Anleihen. Ansinnen. Anleid(t)ungen. Dreizehn.

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„Und ich frog mi warum I no do bin!“

Prinzipiell sind glitzernde Gleise, die sich unbefahren und vielversprechend in eine verlassene Gegend legen, ein beruhigender Anblick, vorausgesetzt man möchte verweilen und legt keinen gesteigerten Wert auf Gesellschaft jeglicher Art, ist sich selbst genug und erwartet vom Draußen generell weniger Anregung denn Irritation, ja Störung. Beunruhigender trifft solcher Anblick denjenigen dem eine gewisse Unruhe innewohnt, entweder hervorgerufen durch Erwartungen, Hoffnungen aller Couleur und Provenienz oder durchaus nachvollziehbar ob lang getätigter und gewissenhaft einzuhaltender Verabredungen oder Versprechen. Die zwei Reisenden auf dem Andreaskreuz sind da ein wenig unschlüssig, ein jeder in sich und auch ein wenig über Kreuz liegen sie, wie man so sagt. Archibald Mahler verweilt noch im Zustand des Quartalsmisanthropie, während Kuno von und zu Budnikowski seine Fühler Richtung Lenz und Mitwesen ausstrecken mag.

„Nicht viel, was hier geschieht, mein lieber Budnikowski!“

„Mahler! Nennen wir es beim Wort! Nix, nix iss hier!“

„Nun gut: Ebbe, Flut, hell, dunkel, Sonne, Regen. Nichts buchstabiert sich anders meinem Dafürhalten nach.“

„Ja ja! Die Bewegung in sich, das große Weltatmen, das Gleichmaß, Bewegung im Stillstand. Mir aber ist nach profaner Abwechslung. Ich bin reif fürs Festland.

„Ja, aber man muß länger bleiben, wenn man verstehen will, gebe ich zu bedenken!“

„Das stimmt. Aber manches versteht man auch erst wenn man reist, nicht wenn man bleibt!“

„Kann sein, doch wer hört eben Ihr Rufen, wer leiht uns ein fahrplanmäßiges Ohr?“

„Mahler, Genosse, sie leiden unter einen fixen Idee! Sie haben sich in diese Inselbahn verguckt, aber mir schwant hier ist nichts von Gegenseitigkeit zu sehen!“

„Dies würde mich a) wundern, b) fundamental irritieren und c) ordentlich schmerzen!“

(im Flüsterton) Aufgemerkt! Lassen Sie uns das Verkehrsmittel wechseln!“

„Woher nehmen, wenn nicht stehlen, werter Hase?“

„Bär, sieht er dort den Aufrechtgeher aus dem Gebüsch sich stehlen, wo jener eben die Frühstückskanne Ostfriesentee abschlug? Sieht er welcher Ziel der Struller anstrebt?“

„Sie meinen?“

„Auf und hopp ins Körbchen, behende und leise. Wäre nicht das erste Mal, daß wir als Blinde Passagiere reisten!“

Ist der ständige Wind dem Wanderer schon ein Prüfstein, so singt die wahren Klagelieder der Radler, der ihm ausgesetzt. Tränenden Auges, fluchend und mit schmerzendem Oberschenkel rollte der uns unbekannte (na ja!) Chauffeur der zwei Gefährten zwischen Salzwiese und Düne dahin. Das Inseldorf nahte. Hinten im Korb frohlockte ein Bär, denn ein schriller Pfiff zerriß die Luft.

„Verdammt Mahler! Halten Sie an sich! Wir rollen eben so komfortabel!“

„Ha! Von wegen fixe Idee! Bei drei wird gesprungen und rauf auf die Plattform. Eins! Zwei! Drei!“

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(text / fotos: christian lugerth)

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Autor: Christian Lugerth
Datum: Montag, 9. April 2018 20:23
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Ansinnungen 2018

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