dummdreisten Germanentums. Oh sancta simplicitas! Ihre Erkenntnisse?“

„Staunen mehr denn Erkenntnis. Vier Spiele unseren Nationalen Jugendbande, vier verschiedene Visitenkarten abgegeben. Eine Wundertüte mit der Möglichkeit des Ausschlages nach ganz oben. Furcht vor Argentinien wäre unangebracht! Der von mir nicht immer verehrte Herr Löw tut offensichtlich seine Arbeit. Man folgt ihm unerbittlich!“

„Gegen die Lateinamerikaner ist zu hoffen, daß aus dem Serbienspiel Lehren gezogen werden. Die Engländer haben gestern für ihre Verhältnisse fast körperlos gespielt, dies gebe ich zu bedenken.“

„Aus den Haaren, die sie in jeder Suppe finden, flechten andere Perücken, mein lieber Herr Mahler! Das Flutlicht aus und alle Tore offen! Morgen ist auch noch ein Spiel!“

Kommentare deaktiviert


Hömma, wat ich grad am denken bin (Folge 9)
27. Juni 2010, 19:37
Filed under: Hömma, wat ich grad am Denken bin

wm_sieg

Ich sach ma so: Thank you, Albion! Dat erste Spiel, wo die Gesänge dat Getröte übertönen tun. Sorry, Albion! Dat is eine ganz klare Kiste inne Minute fünfundreissig. Und an alle meine Landskameraden inne hitze- und pilsbedingte Euphorie, und an Kai „Das ALO“ Dieckmann ganz besonders, kann ich nur appellieren müssen tun: Rache für Wembley? Lasset sein! Revanchefoul is immer Rote Karte! Inne tiefer gehende Diskussionseinheiten mit meine alte Kumpel und Three-Lions-Anhimmler Archibald wird die Frage nache Notwendigkeit vonne Einführung von Torrichters und Kameras und alle Arten von Gerechtigskeits-Schnickschnack behandelt werden tun. Und hömma: dat war tiefe Sportlichkeit von die alten Herren vonne Insel, die Knöchel von unsere wunderbare Jugendbande nich zu Brei zu kloppen. Kannse Dir vor Deine innere Auge ausmalen, die nich gegebene Hütte gegen Argentinien, Italien un wat weiß ich? Und Mick Jagger musse ersma auffe Tribüne sitzen haben als Supporter. Also fertig mit die alte Schlachtbildmalerei! Getz zurück zur Pöhlerei! Langsam geht et los! Da bisse am denken, dat dauert, dat wird zäh! Dann haut der Neuer dat Ding anne gegnerische Strafraumgrenze: und, wat soll ich saren: ne, dat kann nich dat Gespenst M.K. gewesen sein, dat is seine Clon vonne letzte WM, Ellenbogen raus und: ZACK! Hütte gemacht im Fallen! Glaub ich dat! Dat is Zeitreise pur! Zenklose is back! Der Werbeprinz kurz danach mit Scheuklappe fürre Nebenspieler. Befürchtungen! Et wogt. Doppelpaß germanisch, Latte angelsächsisch. Und dann: ich sach mal so: Wo Müller draufstehn tut, is großartige Pöhlerei drin! Wat ein Paß, un der linke Fuß vom allzu oft im Eigensinn verhafteten Herrn Podolski sei hiermit gepriesen. Freude praecox inne Mannschaft und in die Reporterkabinen und inne Folgerichtigkeit: Boateng un der vorzügliche Herr Neuer sind eine grobe Verschätzung am produzieren tun. Un der Herr Schiedsrichter im direkten Anschluß dito! Kannse Gebete für anne nicht vorhandenen Fußballgötters senden! Pause und: Herr ARD, kannse mir mal erzählen tun, wat dat Blondie vonne Fanmeile, wo die hysterischen, geschminkten Teilzeitfussies am kollabieren sind, mit die Pöhlerei zu tun hat? Halbzeit zwei is für et Nervenkostüm eine Prüfung inne erste Viertelstunde. Albion rollt! Und wie hat et der Herr Kommentator Simon (Ich sach mal so: Weniger is mehr!) ausgedrückt: „Der Ball senkt sich wie ein Stein aufs Aluminium!“ Hömma Steffen, der Preisträger vonne Lesetage in Klagenfurt is am feststehen! Dann die zehn Minuten, wo ich inne komplette Fassungslosigkeit verharre und sage: Herr Arne Friedrich, wat Sie seit die Duell gegen die Ghanaer an Leistung inne germanische Strafraum zaubern, dat is kurz vor Kohler! Der Rest: Thomas Müller! Thomas Müller! Und der Neuer hält et fest. Bewegungen allenthalben! Rein oder Raus? Raus und Rein? Wer is dat? Gomez? Kießling? Rooney kann dat nich gewesen sein! Abpfiff! Da bleibt Erinnerung haften. Der Hitze geschuldet un den nachmittäglichen Pilsken: dat Schlußwort dem Herrn Podolski: “Die Brust ist erstmal da!” Dat will ich doch hoffen! Auf innet Finale! Auch wenn et dann die Frau Merkel un der Herr Niedecken sind, die die prominenten Sitzbänke besetzen tun werden.

Also: Schicht im Schacht und ich danke Sie für heute. Et grüßt Euren „Lütten Stan“